Ehrenamtliches Engagement im Naturschutz
Laufzeit
Das Projekt läuft vom 01.11.2005 bis zum 31.01.2007
Zielsetzung
In Deutschland gibt es bislang nur wenig Erfahrungen mit dem Einsatz von Freiwilligenmanagern. Sie konzentrieren sich fast ausschließlich auf den Bereich der Sozialverbände. Im Umweltbereich gibt es bislang lediglich punktuelle Erfahrungen. Ein systematisches und verbändeübergreifendes Herangehen an neue Formen der Freiwilligenarbeit fehlt vollständig. Die international gewonnenen Erfahrungen lassen erwarten, dass Freiwilligenmanagement, wenn es von den deutschen Naturschutz- und Umweltverbänden systematisch eingesetzt werden würde, einen nennenswerten Beitrag zur Gewinnung neuer Aktiver leisten könnte. Es erscheint möglich, die bislang klaffende Lücke zwischen der Engagementbereitschaft in der Bevölkerung einerseits und der tatsächlichen Aktivenquote in den Natur- und Umweltverbänden andererseits zu schließen.
Ziel des Vorhabens ist es daher,
- das Thema Freiwilligen-Management in die Verbände und Vereine hineinzutragen, die Chancen des Freiwilligen-Managements für deren Personal- und Organisationsentwicklung aufzuzeigen,
- interessierte haupt- und ehrenamtliche Beschäftigte in Ausbildungslehrgängen mit den Methoden des Freiwilligen-Managements vertraut zu machen und ihren Einsatz in den Naturschutz- und Umweltverbänden zu fördern,
- Werkzeuge für die Arbeit von Freiwilligen-Managern im Naturschutz zu entwickeln und den interessierten Gruppen zur Verfügung zu stellen.
Vorgehensweise
Lokale Naturschutzgruppen bieten bereits heute vielfältige Engagementmöglichkeiten für Menschen, die sich für den Erhalt der Natur engagieren möchten. Die Zusammenarbeit oder die Arbeit mit Freiwilligen ist daher für die meisten Natur- und Umweltgruppen nichts grundlegend Neues. In der Regel liegt der Zusammenarbeit jedoch ein spontanes und eher zufälliges Zusammentreffen zu Grunde. Ein strategisch geplanter Ansatz gehlt. Freiwilliges Engagement "passiert" heute jedoch oft nicht mehr von alleine. Bürgerinnen jund Bürger, die sich engagieren möchten, steht ein bunter Strauß von Engagementmöglichkeiten zur Auswahl. Sie suchen daher einen konkreten Ansprechpartner, der es versteht, ihre Interessen zu erkennen sowie sie sinnvoll in die Freiwilligenarbeit einzubinden. Die Bürgerinnen und Bürger, die im Freiwilligensurvey ihr Interesse an einem Engagement bekundet haben, müssen folglich dort abgeholt werden, wo sie stehen.
Um neue Engagierte zu erreichen, müssen künftig in den Verbänden spezielle Freiwilligenkoordinatoren auch auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Bedürfnisse Freiwilliger vorbereitet werden. Nicht mehr nur stilles Mittun, Helfen oder gar Pflichtbewusstsein motiviert Menschen, sondern auch eigenständige Gestaltungsmöglichkeiten und Einfluss, professionelle Unterstützung und Begleitung, persönliche Ansprache, Qualifizierung der eignen Tätigkeit sind zentral. Die Erkenntnis wächst, dass die Gewinnung und Begleitung von Freiwilligen nicht nebenbei gelingen kann, sondern einer eigenen gezielten Anstrengung bedarf. Freiwilliges Engagement ist ein Bestandteil der Organisationskultur und -struktur, es ist als grundlegendes Verständnis in der eigenen Organisation verankert. So muss es automatisch ein darauf ausgerichtetes "Personalmanagement" geben, das die Wünsche beider Seiten - der Naturschutzarbeit und die der Freiwilligen - beachtet und die Zusammenarbeit zum Erfolg bringt.
