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DNR Deutschland-Rundbrief Ausgabe 08/09.07 Abfall Quecksilber wird häufig falsch entsorgt - Müllverbrennungsanlage in Darmstadt vier Tage lang außer Betrieb -
Ein Ofen der Müllverbrennungsanlage Darmstadt musste Ende Juni vier Tage außer Betrieb bleiben, weil im angelieferten Hausmüll ein bis zwei Kilogramm Quecksilber enthalten waren. Diese Menge passt in eine Kaffetasse. Entdeckt wurde das Nerven schädigende Schwermetall durch kontinuierliche Messung der Abgase. Die Betreiber reagierten verantwortungsbewusst und schalteten die Anlage sofort ab. Die Kosten schätzt der Zweckverband Abfallverwertung Südhessen auf 15.000 bis 20.000 Euro pro Tag. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt nun gegen Unbekannt.
Vier von zehn Anlagen messen nicht
In der Regel enthält Hausmüll nur geringe Mengen Quecksilber. Das falsch entsorgte Schwermetall stammt meist aus Knopf-Batterien, Energiesparlampen, Elektroschrott, alten Thermometern oder einer herausgefallenen Amalgamfüllung. Die Abgase können mit aufwändiger Filterung unschädlich gemacht werden. Bei Anlagen mit kontinuierlicher Messung werden aber immer wieder Quecksilberspitzen ermittelt, die aus einer einzelnen größeren Quelle stammen müssen. Im äußersten Fall können die Betreiber bei einem solchen Störfall den Ofen abschalten.
An etwa 40 Prozent der Müllverbrennungsanlagen in Deutschland werden die Quecksilber-Emissionen dagegen nur einmal im Jahr gemessen. Spitzenwerte und Überschreitungen bleiben unerkannt. Anwohner sind bei einem Störfall hohen Quecksilberemissionen ausgesetzt, ohne es jemals zu erfahren.
Elektroschrott oft nicht fachgerecht entsorgt
Die EU-Richtlinie RoHS schränkt die Verwendung von Quecksilber, Blei, Cadmium und anderen Schadstoffen bei Elektrogeräten stark ein. Zudem müssen nach dem Elektroschrott-Gesetz alte Geräte fachgerecht recycelt werden. In der Regel nehmen die örtlichen Müllentsorger und manche Händler die Geräte kostenlos entgegen. Viele Verbraucher nehmen ihre Pflicht jedoch nicht wahr und behandeln weiterhin vor allem Kleingeräte als Haushaltsabfall. Die Quecksilberbelastung durch falsch entsorgte Energiesparlampen beträgt nach Schätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) 300 Kilogramm pro Jahr. Was die Lampen im Laufe ihres Lebens an Quecksilberemissionen durch Kohleverbrennung eingespart haben, wird so am Ende mit einem Schlag wieder freigesetzt.
Rücknahmesystem vereinfachen
In Zukunft wird die Anzahl von Energiesparlampen und Leuchtröhren voraussichtlich stark zunehmen. Einige Hersteller bemühen sich jetzt darum, den Gehalt giftiger Stoffe zu verringern. Die RoHS- Richtlinie setzt eine Grenze von 5 mg Quecksilber pro Lampe. Ein Markenhersteller wirbt mit Energiesparlampen, die nur 1,4 mg enthalten. Auch langlebige Leuchten sind besser als Billigprodukte, weil dadurch insgesamt weniger Quecksilber benötigt wird.
Ohne einfaches Rücknahmesystem ist es für Verbraucher weiterhin schwer ihrer Pflicht nachzukommen, kleine Elektrogeräte und Energiesparlampen fachgerecht zu entsorgen, statt sie bequemerweise mit dem Restmüll abholen zu lassen. Dies ist keine Entschuldigung für den Energiesparer, der am Ende doch noch zum Umweltsünder wird, sondern eine Herausforderung für Hersteller, Händler und Politiker.
Florian Noto, DNR
Weitere Informationen:
Deutscher Naturschutzring (DNR)
Quecksilberexperte Florian Noto, Berlin
Tel. 030 / 443391-81, Fax -80
eMail: florian.noto@dnr.de
www.quecksilber.wordpress.com
Studie Müllverbrennung:
http://umwelt.schleswig-holstein.de/servlet/is/64759/Quecksilber-Studie_MVA.pdf
www.green-electronics.info
www.lighting-a-greener-future.com
Altlampen nehmen die örtlichen Müllentsorger an.
Weitere Sammelstellen:
www.lightcycle.de Zurück zur Übersicht der Artikel
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