Trialog zu Business & Biodiversity
Laufzeit
Das Projekt läuft vom 01.09.2007 bis zum 30.06.2008
Ansprechpartner
Bjela Vossen
Marienstr. 19-20 ; 10117 Berlin
Tel. 030 / 6781775-85 ; Fax 030 / 6781775-80
E-Mail: bjela.vossen@dnr.de
Website: www.eu-koordination.de
Website: www.business-biodiversity.eu
Zielsetzung
Das Projekt besteht aus einer tri-nationalen Seminarreihe, deren Ergebnisse auf einer internationalen Konferenz (CBD im Mai 2008 in Bonn) einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden und dort diskutiert werden sollen.
Mit dieser Seminarreihe verfolgen wir die folgenden Ziele:
Da das Thema Business and Biodiversity unter den Umweltorganisationen bisher noch unzureichend diskutiert wird, soll zunächst einmal eine Aufmerksamkeit für das Thema geweckt und eine Debatte angestoßen werden, die möglichst über den Kreis der TeilnehmerInnen hinausgeht. Nicht teilnehmende Organisationen und Personen sollen über den Bericht, die Webseite und das dritte Seminar erreicht werden (s.u.).
Um spätere Schwierigkeiten im konkreten Politikprozess zu vermeiden, soll versucht werden, ein einheitliches Verständnis über die Herangehensweise an und den Umgang mit der Initiative Business and Biodiversity sowie mögliche Kriterien für ein System der freiwilligen Selbstverpflichtung zu finden. Dabei geht es nicht darum, Unterschiede in der Bewertung zuzudecken, sondern sie in der Diskussion offen zu legen und möglichst zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen.
Eine solche Verständigung wird nur über den Dialog mit interessierten Unternehmen und der Politik möglich sein. Eine Intensivierung von Kontakten gerade zwischen Umweltorganisationen und Unternehmen ist für einen langfristigen Erfolg der Initiative Business and Biodiversity unerlässlich.
Damit sollen die Umweltverbände letzten Endes in die Lage versetzt werden, sich konstruktiv in zukünftige politische Prozesse zu diesem Thema einzubringen.
Vorgehensweise
Mit der aktuellen Initiative „Business and Biodiversity“ haben sich sowohl Unternehmen als auch Umweltverbände bisher noch nicht eingehender auseinandergesetzt. Daher werden wichtige Fragen weitgehend ausgeklammert: Kann es gelingen, ein allgemeines System von Standards und Verhaltenskodices für unternehmerische Aktivitäten im Bereich Biodiversität zu vereinbaren? Wie müsste ein solches System aussehen? Welche (finanziellen und strukturellen) Auswirkungen hat der fortdauernde Schwund von Arten auf die Aktivitäten von Unternehmen? Lässt sich dieser Verlust in Zahlen fassen – etwa anhand einer umfassenden Studie analog zum „Stern-Report“ in der Klimapolitik?
Die drei Antragsteller - DNR, Quercus und das ISD - halten es für wichtig, diese Fragen zu thematisieren – sowohl innerhalb der Umweltorganisationen als auch im Dialog mit Unternehmen und Politik. Wir schlagen daher einen „Trialog-Prozess“ vor, der parallel zur offiziellen Agenda der EU-Dreier-Präsidentschaft verschiedene Aspekte des Themas aufgreift und vertieft. Dafür sind drei Seminare in den jeweiligen Ländern mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung geplant, zu denen jeweils VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft sowie von slowenischen, portugiesischen und deutschen Umweltverbänden eingeladen werden. Um den Diskussionsprozess zu vertiefen, soll zwischen den jeweiligen Seminarphasen ein Austausch über Mailinglisten gewährleistet werden. Zusammen mit den Berichten der vorangegangenen Seminare dienen die Ergebnisse dieser Diskussionen als „Input“ für die folgenden Seminare. Über eine Webseite wird zusätzlich das Thema einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In jedem der drei Länder soll ein Seminar stattfinden. Die jeweils nationale Organisation ist dementsprechend für die Organisation zuständig. Nach jedem Seminar wird ein ausführlicher Bericht verfasst, der die inhaltlichen Beiträge und diskutierten Themen zusammenstellt und somit die Kontinuität zum nächsten Seminar sicherstellt. Die Webseite dient währenddessen dazu, die Informationen größeren Interessentenkreisen zugänglich zu machen. Es liegt darüber hinaus in der Verantwortung der nationalen Partner, mittels Medienarbeit die Reichweite des Themas sowie der Ergebnisse des Trialogs zu vergrößern. Damit soll auch die kritische Begleitung von europäischen Umweltverbänden der auf S. 8 beschriebenen EU-Vorhaben gewährleistet werden.
