Gender Greenstreaming - Geschlechtergerechtigkeit im Natur- und Umweltschutz

Laufzeit

Das Projekt läuft vom 01.05.2004 bis zum 30.06.2006

Ansprechpartner

Juliane Grüning (Kontakt)
Universität Lüneburg
Dr. Christine Katz
Scharnhorststraße 1
21335 Lüneburg
Tel. 04131 - 677-2966

Zielsetzung

Gender Mainstreaming ist die Bezeichnung für eine durch die EU- und Bundes-Politik verankerte Strategie zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in Organisationen. Ziel dieses Ansatzes ist es, auf allen Ebenen der Organisation und bei allen zu treffenden Maßnahmen, die Geschlechterverhältnisse zu reflektieren und die Auswirkungen von Maßnahmen in Bezug auf unterschiedliche Zielgruppen zu überprüfen.
Entsprechend arbeitet das Projekt „Gender Greenstreaming“ an der Zielrealisierung, nah an der verbandlichen Alltagsarbeit, die Umsetzung von Gender Mainstreaming in den Organisationen des Natur- und Umweltschutzes zu unterstützen und ihre Bedeutung für die Sachthemen und fachlichen Kontexte wie auch für die strukturelle Entwicklung der Verbandsarbeit sichtbar zu machen bzw. zu übersetzen.
Das Projekt informiert die Verbände über Strategien und Methoden zur Umsetzung von Gender Mainstreaming und will die Verbände in ihrer inhaltlichen Arbeit für die Einbeziehung der „Geschlechterperspektive“ sensibilisieren.
Neben der Initiierung und Durchführung von „Modellprojekten“ in den Verbänden bzw. als übergreifende Aktivitäten mit einer die Entwicklung begleitenden Zielsetzung gilt es auch über den Projektverlauf hinausreichende weiterführende Prozesse zu initiieren, die an dem festgestellten Entwicklungsbedarf der Verbände ansetzen.
Als produktförmige Ergebnisse werden exemplarisch zu einzelnen Themenschwerpunkten Materialien zu Gender erstellt, die von den Verbänden für thematische Arbeit zu Gender in einzelnen Themengebieten eingesetzt werden können.

Vorgehensweise

Das Projekt ist prozessorientiert. In der ersten Projektphase erfolgt gemeinsam mit den Verbandsvertretern/innen eine Analyse der Ausgangsbedingungen sowie eine Ermittlung und Konkretisierung des Handlungsbedarfes zur Initiierung und Implementierung eines Gender Mainstreaming-Prozesses in die Umwelt- und Naturschutzverbände.
Ziel der zweiten Projektphase ist es, die Arbeitsthemen der Verbände aufzugreifen und an ihnen in konkreten Modellprojekten beispielhaft die Bedeutung von Geschlechterverhältnissen in den Handlungsfeldern der Verbände sichtbar und handhabbar zu machen. Auf der strukturellen Ebene erfolgt eine Sensibilierung für Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit behindernde Strukturen in der allgemeinen Arbeitsorganisation der Verbände. Auf der inhaltlichen Ebene werden neue inhaltliche Perspektiven erschlossen, die ein „Anders“-, „Zurück“-, „Quer“- und „Um“-Denken erfordern und mit einbeziehen (in Anlehnung an die 4-D-Strategie von Dierks und Marz: Wissensmanagement und Zukunft. Orientierungsnöte und Erwartungsfallen und „4-D“ Strategie. Forschungsbericht des WZB. Berlin, 1998).
Da eine Implementierung von Genderaspekten nicht sinnvoll „verordnet“ werden kann, ist von einem hohen Kommunikationsbedarf auszugehen. Eine kontinuierliche Kommunikation von Fortschritten, Schwierigkeiten und ihren Lösungsansätzen sowie eine „Politik der Information und Motivation“ sind deshalb wichtiger Bestandteil des Projektes.

