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umwelt aktuell Ausgabe 07.2009

Rezensionen

Mobil bleiben in der Zeit nach dem Öl

Das Auto hat unsere Siedlungen so verändert, dass wir kaum noch von ihm loskommen. Das werden wir aber müssen, wenn bald alle Fahrzeuge regenerativ angetrieben werden sollen. Dafür bekommen wir dann endlich menschenfreundliche Städte, meint Matthias Brake.


Es gibt Bücher, die man mit Gewinn von hinten nach vorn liest. Die durch den Titel "Mobilität im regenerativen Zeitalter" geweckten Erwartungen werden von Matthias Brake nämlich im letzten Drittel seines Buches befriedigt: Im Kapitel "Bewegung" skizziert er sehr klar die strukturellen Probleme des Transportwesens durch die rund 100-jährige Bevorzugung des privaten Kraftfahrzeugs. Brake legt dar, wie das Auto den Aufbau und die Funktion von Siedlungen so umgestaltet hat, dass ein Leben ohne Auto immer schwieriger wird. Er macht deutlich: Dieses Konzept ist im regenerativen Zeitalter nicht zukunftsfähig.

Der Autor stellt Alternativen vor, etwa die Förderung des Fahrrads oder Car Sharing, und schlägt die Mobilitätskosten als Lenkungsinstrument vor, um – etwa in Form einer City-Maut – die versteckten Kosten des städtischen Autoverkehrs zu korrigieren. Leider erreicht der Abschnitt zum Güterverkehr bei Weitem nicht die analytische Tiefe der Ausführungen über den Personenverkehr. Brakes Resümee gipfelt in der Forderung nach einem neuen gesellschaftlichen Konsens und schließt mit den Worten: "Mobilität im regenerativen Zeitalter, das bedeutet viele mögliche Optionen, zukunftsfähige Technik und eine Renaissance der menschenfreundlichen Stadt."

Gut zwei Drittel des Buches nehmen zwei Kapitel zu den Grundlagen ein. Das Kapitel "Energie" zeigt die Endlichkeit der fossilen Energieträger einschließlich der Atomkraft und beschreibt die verschiedenen regenerativen Energiequellen mit ihren Potenzialen. Das zweite Kapitel "Antrieb" behandelt fast ausschließlich Antriebssysteme und Energieträger für Personenkraftwagen. Daraus wird bei Brake eine Werbeschrift für den Elektroantrieb. Er sieht die Zukunft des Elektroautos darin, dass die häufig nutzlos abgestellten Fahrzeuge mit ihren Batterien als Puffer für die etwas unstetig anfallende Wind- und Sonnenenergie dienen.

Der Flugverkehr wird nur kurz gestreift und beim Schiffsverkehr beschränken sich die Angaben auf einige Technologien, die Seeschiffen die ergänzende Nutzung der Windkraft ermöglichen. Die Binnenschifffahrt, die ja immer als energetisch vorteilhafte Alternative zum Lkw-Verkehr eingefordert wird, fehlt ganz. Brake deutet nur an, dass hier die ungeliebten Biokraftstoffe unverzichtbar bleiben würden, die er für den Autoverkehr mit dem bekannten Hinweis auf eine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion und die Zerstörung der Regenwälder ausschließt. Hier zeigt sich das Buch inkonsequent, wenn es einerseits Biogas als Treibstoff akzeptiert und positiv auf eine Studie zum Ersetzen von Erdgas im europäischen Netzverbund verweist, andererseits aber die Erzeugung von Biogas aus Monokulturen ablehnt, was aber genau die Annahme in dieser Studie ist.

Auch das Eldorado der Elektromobilität im öffentlichen Verkehr, bei Eisenbahn und Tram, hätte eine breitere Würdigung verdient, zumal es hier offensichtlich noch Einsparpotenziale gibt, wie die Schulung von Lokführern zu einem energiebewussten Fahrstil zeigt. Insgesamt ist das Buch – vor allem wegen des dritten Kapitels – eine gute Argumentationshilfe bei den notwendigen Weichenstellungen für die "Mobilität im regenerativen Zeitalter". [Roland Schnell]


Brake, M.: Mobilität im regenerativen Zeitalter.
Was bewegt uns nach dem Öl? Heise, Hannover 2009,
180 S., 16,– €, ISBN 978-3-936931-61-7
www.telepolis.de/r4/buch/buch_38.html

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