Seminar I (Portugal)
Auf dem ersten eineinhalbtägigen Seminar im September 2007 sollen zunächst die Grundlagen gelegt werden: Welche konkreten Pläne verfolgt die portugiesische Regierung mit ihrer Initiative als EU-Präsidentschaft? Welche Erfahrungen mit der Einbindung von Unternehmen für umweltpolitische Ziele gibt es in anderen Sektoren? Wie könnte ein System der freiwilligen Selbstverpflichtung aussehen? Welche Spielräume gibt es für die Wirtschaft, zur Erhaltung der Biodiversität beizutragen? Diese und andere Fragen sollen diskutiert werden. Eingeladen werden u.a. Vertreter/innen der IUCN, der WBCSD, Earthwatch Europe, der GTZ sowie portugiesische, slowenische und deutsche NGOs. Der Schwerpunkt des Seminars wird neben der Basisinformationsarbeit eher methodischer Natur sein, um die europäischen Nichtregierungsorganisationen (ENGOs) in die Lage zu versetzen, sich aktiv in den politischen Prozess einzubringen. In Portugal und auch den meisten anderen europäischen Ländern findet das Engagement von Unternehmen zurzeit eher beim Finanzieren von Naturschutzprojekten statt. Dass es aber noch viele andere Möglichkeiten gibt, soll in diesem Seminar erarbeitet und strategisch diskutiert werden. Beispielsweise ist auch die Vorstellung von Kooperationsprojekten von NGOs mit Unternehmen vorgesehen, um best practise-Methoden zu diskutieren. Ziel ist, die Vorbereitungen der November-Konferenz der portugiesischen Präsidentschaft kritisch zu begleiten und von ENGO-Seite kreativ und qualitativ zu bereichern. Um dabei möglichst mit einer Stimme zu sprechen, soll es zunächst einen NGO-NGO bzw. NGO-Politik-Dialog geben. Da die portugiesische Ratspräsidentschaft ihre Business und Biodiversity-Initiative erst Mitte November offiziell und mit wirtschaftsorientierten Methoden konkret machen wird, ist der Dialog „NGOs-Unternehmen“ sinnvollerweise erst nach diesem Termin effektiv zu gestalten. Das Seminar wird organisiert von Quercus, dem portugiesischen Projektpartner. Der Termin soll im September 2007 liegen – zeitlich vor der internationalen Konferenz, die die portugiesische Regierung zu dem Thema ausrichten wird. Zugesagt ist eine portugiesische Co-Finanzierung des Seminars. Die Ergebnisse dieses Seminars sollen auch in den Dialog von Quercus mit dem portugiesischen Business Council for Sustainable Development getragen werden.
Seminar II (Slowenien)
Auf dem zweiten – zweitägigen – Seminar am 11. und 12. Februar 2008 wird anhand eines konkreten Beispiels analysiert, wie die Initiative Business and Biodiversity in der Praxis aussehen kann. Als Thema soll „Wälder und Wirtschaft“ gewählt werden. Die slowenische Regierung hat das Thema „Wald“ auf die Agenda ihrer Ratspräsidentschaft gesetzt. Slowenien ist zu rund 60 Prozent von Wald bedeckt, dort sind auch die meisten Natura-2000-Gebiete ausgewiesen. In ihnen leben zahlreiche Tierarten, u.a. große Carnivoren wie Wolf, Luchs und Braunbär. Slowenien exportiert zahlreiche Produkte aus seinen Wäldern, allerdings wird zur Zeit noch wenig Wert auf Kennzeichnungen und ökologische Standards gelegt.
