Biodiversität - (Er)Leben und Gestalten in Vielfalt
Laufzeit
Das Projekt läuft vom 01.08.2008 bis zum 31.07.2009
Ansprechpartner
- Dr. Helmut Röscheisen
- Dr. Christine Katz
- Telefon: 0228-359005
- E-Mail: zum Kontaktformular
Zielsetzung
Menschen mit Migrationshintergrund machen einen hohen Anteil der Bevölkerung in Deutschland aus. Dennoch werden diese nur selten als Zielgruppe von Informationskampagnen (spezielles Beispiel sind hier die Biodiversitätskampagnen) anvisiert noch sind sie als Aktive in Natur- und Umweltschutzverbänden zu finden.
Ziel dieses Projektes ist es, Gründe für diese Betrachtung aufzuzeigen sowie Partizipationsmöglichkeiten für den weiter anwachsenden Teil der Bevölkerung auf innovative Weise zu fördern. Mit dem Projekt soll die Arbeit der Natur- und Umweltschutzverbände gestärkt und das Natur- und Umweltschutzbewusstsein in Deutschland nachhaltig gefördert werden.
Durch das Vorhaben sollen beispielhafte Kenntnisse und erste Ansätze über spezifische und effektive Maßnahmen zur Verbesserung des Informationsstandes und der Informationsvermittlung im Umweltbereich - insbesondere bezogen auf die Thematik Biodiversität - generiert und entwickelt werden. Dabei steht die aktive Einbeziehung von MigrantInnen in den Umweltbereich im Vordergrund.
Auf diese Weise leistet das Projekt einen Beitrag zur zielgruppenadäquaten Sensibilisierung der Menschen, die bisher als Adressaten/innen von Nachhaltigkeitsthemen wenig berücksichtigt wurden, und es dient dazu, die Biodiversitätsthematik bei ihnen zu verankern.
Ferner dient das Vorhaben dem Auf- und Ausbau von deutsch-migrantischen Kooperationsnetzwerken – sowohl zwischen Institutionen als auch Einzelpersonen - wobei ein beidseitiger Lernprozess angestrebt wird.
Um das Projektziel zu erreichen und voranzubringen, sollen die türkischen Medien in das Vorhaben mit einbezogen werden. Diese spielen in der Informationsvermittlung zur türkischen Community, welche die größte nationale Gruppe unter den Zuwanderern ist, eine zentrale Rolle. Hierfür wird die Stiftung „Zentrum für Türkeistudien“, die über ausgeprägte Kontakte zu den türkischen Medien verfügt, als Projektpartner einbezogen und beauftragt.
Vorgehensweise
Zunächst soll die Ausgangssituation der wesentlichen Natur- und Umweltschutzverbände (insbesondere BUND, NABU, Grüne Liga), aber auch bei deren Bundesverbänden und anderen DNR Mitgliedsverbänden, erhoben werden.
Dazu soll eine Befragung durchgeführt werden:
zum Beispiel
- inwiefern dort Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt und/oder aktiv sind,
- welche Chancen und Schwierigkeiten sie hatten (und sehen), sich in Natur- und Umweltschutzverbänden zu engagieren,
- was sie für Vorstellungen, Ziele und inhaltliche Schwerpunktsetzungen für ihre Arbeit haben und sich bzgl. Biodiversität vorstellen könnten,
- was die derzeitigen aktiven MitarbeiterInnen der o.g. Natur- und Umweltschutzverbände für Kenntnisse und Vorstellungen über Menschen mit Migrationshintergrund mitbringen (z.B. zu deren Umweltbewusstsein und Interesse an Themen wie Biodiversität).
Arbeitsschritte und Maßnahmen:
- Kontaktaufnahme mit Gruppen mit Migrationshintergrund zum Thema Nachhaltigkeit/Biodiversität
- Erarbeitung eine Leitfadens mit Fragen zu den Anforderungen an eine Kommunikation von Biodiversitätsthemen
- Durchführung und Auswertung von qualitativen ExpertInnen-Interviews aus den Natur- und Umweltschutzverbänden zu der Relevanz von migrantischen Aspekten
- Zusammenstellen des Wissensstandes über zielgruppenspezifischen Nachhaltgikeitskommunikation
- Erstellung von Handreichungen für praktisches Handeln und Kommunikation
- Vorbereitung und Durchführung eines Workshops zum Thema „Biodiversität (Er)Leben und gestalten in Vielfalt - Interkulturelle Begegnung“ im September/Oktober 2008 in Wiesenfelden mit den Themenschwerpunkten
- Von der Theorie zur Praxis:
- Teil I Anforderungen an eine zielgruppenspezifische
- Kommunikation der Thematik biologische Vielfalt
- Teil II Schlussfolgerungen aus Studie "Umweltbewusstsein und Umweltverhalten türkischer MigrantInnen in Deutschland"
- Biodiversität erleben - Spaziergang in der Umgebung (Praxis)
- Teil I Was läuft gut? Wo gibt es Probleme? Besondere Erfahrungen Berichte aus verschiedenen Gruppen.
- Teil II Verabredungen für die Zukunft
In einem weiteren Schwerpunkt soll eine Bestandsaufnahme der türkischen Medienlandschaft in Deutschland erfolgen, die Printmedien, Funk und Fernsehen beinhaltet. In den Redaktionen sollen RedakteurInnen und JournalistInnen identifiziert werden, die für den Bereich Umwelt allgemein und Biodiversität im Besonderen verantwortlich sind oder diesen bearbeiten. Dabei soll auch eruiert werden, ob und in welchem Umfang Berichterstattung hierzu stattfindet. Diese JournalistInnen sollen später zu einem Workshop eingeladen werden.
