EU-Ressourceneffizenz: Auf dem Weg zur ressourceneffizientesten Region der Welt
Laufzeit
Das Projekt läuft vom 1. April 2011 bis 31.09.2012
Ansprechpartner
- Bjela Vossen
- Deutscher Naturschutzring
- Marienstraße 19-20
- 10117 Berlin
- Tel. 030/678177585
- E-Mail: bjela.vossen@dnr.de
- Stefanie Langkamp
- E-Mail: stefanie.langkamp@dnr.de
Infos zum Projekt
Zielsetzung
Das Projekt strebt folgende Ziele an:
- Systematisierung der zahlreichen ressourcen- und energiepolitischen Prozesse, um den deutschen Umweltverbänden eine zielgerichtete Arbeit in diesem Politikfeld zu ermöglichen.
- Einen Beitrag für eine ressourcen- und energiepolitische ambitionierte Gesetzgebung auf europäischer Ebene zu leisten. Dies gilt sowohl kurzfristig durch Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit an konkreten Themen, als auch langfristig durch die Heranführung und Befähigung der deutschen Umweltverbände.
- Verknüpfung und Einbindung der Aktivitäten von deutschen Umweltorganisationen in den europäischen Kontext. Neben dem Aufbau und der Intensivierung von Netzwerken geht es dabei auch um die Abstimmung von Positionen mit Umweltorganisationen aus anderen EU-Mitgliedstaaten und Brüssel.
- Darüber hinaus sollen bestehende Allianzen für Effizienz mit Gewerkschaften, Verbrauchern und der Wirtschaft weiter ausgebaut werden, um so eine größere Aufmerksamkeit und Lobby für das Thema Effizienz zu schaffen. Bildungs- und Aufklärungsarbeit für den Paradigmenwechsel „Wohlstand und Beschäftigung durch Vermeiden“ in allen Bereichen der Gesellschaft (Idee des neuen Fortschritts).
- "Empowerment" der deutschen Umweltverbände und von Einzelpersonen in EU-politischen Zusammenhängen. Dabei soll sowohl grundlegendes Wissen über Strukturen und Arbeitsweise der EU vermittelt werden, als auch über die konkreten energie- und ressourcenpolitischen Prozesse. Insbesondere sollen die Prozesse zum Energieeffizienzaktionsplan und der europäischen nachhaltigen Ressourcennutzungsstrategie kritisch und konstruktiv beleuchtet und begleitet werden. Bei der Ressourcennutzungsstrategie geht es darum, die Übernutzung der natürlichen Ressourcen in den Griff zu bekommen, die zu einer steigenden Ressourcenverknappung und damit zu einem ernsthaften Sicherheitsproblem für unsere Gesellschaften sowie zu großen Umweltproblemen führen könnten. Umweltverbände fordern die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks innerhalb der nächsten 20 Jahre um 50 Prozent, denn dieser liegt derzeit 2,5mal über dem nachhaltigen Niveau. Zudem sollte die EU das Faktor-Vier-Konzept als Ressourcen-Effizienz-Ziel annehmen – eine Vervierfachung der Ressourcenproduktivität, bei gleichzeitiger Entkopplung der Wirtschaftsentwicklung vom Ressourcenverbrauch. Zum Ziel gesetzt werden muss eine dreiprozentige Effizienzsteigerung pro Jahr.
Vorgehensweise
Grundsätzlich wird der Zeitplan stark von den politischen Entwicklungen auf europäischer Ebene beeinflusst. Da die Zielgruppe aktuell über neueste Entwicklungen informiert werden soll, ist es wichtig, "am Ball zu bleiben". Grundsätzlich gliedert sich das Projekt in folgende Phasen:
1. Phase April bis September 2011
Startphase: Erarbeitung der Grundlagen, Analyse und Priorisierung der EU-Gesetzesprozesse, Identifizierung von politischen Gelegenheitsfenstern, Entwicklung von Positionen und Argumenten, Aufbau und Pflege von Kontakten in die Umweltverbände und zu anderen Akteuren aus der Zivilgesellschaft, Aufbau der Internetseite, Erstellen erster Hintergrundinformationen, Teilnahme an relevanten Stakeholdertreffen und Debatten.