Das Seminar soll möglichst im Dezember 2007 stattfinden, ggf. würde es aus internen organisatorischen Gründen von ISD, dem slowenischen Projektpartner, auf Januar 2008 verschoben werden müssen. Geplant ist ein möglichst breiter Teilnehmerkreis auch unter Einbeziehung von wissenschaftlich arbeitetenden Institutionen. Beim Seminar sollen die mit diesem Lebensraum verknüpften Industrien (wie Forstwirtschaft, holzverarbeitende Betriebe, Tourismus etc.) ausführlich einbezogen werden, um konkrete Kriterien für ein System der freiwilligen Selbstverpflichtung im Sinne des Erhaltes der Biodiversität zu diskutieren. Eingeladen werden sollen neben Tourismusvertreter/innen u.a. die Slowenische Plattform der holzverarbeitenden Industrie, fortschrittliche Unternehmen im Bereich Bau und Möbelherstellung sowie Architekten und Bauherren aus dem Biobausektor. Aus den genannten Bereichen sollen auch Vertreter/innen aus Deutschland und Österreich angesprochen werden. Ziel dieses Seminars ist es aufzuarbeiten, welche Möglichkeiten eine Verknüpfung der Themenfelder Wirtschaft und Biodiversität bieten kann, welche Fallstricke darin verborgen sind und wie NGOs ihre Ziele im Natur- und Umweltschutz sowie politischer Partizipation konkret verwirklichen können. Dabei sollen nachhaltige Praktiken und Praktiker/innen unterstützt werden. Das Seminar soll als „Startschuss“ für die Kooperation zwischen NGOs und Unternehmen dienen und die Umsetzung der CBD vorantreiben helfen.
Gefördert werden sollen dabei:
die kritische Begleitung bei der Entwicklung von hoch-qualitativen an Nachhaltigkeitskriterien orientierten (Dienstleistungs)Produkten aus slowenischen Wäldern, das in diesem Bereich bereits eine lange Tradition hat (in den letzten 50 Jahren hat sich die Waldfläche durch politische und private Maßnahmen um 30 Prozent vergrößert);
Wege zur Verbesserung der Qualitätsstandards für Waldprodukte (z.B. im Bereich Bauen und Wohnen)
Stärkung des Bewusstseins für die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit für die Umwelt, Biodiversität sowie die Anpassung an den Klimawandel, aber auch als Standortvorteil für die Wald- und Forstwirtschaft
Förderung von nachhaltigen Forstwirtschaftsmanagementpraktiken in Slowenien, in Europa und global
Im Nachgang zu diesem Seminar soll innerhalb des Trialog-Projektes analysiert werden, ob und inwieweit sich NGO- Unternehmens-Kooperationen bzw. die Art des begonnenen Dialoges auch auf andere Bereiche übertragen lassen.
Seminar III (Deutschland)
Die EU-Koordination des DNR plant, das Thema Business & Biodiversity - aufbauend auf den Ergebnissen der portugiesischen EU-Konferenz im November und mit den bis dahin erarbeiteten ENGO-Positionen - parallel dazu in einer Veröffentlichung (voraussichtlich Ende 2007) zu verbreiten und darin auch Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Aktivitäten zur Diskussion zu stellen. Neben der Kommunikation auf der Projekt-Internetseite - die eher europäisch ausgerichtet ist - sollen damit auch deutsche Unternehmen und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert und deutsche NGOs aktiviert werden, sich in den Prozess einzubringen. In Vorbereitung der COP9 finden auch in anderen Bereichen der Gesellschaft Aktivitäten zum Thema statt, deren (Teil)Ergebnisse ebenfalls kommuniziert werden sollen. Bereits in das Thema involvierte und erfahrene Organisationen wie beispielsweise B.A.U.M., DUH, WWF, NABU, BUND u.a. sollen in die Aktivitäten einbezogen werden (positive und negative Erfahrungen, „DOs und DONT’s“...).