Welche Maßstäbe gibt es demnach eigentlich in Bezug auf Qualität in der Arbeit mit Freiwilligen? Freiwillige ansprechen und einbinden ist nur eine Seite der Medaille. Bedeutender ist eine fachkompetente Anleitung und Begleitung. Mit ihr ermöglicht man Kontinuität und Entwicklung. Der Freiwilligenkoordinator steht zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, muss sowohl beraten als auch motivieren.
Die Ausbildung zum Freiwilligenkoordinator will einen Beitrag dazu leisten, Grundlagen für eine zukunftsorientierte Naturschutzarbeit zu bieten, die ohne das "Zusammenspiel" von Freiwilligen und Hauptamtlichen nicht gelingen kann. So vermittelt die Fortbildung grundlegende Schritte des Freiwilligenmanagements: von der Analyse der eigenen Organisationsziele und im Falle eines Vereins mit Hauptamtlichen der Rolle der Freiwilligen im Selbstverständnis der Organisation über Strategien der Gewinnung Freiwilliger bis zur Verankerung einer qualifizierten und abgesicherten Freiwilligenmanagements.
Compilation zur Freiwilligen-Koordination
Die Compilation vereint Themen zum Freiwilligenmanagement, die ansonsten getrennt abgehandelt werden und stellt Querverbindungen zwischen den Themen. Die Compilation soll den Teilnehmenden helfen, Erlebtes und Gelerntes noch stärker zu verinnerlichen sowie ihnen die Möglichkeit bieten, bestimmte Aspekte noch einmal nachzuschlagen. Die Behandlung folgender Inhalte ist ins Auge gefasst:
- Organisatorische Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Freiwilligen
- Die praktische Arbeit mit Freiwilligen
Freiwillige gewinnen und führen
Probleme und Konflikte im Umgang mit Freiwilligen
Qualifizierung und Weiterbildung von Freiwilligen
Anerkennung und Wertschätzung freiwilligen Engagements
Rechtliche Aspekte der Freiwilligenarbeit
- Dokumentation und Evaluation
Die "Veröffentlichung" der Compilation soll sowohl als Druck- als auch als elektronische Ausgabe möglich sein. Darüber hinaus werden verbands- bzw. organisationstypische Anpassungen des Layouts angestrebt, da die Darstellung im Corporate Design der einzelnen Verbände bzw. Organisationen die Akzeptanz erhöhen wird.
Beschreibung
Ziele und Inhalte der Grundausbildung
Im Zuge der Grundausbildungen lernen die Teilnehmenden:
- Wie plane ich die Arbeit mit Freiwilligen?
-- Gründe für die Zusammenarbeit oder überhaupt die Arbeit als Freiwilliger
-- Bedarf an Freiwilligen benennen
-- Genaue Aufgaben für Freiwillige ermitteln
-- Benefit für die Freiwilligen benennen und die Kosten für die Organisation
- Tätigkeitsbeschreibungen für Freiwillige erstellen
-Ort der Werbung und das Werbe-Medium an Zielgruppe und Budget anpassen
-Formen der Werbeansprache finden und mit der öffentlichen Wirkung der eigenen Organisation abgleichen
-Wie integriere und binde ich Freiwillige?
-Einführung der Freiwilligen in die Tätigkeit und die Organisation – Einarbeitung pla-nen und begleiten
-Formen der Anerkennung durch Zertifikate, Qualifizierungsangebote und Würdigung (Urkunden, Aufwandsentschädigung, Freiwilligenpass)
Aufgrund der Kürze der Zeit wird vornehmlich mit Impulsreferaten gearbeitet werden, an die sich intensivere Gruppen- und Einzelarbeit anschließt.
Am Ende sind die Teilnehmenden mit einem Basiswissen für Freiwilligenkoordinatoren ausge-rüstet. Sie können sich damit als Freiwilligen-Koordinatoren ihrer Organisation definieren.
Konkret soll die Ausbildung in fünf regional angebotenen Wochenend-Lehrgängen von ca. 15 Stunden Dauer durchgeführt werden, in denen ehrenamtlich (und hauptamtlich) Aktive der Na-tur- und Umweltgruppen in Freiwilligenmanagement angeleitet werden.