2. Phase Oktober 2011 bis August 2012
Hauptaktivitätsphase: Intensives Monitoring der Prozesse, Verstärkung des Informationsflusses, Erstellen eines wöchentlichen Newsletters, Workshops und Seminare, Aufbau und Intensivierung von Netzwerken, Lobbyarbeit, Lern- und Lobbyfahrt nach Brüssel, Publikationen zu aktuellen Prozessen
3. Phase September 2012
Abschlussphase: Konsolidierung der bisherigen Ergebnisse, Eruierung einer möglichen Fortführung des Projekts, Abschlussdokumentation
Die Maßnahmen, die im Einzelnen ergriffen werden, erfassen die Breite der politischen Prozesse im Bereich Umwelt/Energie/Ressourcen, mit Fokus auf Energie- und Ressourceneffizienz. Dabei geht es auch darum, solche Prozesse zu identifizieren und einzubeziehen, die erst auf den zweiten Blick in ihrer Relevanz für das Thema erkennbar sind.
Die folgenden Maßnahmen sollen im Wesentlichen ergriffen werden:
Verarbeitung und Aufarbeitung von Informationen
Die Verarbeitung und Aufbereitung von Informationen nimmt einen großen Stellenwert ein. Dabei geht es darum, die für "Nicht-Insider" häufig schwer verständlichen Prozesse und Texte der europäischen Politik und Gesetzgebung einfach und verständlich für die Zielgruppen aufzubereiten. Die Darstellung und Verbreitung soll in verschiedenen Formen erfolgen.
Die notwendige flexible Zeitplanung des Projekts lässt es sinnvoll erscheinen, einen besonderen Schwerpunkt auf elektronische Medien zu legen. Damit kann eine hohe Aktualität gewährleistet und kostengünstig eine große Verbreitung der Medien erlangt werden. Überblicksdarstellungen und vertiefende Informationen, die nicht einer kontinuierlichen Aktualisierung bedürfen, sollen darüber hinaus in Form von Printmaterialien erstellt werden.
Lobbyarbeit
Die EU-Koordination unterstützt die deutschen Umweltverbände durch Beratung, Hintergrundinformationen und Kontakte in ihren eigenen Lobbyaktivitäten und sorgt für ihre Beteiligung an wichtigen europäischen Gesetzesprozessen. In Bereichen, in denen deutsche Umweltorganisationen nicht selbst aktiv werden, bringt sich die EU-Koordination mit ihrer Expertise selbst ein. Dabei erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit dem Europäischen Umweltbüro (EEB) und dem Climate Action Netzwork Europe (CAN), mit denen der DNR seit vielen Jahren kooperiert.
Lern- und Lobbytour nach Brüssel
Brüssel ist das Herz der europäischen Gesetzgebung. Viele Umweltaktive kennen die Stadt und ihre politischen Wege aber nicht oder kaum. Daher ist geplant eine "Lern- und Lobbytour" für 20 bis 30 Aktive aus den deutschen Umweltverbänden (Haupt- und Ehrenamtliche) zu organisieren. Dabei sind Gespräche mit ParlamentarierInnen, MitarbeiterInnen der Kommission und anderer Institutionen oder auch Wirtschaftsverbänden und Umweltorganisationen geplant. Gerade die Vernetzung mit den Brüsseler Umweltorganisationen ist dabei – neben Lernen, Informieren und Lobbyaktivitäten – ein wichtiger Aspekt.
Individuelle Beratung
Umweltorganisationen oder Einzelpersonen, die sich in ihrer Arbeit zukünftig verstärkt auf europäische Politikprozesse konzentrieren wollen, können individuelle Unterstützung erhalten.