In dem dritten Seminar, das als Side Event der 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Mai 2008 in Bonn/Deutschland stattfinden soll, werden einerseits die Ergebnisse der ersten beiden Seminare sowie die weiteren Aktivitäten in Portugal und Slowenien bzw. auf ENGO-Ebene der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Der Rahmen – die CBD – ermöglicht es, das Thema einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig die bisherigen Ergebnisse im Kreis von Fachleuten aus NGOs (Umwelt- und Entwicklungsverbände), Politik und Unternehmen/Unternehmensverbände zur Diskussion zu stellen. Gleichzeitig wird der Dialog mit den verhandelnden Delegationen gesucht, um somit die Inhalte der Workshopreihe in den Verhandlungsprozess einspeisen zu können. Für die EU wird die slowenische Regierung den Vorsitz der Verhandlungen führen, für deren gezielte Ansprache unser slowenischer Projektpartner die besten Voraussetzungen mitbringt.
Andererseits ist geplant, die erarbeiteten Ergebnisse für die Zukunft zu verstetigen, indem auf einer ENGO-internen Strategieplanung mit unseren europäischen Partnern das weitere Vorgehen verabredet wird. Hierzu sollen auch die Ergebnisse der auf der COP9 voraussichtlich geplanten Veröffentlichung der von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie („Stern-Report“ für Biodiversität) einbezogen und idealerweise für NGO-Aktivitäten handhabbar gemacht werden.
Um für Präsentation, Lobbyarbeit und Strategieplanung ausreichend Zeit zu haben, sind Aktivitäten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen geplant, die eng mit anderen NGO-Aktivitäten abgestimmt werden sollen.
Beschreibung
Die gegenwärtige EU-Troika – bestehend aus Deutschland, Portugal und Slowenien – hat mit der Initiative „business and biodiversity“ eine Aufforderung der 8. Vertragsstaaten¬konferenz der Biodiversitätskonvention (CBD) aufgegriffen. Dabei geht es v.a. um die Frage, welcher Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und wirtschaftlichen Aktivitäten besteht, bzw. wie ein gegenseitiger Nutzen initiiert werden kann. In der Zeit von Herbst 2007 bis Frühjahr 2008 wollen die drei Regierungen dieses Thema auf die Agenda der Europäischen Union setzen und eine gemeinsame Position dazu entwickeln.
Von Seiten der Umweltorganisationen wird die Initiative zwar wahrgenommen, es gibt aber bisher keine länderübergreifende Verständigung. Wie ist die Initiative zu bewerten? Welche Chancen und Risiken bietet sie? Welche Kriterien sind bei möglichen Aktivitäten von Unternehmen im Bereich Biodiversität zu beachten? Um Antworten auf diese und andere Fragen zu suchen und eine konstruktive Beteilung von Umweltorganisationen an dem Politikprozess zu ermöglichen, soll ein Dialogprozess mit Partnern aus den drei Ländern organisiert werden. Im Gespräch untereinander, aber auch unter aktiver Einbeziehung von Vertreter/innen aus Politik und Wirtschaft soll das Verständnis des Themas vertieft und gemeinsame Positionen gefunden werden.
In der Zeit von September 2007 bis Mai 2008 soll in jedem der drei Länder jeweils ein Seminar zu verschiedenen Aspekten von Business & Biodiversity stattfinden. Die Reihe mündet mit der letzten Veranstaltung in die 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Mai 2008 in Bonn. Zwischen den Seminare wird über Berichte, eine Webseite (www.business-biodiversity.eu) und eine Mailingliste die Information und weiterführende Diskussion aufrecht erhalten.
Projekthomepage
Förderung
Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BFN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.