In einem zweiten Schritt sollen mit drei bis vier dieser RedakteurInnen oder JournalistInnen aus den verschiedenen Medienbereichen, insbesondere solchen, die sich mit diesen Themen bereits intensiver befasst haben, leitfadengestützte Tiefeninterviews durchgeführt werden. Ziel der Leitfadengespräche ist zum einen, herauszufinden, inwieweit Berichterstattung zu diesen Themen in den türkischen Medien stattfindet und inwieweit sie sensibel für Kampagnen sind, vor allem aber, Ansatzpunkte dahingehend zu erhalten, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen Berichterstattung in den türkischen Medien über diese Themen stattfinden kann, wie die türkischstämmigen Leser, Hörer und Zuschauer an das Thema herangeführt werden können und wie Kampagnen in den türkischen Medien gestaltet sein müssen. Diese Untersuchung dient auch der Vorbereitung des dritten Schritts, die Durchführung eines Workshops.
Der dritte Schritt, ein Workshop in Frankfurt mit RedakteurInnen und JournalistInnen türkischer Medien dient der Sammlung und dem Austausch von Anregungen und Maßnahmen zur Sensibilisierung der türkischen Medien wie der türkischstämmigen Bevölkerung. Der Workshop selbst dient zugleich der Sensibilisierung der Teilnehmer. Zum Workshop sollen 10 bis 15 RedakteurInnen und JournalistInnen türkischer Medien, die sich bereits mit Umweltthemen allgemein und der umweltbiologischen Vielfalt im besonderen beschäftigt haben, eingeladen werden. Geplant ist, zunächst über kurze Einführungsreferate durch MitarbeiterInnen des Deutschen Naturschutzrings und der Stiftung Zentrum für Türkeistudien das Thema und die Studienergebnisse vorzustellen. Anschließend sollen mit den TeilnehmerInnen Möglichkeiten der Sensibilsierung und der Medienarbeit diskutiert werden. Der Workshop wird in Form eines Berichts dokumentiert.
Arbeitsschritte
- Bestandsaufnahme der türkischen Medienlandschaft in Deutschland, Identifizierung von RedakteurInnen und JournalistInnen, die für den Bereich Umwelt und Biodiversität zuständig sind oder bereits gearbeitet haben.
- Durchführung von drei bis vier Tiefeninterviews mit RedakteurInnen und JournalistInnen, die für den Bereich Umwelt und Biodiversität zuständig sind oder bereits intensiver gearbeitet haben (Ausarbeitung des Leitfadens, Kontaktaufnahme, Durchführung der Interviews, Auswertung der Gespräche).
- Vorbereitung und Durchführung eines Wokshops
Beschreibung
Gesellschaftliche Naturverständnisse und daraus hervorgehende Handlungen in und mit der Natur werden durch die jeweilige Biografie eines jeden Einzelnen besonders geprägt. Zielgruppenspezifische Sensibilisierung für Umwelt- und Naturschutzfragen muss diesen biografischen und soziokulturellen Hintergrund berücksichtigen, um erfolgreich sein zu können. Vor allem im Bereich der Biodiversität treffen häufig sehr unterschiedliche Naturverständnisse aufeinander. Das Projekt möchte dieses Wissen in die Praxis übersetzen und durch neue Formen einer kultur- und gendersensiblen Kommunikation die Partizipation von MigrantInnen im Natur- und Umweltschutzbereich fördern.
Das Projekt richtet sich an MigrantInnen, die bereits in Natur- und Umweltschutzverbänden aktiv sind sowie an solche MigrantInnen, die bisher keinen oder kaum Kontakt zu Natur- und Umweltschutzverbänden hatten bzw. in diesen aktiv waren.
Über die Zielgruppe hinaus sollen MultiplikatorInnen der Natur- und Umweltschutzverbände (zunächst in Berlin, insbesondere des BUND, NABU, Grüne Liga) und MedienvertreterInnen über die Stiftung Zentrum für Türkeistudien angesprochen werden.
Die Ergebnisse sollen in einer Broschüre mit ersten Merkposten für weitere Natur- und Umweltschutzvereine zur Verfügung gestellt werden.
Als Folgeprojekt können Sensibilisierungs-Workshops für die genannten Akteure durchgeführt werden.
Durch den modellhaften Charakter und der sich auf das gesamte Bundesgebiet bezogene Thematik des Vorhabens ist die Übertragung auf andere Standorte möglich und sinnvoll. Da die genannten Umweltverbände bundesweit aktiv sind, ist die bundesweite Verbreitung der Ergebnisse des Vorhabens bereits im Projekt selbst angelegt.
Eine Kooperation mit der türkischen Umweltinitiative Deutschland (TUD) und der TEMA-Stiftung ist anvisiert. Beispielsweise ist für den Workshop auch die Teilnahme von VertreterInnen der TEMA-Stiftung sowie der Stiftung Zentrum für Türkeistudien geplant. Weiterführende Workshops bzw. sog. Fokusgruppen können im Anschluss an das Projekt realisiert werden, woraus vertiefende Erkenntnisse über den Informationsstand und geeignete Kommunikationswege für Thematiken wie Biodiversität- und Klimaproblematik, aber auch Nutzung von erneuerbaren Energien, gewonnen werden.
Durch die Kooperation mit der Universität Lüneburg kann eine Vernetzung von außeruniversitären (MigrantInnen)Organisationen mit AkteurInnen der Universität vorangetrieben werden.
Förderung
Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BFN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Dokumente (PDF)
- Kurzfassung Biodiversität (Er)Leben und Gestalten [286 KB]
- Abschlussbericht Biodiversität - (Er)Leben und Gestalten in Vielfalt [953 KB]