Fortbildungen, Informationen und Handreichungen helfen bei der konkreten Ausgestaltung des Prozesses. Es wird eine regelmäßige Berichterstattung über die homepage des DNR erfolgen. Außerdem werden in regelmäßigem Turnus 10 Newsletter erstellt, die Berichte aus dem laufenden Projekt enthalten und den Prozess dokumentieren, den wir mit dem Projekt Gender Greenstreaming in den Verbänden initiieren möchten. Diese Information erscheint im Deutschland-Rundbrief des DNR. Darin werden die vielfältigen Aktivitäten und Ansätze in den Verbänden zum Gender Mainstreaming dokumentiert, aber auch Informationen zu Grundlagen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegeben.

Die dritte Projektphase umfasst die Auswertung, Dokumentationsarbeit sowie die abschließende Evaluation des Projektverlaufs.

Beschreibung

Das Projekt baut auf Ergebnissen der Vorstudie „Gender Mainstreaming – Relevanz und Herausforderung für Naturschutz- und Umweltverbände“ (Laufzeit Oktober 2002 bis Februar 2003) auf, welche die Universität Lüneburg im Auftrag des DNR durchgeführt hat. Im Rahmen eines Gender Mainstreaming Prozesses werden gemeinsam mit den Verbandsmitgliedern des DNR Ansätze und Möglichkeiten erarbeitet, Genderaspekte in die tägliche Arbeit zu integrieren. Zentrales Anliegen des Projektes ist der Anstoß bzw. die Begleitung von verbandseigenen und Verbände übergreifenden Aktivitäten sowie von Modellprojekten, in denen es um ein Sichtbarmachen von Genderaspekten und ihr Zusammendenken mit Umweltthemen geht. Die Sensibilisierung für die Geschlechterbezüge in der täglichen Arbeitsorganisation eröffnet strukturelle Innovationen und alternative Handlungsoptionen, die für die Entscheidungsprozesse der jeweiligen Organisation fruchtbar gemacht werden können. Auf diese Weise wird Gender zu einer Art Prüfkategorie, nach der die verbandsspezifischen Handlungsabläufe begutachtet und gestaltet werden können. Um den heterogenen Strukturen der Mitgliedsverbände und ihrer häufig basisdemokratischen Tradition gerecht werden zu können, geht es in dem Vorhaben auch um eine Ergänzung des Top-Down-Instrumentes durch Bottom-Up-Prinzipien.
Das Konzept Gender Mainstreaming wurde 1997 auf europäischer Ebene im Amsterdamer Vertrag verankert, in dem alle Staaten der Europäischen Union sich verpflichteten, das Prinzip anzuwenden. Die Bundesrepublik Deutschland hat 1999 einen Kabinettsbeschluss verabschiedet, mit dem die Aufforderung an alle öffentlichen Organisationen und Institutionen erging, in jegliche Entscheidungsprozesse die Perspektive der Geschlechterverhältnisse zu integrieren. Gender Mainstreaming ist zunächst eine Strategie der Organisations- und Personalentwicklung für alle gesellschaftlichen Bereiche. Sie soll eine gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter in allen Phasen der Planung und Umsetzung von Projekten sichern und gleichzeitig die unterschiedlichen Fähigkeiten der Geschlechter für den Prozess verfügbar machen.
Neben rechtlichen und politischen Vorgaben wird das Prinzip Gender Mainstreaming auch in die Mittelvergabe einbezogen. Bedeutende öffentliche Geldgeber prüfen inwieweit beantragte Projekt- und Forschungsvorhaben Themen mit einbinden, die auf Geschlechterverhältnisse fokussieren. Die Arbeit der Verbände erfolgt in einigen Bereichen in enger Anbindung an finanzielle Förderungen durch öffentliche Institutionen. Dies unterstreicht die Relevanz, die dem begonnenen Prozess zukommt: der Sensibilisierung für verbandsspezifischen Hindernisse und Chancengleichheit verhindernde Strukturen, die Erarbeitung ihrer Lösungsmöglichkeiten sowie das Eröffnen neuer Inhalte, in dem Umweltthemen und Geschlechterfragen in Modellprojekten zusammengedacht und reflektiert werden.
Neben der Begleitung und Unterstützung durch externe Experten/innen baut das Projekt vor allem auf eine aktive Beteiligung und Mitgestaltung seitens der unter dem Dachverband des DNR versammelten Verbände. Sie sind explizit dazu aufgefordert, sich aktiv in dem gemeinsamen Prozess einzubringen.