Naturschutz & Biodiversität

Biodiversität: "Nullter Entwurf" der UN und Abstimmung im EU-Parlament

Aktivitäten zum Schutz der Biodiversität allerorten: Seit Montag gibt es einen Entwurf für den im Oktober stattfindenen Staatengipfel zur biologischen Vielfalt. Und das EU-Parlament hat heute (Donnerstag) in einer Resolution für weltweit verbindliche Ziele gestimmt sowie gefordert, dass 30 Prozent des europäischen Territoriums unter Schutz gestellt sowie zehn Prozent des Budgets für Biodiversität ausgegeben werden und dass es rechtlich wirksame Reduktionsziele für Pestizide gibt.

UN-Zero-Draft: Geht es nach dem ersten oder vielmehr nullten Entwurf (Zero Draft) des Sekretariats der UN-Konvention über biologische Vielfalt (CBD) müssten bis 2030 rund 30 Prozent der Erdoberfläche zum Schutzgebiet erklärt werden. In zehn Prozent davon müssten besonders strikte Schutzvorkehrungen gelten. Diese Zahlen und auch andere Abschnitte sind allerdings noch Bleistiftideen (Prozentzahlen in Klammern) und können in den Verhandlungen jederzeit ausradiert werden. Im Oktober findet das nächste CBD-Vertragsstaatentreffen (COP 15) im chinesischen Kunming statt (siehe auch EU-News vom 10.01.2020 "Das Superjahr zur Biodiversität").

Eine "Theorie des Wandels" müsse den Rahmen vorgeben, in denen die politischen Maßnahmen zum Schutz von Biodiversität und zum Stopp des Artensterbens getroffen werden. Das Ziel ist, bis 2050 weltweit ein "Leben in Harmonie mit der Natur" zu führen. Bis 2030 soll eine Stabilisierung der Biodiversität erreicht sein, wobei fünf Schlüsselziele und 20 Aktionsziele im Vorschlag enthalten sind. Geplant sind Ziele zur Eindämmung des Artenverlustes und zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Plastikmüll beispielsweise soll bis 2030 um die Hälfte reduziert werden und ebenso der Eintrag von überflüssigen Nährstoffen. Darüber hinaus soll die Ausbreitung von invasiven Arten eingedämmt werden. Der Zugang zu sicherer Ernährung und Trinkwasser sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen sind weitere Ziele.

Das EU-Parlament hat auf seiner Plenarsitzung eine Resolution zur EU-Position bei der COP 15 debattiert und abgestimmt. Geht es nach den EU-ParlamentarierInnen, sollte sich die Biodiversitätskonferenz auf rechtsverbindliche Ziele ähnlich dem Pariser Klimaschutzabkommen einigen, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Die EU selbst sollte eine Vorreiterrolle einnehmen, indem sie bis 2030 30 Prozent des EU-Territoriums zu Naturschutzgebieten erklärt, geschädigte Ökosysteme wiederherstellt und indem der Schutz der Biodiversität in allen EU-Politikbereichen berücksichtigt wird. Außerdem sollten mindestens 10 Prozent des langfristigen EU-Haushalts für diese Ziele bereitgestellt werden. Nachhaltigkeit in der Land- und Forstwirtschaft, einschließlich eines EU-weit verbindlichen Reduktionsziels für die Verwendung von Pestiziden, wurde ebenso gefordert.

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen hatten die EU-ParlamentarierInnen zuvor mit einem offenen Brief angemahnt, für ein globales Moratorium für die Freisetzung von sogenannten Gene Drive Organismen in die Natur zu stimmen. Gene Drives sind ein gentechnisches Verfahren, das in grundlegende Eigenschaften von Organismen eingreift; diese Eigenschaften werden dann auf natürlichem Wege weitervererbt und können potenziell ganze Populationen verändern. Das EU-Parlament hat für ein Moratorium gestimmt.

Die EU-Kommission plant, im Rahmen des Green New Deals im März (andere Quellen sagen am 26. Februar) ihre EU-Biodiversitätsstrategie 2030 vorzulegen. Ein zugehöriger Fahrplan kann noch bis 20. Januar kommentiert werden. Eine Einbeziehung der Zivilgesellschaft zum Entwurf der Strategie selbst scheint dagegen bisher nicht eingeplant zu sein, was Umweltverbände kritisieren.

Angesichts der erschreckenden Daten im Bericht des Weltbiodiversitätsrates vom vergangenen Jahr  sowie den seit Monaten und Wochen wütenden Waldbränden im Amazonasgebiet und Australien sollte jedem klar sein, dass Biodiversitätsverlust und Klimawandel die bisher herausforderndsten Umweltkrisen für die Weltgemeinschaft sind. Beide dürfen nicht mehr als Nischenthema behandelt werden, fordern Umweltverbände. [jg]

CBD-Pressemitteilung

Zero Draft

Artikel Huffington Post

Briefing EU-Parlament

Pressemitteilung EU-Parlament und angenommener Text

Offener Brief von Verbänden für ein Gene Drive Moratorium

Hintergrundinformationen zu Gene Drives auf https://www.saveourseeds.org/

Reaktion Greenpeace/Biodiversität

Hintergrund:

Schlussfolgerungen des Rates zur Vorbereitung der CBD COP 15 vom 19.12.2019