Vernetzung fördern
Wer in Europa etwas bewegen will, muss Grenzen überwinden – nicht nur geographische, sondern häufig auch kulturelle und sprachliche. Die EU-Koordinationsstelle des DNR hat seit vielen Jahren Kontakte und Netzwerke in ganz Europa aufgebaut. Ein wesentlicher Aspekt des Projektes ist es daher, die Vernetzung von deutschen Umweltorganisationen zu möglichen Partnern oder Umweltverbänden in anderen Ländern aufzubauen und zu intensivieren. Ferner sollen Allianzen und Kontakte zu Effizienz mit Gewerkschaften, Kirchen, Verbraucher-und Entwicklungsorganisationen sowie Wirtschaftsakteuren ausgebaut werden.
Capacity Building, Seminare, Workshops
Auf Workshops und Seminaren wird die EU-Koordinationsstelle Grundlagen zur EU-Politik vermitteln und einzelne Themen vertieft behandeln.
Beschreibung
Natürliche Ressourcen sind die materielle Grundlage unserer Gesellschaft - ihre nachhaltige Nutzung ist Voraussetzung für eine zukunftsfähige Entwicklung. Die Verknappung oder Erschöpfung von Ressourcen stellt die künftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Frage und die negativen Umweltauswirkungen der Ressourcennutzung bedrohen unsere Lebensumwelt. Damit kann die Ressourcenverknappung zu einem ernsthaften Sicherheitsproblem für unsere Gesellschaft werden. Momentan liegt der ökologischen Fußabdruck der EU 2,5mal über dem nachhaltigen Niveau. Bereits jetzt ist Ressourcenpolitik ein brisantes Thema mit Konfliktpotenzial. Zwar wurde das Ziel der Verdoppelung der Rohstoffproduktivität in die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen, doch dies war nicht mit konkreten Maßnahmen verbunden. Die Relevanz von Ressourceneffizienz wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen.
In den letzten Monaten sind bereits wichtige Schritte für eine europäische Energie- und Ressourcenpolitik eingeleitet worden. So gehört ein „ressourcenschonendes Europa“ zu den sieben Leitinitiativen der Zehnjahresstrategie „Europa 2020“. Allerdings fehlen bisher explizite Umsetzungsmaßnahmen. Im Juli 2010 haben die EU-UmweltministerInnen auf dem informellen Umweltrat das Thema nachhaltigen Umgang mit Wertstoffen aufgegriffen. Derzeit werden mögliche europäische Initiativen und Ansätze diskutiert, Wertstoffe effizient und umweltfreundlich zu verwenden. Das Zauberwort heißt in diesem Zusammenhang Nachhaltiges Materialmanagement (Sustainable Materials Management – SMM), wodurch das natürliche Kapital erhalten und die Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus von der Gewinnung über den Verbrauch und die Produktion bis hin zur Abfallbehandlung reduziert werden sollen.
Während das politische Engagement im Bereich Ressourceneffizienz in den letzten Jahren eher mangelhaft war, sind aktuell Ressourcennutzung und Ressourceneffizienz weit oben auf die europapolitische Agenda gerutscht. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik will 2011 einen Schwerpunkt auf Ressourceneffizienz setzen. Derzeit bereitet die EU-Kommission eine Mitteilung zur Umsetzung der Rohstoffinitiative aus dem Jahr 2008 vor, die auch die nächsten Schritte für die zukünftige Ausrichtung erläutern soll. Diese neue Mitteilung soll dem europäischen Wirtschaftsrat und dem Europäischen Parlament im Herbst 2010 vorgelegt werden. Die EU-Kommission plant 2011 eine Überarbeitung der Thematischen Strategie Ressourceneffizienz sowie eine „Roadmap 2020 zu Ressourceneffizienz und einem kohlenstoffarmen Europa“. Damit will sie das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung entkoppeln. Zudem gehört die Entwicklung von Effizienz-Indikatoren zu den Prioritäten von EU-Umweltkommissar Janez Potočnik.
