Wasser & Meere

Alles schlecht im Fluss?

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Ökologische Schäden und sinnlose Kosten fürchten Umweltschutzorganisationen in Deutschland und Tschechien an der Elbe. Kritik aus der Wissenschaft erntet die Stromregulierungskonzeption an der Oder. An der Donau wird Stör gewildert. Kaum ein Fluss in Deutschland ist in gutem Zustand, konstatierte das Umweltbundesamt Ende März. Kurz vorher hatte der Bundestag für schnelleren Gewässerausbau gestimmt.

 

Deutsch-tschechisches Elbe-Abkommen: „ökologische Schäden, sinnlose Kosten“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die tschechische Umweltorganisation Arnika haben die Unterzeichnung eines Regierungsabkommens zwischen Deutschland und Tschechien zur Schiffbarkeit der Elbe kritisiert. Die Organisationen warnen vor „weiteren ökologischen Schäden und sinnlosen Infrastrukturausgaben“. Das Abkommen würde den Druck zum Ausbau des Flusses weiter erhöhen, obwohl Gütertransporte per Schiff rapide abgenommen haben und langanhaltende Dürreperioden der Elbe zunehmend zusetzen. Mit dem Abkommen würde die verfehlte Elbe-Politik der vergangenen Jahrzehnte fortgesetzt.
BUND: Deutsch-tschechisches Elbe-Abkommen: 25 Jahre verfehlter Politik droht Fortsetzung

 

Grenzoder: Kritik an Vorlage zur strategischen Umweltprüfung

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat eine Stellungnahme zur Strategischen Umweltprüfung (SUP) an der Grenzoder abgegeben. Die Forschungsgruppe kritisierte die sogenannte Scoping-Vorlage der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, da weder der Zweck noch die Beschreibung des Vorhabens der „Stromregelungskonzeption“ eindeutig daraus hervorgingen. Zudem enthalte sie präferierte Vorannahmen für Wirkfaktoren, Wirkräume und Schutzgegenstände, dafür fehlten voraussichtliche Vorhabenswirkungen. Dies sei „für die Prüfung der ökologischen wie auch der hydrologischen Auswirkungen im Hinblick auf die fachliche gute Praxis nach Ansicht der Forschenden definitiv nicht ausreichend und daher abzulehnen“. Verschiedene Stressoren könnten sich wechselseitig negativ verstärken. Um eine sinnvolle und umfassende Bewertung vornehmen zu können, müssten aber alle hydromorphologischen Veränderungen und deren Auswirkungen erfasst werden.
IGB-Stellungnahme zur Strategischen Umweltprüfung an der Grenzoder | IGB (igb-berlin.de)

Ein zentrales Instrument zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sind Bewirtschaftungspläne für das gesamte Flusseinzugsgebiet. Bis 22. September 2021 läuft eine Öffentlichkeitsanhörung zum Entwurf der zweiten Aktualisierung des Bewirtschaftungsplans für die Internationale Flussgebietseinheit Oder: Weitere Informationen.

Donau: Systematische Rechtsverstöße beim Wildtierhandel mit Stören

Neue Beweise für systematische Verstöße beim Handel mit Fleisch und Kaviar von wild gefangenen Stören hat der WWF Zentral- und Osteuropa (CEE) in der unteren Donauregion aufgedeckt. Fast ein Drittel der im Rahmen der WWF-Marktstudie gekauften Störprodukte seien illegal gewesen, 214 Fälle von Wilderei wurden von den Behörden registriert. Die Erhebung kombinierte offizielle Daten zu illegalen Fischereiaktivitäten der zuständigen Behörden mit den Ergebnissen einer groß angelegten Marktuntersuchung und forensischen Analysen von Fleisch- und Kaviarproben in Bulgarien, Rumänien, Serbien und der Ukraine zwischen Oktober 2016 und Juli 2020.
WWF CEE-Pressmitteilung  und Studie (engl., PDF, 56 p.): Market-Survey Danube Sturgeons

 

93 Prozent der deutschen Flüsse in schlechtem ökologischen Zustand, Bundestag stimmt für einfacheren Ausbau der Bundeswasserstraßen

Laut dem Ende März veröffentlichten Umweltmonitor 2020 des Umweltbundesamtes (UBA) sind nur sieben Prozent der Flüsse in einem guten ökologischen Zustand, das Ziel der ⁠EU-Wasserrahmenrichtlinie⁠ werde damit „weit verfehlt“. An knapp 16 Prozent der Messstellen werde der Grenzwert zur Nitratbelastung des Grundwassers überschritten, was an der immer noch zu hohen Nährstoffbelastung der Gewässer liege, vor allem verursacht durch die Landwirtschaft. Noch sei nicht klar, welche Auswirkungen die seit Mai 2020 geltende neue Düngeverordnung habe. Das UBA empfiehlt, statt pauschaler Flächenprämien über die EU-Agrarförderung ökologische Leistungen, wie ⁠Gewässerrandstreifen⁠ und ökologische Bewirtschaftung zu honorieren, sowie den Ökolandbau auszuweiten und einen geringeren Fleischkonsum anzustreben.

Der Deutsche Bundestag hatte Ende März einem Gesetzentwurf zugestimmt, laut dem der Bund künftig den wasserwirtschaftlichen Ausbau der Bundeswasserstraßen, soweit dieser zur Erreichung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erforderlich ist, als Hoheitsaufgabe übernimmt. Bund und Länder seien sich einig, dass die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine gesamtstaatliche Aufgabe ist, die nur im Zusammenwirken aller für Gewässer zuständigen Stellen bewältigt werden kann, heißt es in der Vorlage. [jg]

Umweltzustand 2020: Umweltbundesamt zieht gemischte Bilanz

Bundestag stimmt für einfacheren Ausbau der Bundeswasserstraßen