Ziele und Inhalte der Weiterqualifizierung
Nach der erfolgreichen Werbung von Freiwilligen sehen sich einige der Kursteilnehmer des Ba-siskurses vielleicht mit weiteren Fragen konfrontiert. Mit dem Basiswissen zum Freiwilligenmanagement kann ein Umdenken bezogen auf die ganze Organisation in Gang gesetzt werden. Mit dem Aufbaulehrgang sollen die Grundlagen geschaffen werden, für die intensivere Auseinander-setzung mit den eigenen Organisationsstrukturen und der öffentlichen Wirkung der Organisation bei der Gewinnung und Einbindung von Freiwilligen.
Den Absolventen/innen des Grundlehrgangs „Freiwilligen-Koordination“ wird in vier bundes-zentralen Aufbaulehrgängen die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung angeboten. Die zweitägi-gen Weiterbildungsseminare behandeln in Eintagesblöcken die Themen:
- Organisationsentwicklung:
Wie muss die Organisationsstruktur und deren Aufbau und Ablauf aussehen, in der sich freiwillige und hauptberufliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bestmöglich ihren Auf-gaben widmen können? Denn eine hohe Fluktuationsrate von Freiwilligen kann zum Nachteil der Organisation werden. Warum beenden aber Freiwillige ihre Mitarbeit? Im Aufbaulehrgang steht die Organisationsentwicklung im Mittelpunkt. Geplante Inhalte: Personalentwicklung (auch für die freiwillige Mitarbeit), Qualifikation von Freiwilligen sowie freiwilligenfreundliche Organisationsstrukturen und Entscheidungsprozesse.
- Rechtsfragen
Freiwillige engagieren sich sicher lieber in Organisationen, in denen für sie ein gewisser Schutz und damit auch gewisse Versicherungspflichten übernommen werden. Inzwischen sind die staatlichen Regelungen sowie die organisationsinternen Regelungen unüber-schaubar geworden. Es werden die wichtigsten Versicherungen und inwieweit die einzel-nen Freiwilligen in den Organisationen versichert sind angesprochen.
- Öffentlichkeitsarbeit
Ein weiterer Block dieser Ausbildungseinheit ist der Public Relation gewidmet. Wie wird die Organisation in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Welcher Öffentlichkeitsinstru-mente bedient sie sich zurzeit und welche sind bisher unbekannt? Wie schafft man eine zielgruppengerechte Ansprache? Was sind eigentlich zielgruppenspezifische Bedürfnisse und Interessen? Es werden Methoden der Öffentlichkeitsarbeit zur Ansprache von Freiwil-ligen aufgezeigt:
Infoveranstaltungen, Markt der Möglichkeiten, Flyer, redaktionelle Bei-träge in Zeitungen. Angeboten für Freiwillige, die zur Öffentlichkeitsarbeit genutzt wer-den können: Schnuppermöglichkeiten, Hospitationen, Führungen.
- Freiwilligenmanagement als Daueraufgabe
Freiwilliges Engagement ist oder soll fester Bestandteil der Organisation sein. Organisati-onen mit diesem Anspruch benötigen eine entsprechende Verstetigung und eine Absiche-rung der Freiwilligen-Koordination. In diesem Teil des Lehrgangs sollen Finanzierungs-möglichkeiten von Freiwilligenarbeit aufgezeigt werden. Vom klassischen Fundraising bis zu neue Modelle des Corporate Volunteering.
Die Aufgabe der Projektbearbeitung besteht in der Konzeptionierung des Ausbildungsgangs. Es werden die wichtigsten Inhalte des Freiwilligenmanagements für den erfolgreichen Einsatz in Umwelt- und Naturschutzorganisationen erfasst und mit dem Bildungsinstitut die Methoden durchgesprochen. Zudem ist die Projektbearbeitung mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung betraut. Dazu gehören die Festlegung von Terminen und Orten, das Buchen von Veranstaltungsräumen, die Verbreitung der Einladungen (hauptsächlich sollen ausgesuchte Per-sonen angesprochen werden) und die Durchführung und Betreuung der Teilnehmenden am Aus-bildungswochenende vor Ort. Zuletzt erstellen die Projektdurchführenden eine Dokumentation der Veranstaltungsergebnisse und evaluieren die Gesamtausführung.