Ferner wird die Revision des Energieeffizienzaktionsplans wichtige Impulse zur Verbesserung der Energieeffizienz liefern. Hier muss sichergestellt werden, dass das EU-Ziel, die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent zu steigern, tatsächlich erreicht wird. Bisherige Maßnahmen erhöhen die Effizienz lediglich um 11 Prozent. Nachholbedarf besteht auch im Gebäudebestand, der noch weit davon entfernt ist, energieeffizient zu sein. In den kommenden Jahren wird die EU außerdem die Energiestrategie 2011 bis 2020 und ihre Langfriststrategie bis 2050 (Roadmap 2050) ausarbeiten. Umweltverbände müssen dabei gewährleisten, dass Energieeffizienz eine entscheidende Rolle einnimmt. Dies ist Voraussetzung für die Energiesicherheit Europas, denn bislang importiert die EU 84 Prozent ihres Öls, 60 Prozent des Gases und 97 Prozent des Urans. Energieeffizienz ist notwendig, um den schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien zu unterstützen, Wege für eine ambitionierte und kostengünstige Senkung der Treibhausgase zu eröffnen und Millionen von Arbeitsplätzen zu schaffen. Zwischen 100 und 150 Milliarden Euro jährlich könnten so laut EU-Kommission bis 2020 eingespart werden. Außerdem müssen Verbraucher vor steigenden Energiepreisen geschützt werden.
Umweltverbände weisen seit langem auf das enorme Potenzial von Effizienzmaßnahmen hin. Doch bisher verbleiben die Aktivitäten weitgehend auf der nationalen Ebene. Da die aktuellen politischen Entwicklungen aber von der europäischen Ebene ausgehen – mit der EU-Kommission als dem wesentlichen Treiber – gilt es, in Zukunft diese Prozesse stärker in den Blick zu nehmen. Denn die angestoßenen Initiativen bieten die Chance, tatsächliche Fortschritte in Richtung einer energie- und ressourceneffizienten Wirtschaft zu erreichen.
Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle. Als größter Energie- und Ressourcenverbraucher der EU hat es nicht nur eine zentrale Verantwortung für eine zukunftsfähige Umgestaltung der Energiewirtschaft und nachhaltige Ressourcenpolitiken, sondern als bevölkerungsreichstes und wirtschaftsstärkstes Land auch ein wesentliches politisches Gewicht innerhalb der EU.
Es gilt in dem Zusammenhang, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, die absehbaren Verteilungskonflikte um knapper werdende Rohstoffe zu entschärfen und ihnen vorzubeugen und neue Arbeitsplätze und bessere Produktivität durch die Verlagerung von der Arbeitsproduktivität auf die Rohstoffproduktivität zu schaffen. Europa muss durch seine Vorreiterrolle beim neuen Paradigmenwechsel in der zyklischen Wirtschaftsentwicklung wettbewerbsfähiger werden. Mit der Strategie der Ressourceneffizienz soll generell klar gemacht werden, was theoretisch in der Energieversorgung bekannt ist: Effizienzsteigerung und Einsparen müssen zentrale Merkmale eines modernen Wirtschaftens sein. Das muss auf die gesamte stoffliche Seite des Wirtschaftens erweitert werden.
Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass im Bereich der Umweltpolitik der Großteil der gesetzgeberischen Kompetenzen von den Mitgliedstaaten auf die EU übergegangen ist. Je nach Sichtweise werden für gewöhnlich 75 oder sogar 80 Prozent der bundesdeutschen Umweltgesetze als "aus Brüssel stammend" bezeichnet. Umweltpolitik muss daher in erster Linie europäisch gedacht werden. Die EU-Koordinationsstelle möchte mit dem Projekt dazu beitragen, dass sich durch ihre Informationsvermittlung zahlreiche deutsche Verbände in den europäischen Prozess zur Energie- und Ressourceneffizienz einmischen. Dadurch wollen wir einen Beitrag leisten, damit sich Europa zum energie- und ressourceneffizientesten Raum der Welt entwickelt.
Förderung
Förderhinweis:
DIESES PROJEKT WIRD GEFÖRDERT VON:
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