Naturschutz & Biodiversität

Biodiversität und Bienen

c. Helge May

Beim informellen Treffen der EU-Umweltminister*innen standen das UN-Biodiversitätsabkommen und Bestäuberinsekten auf der Tagesordnung. Es gibt außerdem eine neue Internetplattform, die Informationen über Bienen und andere Bestäuberinsekten zusammenführt.

EU-Vorbereitungen zum UN-Biodiversitätsabkommen

Am zweiten Tag des informellen Treffens in Slowenien am Mittwoch haben die EU-Umwelt- und Klimaminister*innen über den neuen Vorschlag globaler Ziele für den globalen Biodiversitätsrahmen nach 2020 (EU-News 13.07.2021) diskutiert. Laut der slowenischen Ratspräsidentschaft war der Umweltrat sich darüber einig, "dass der erste Entwurf des neuen globalen Rahmenwerks eine gute Grundlage für den Abschluss der Verhandlungen darstellt". Bei der Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrise werde es notwendig sein, nach Synergien zu suchen. Die Integration des Schutzes der biologischen Vielfalt in andere Regierungspolitiken, Wirtschaftssektoren, einschließlich des Finanzsektors, und in die Gesellschaft als Ganzes sei "von großer Bedeutung". Der Rat betonte, dass mehr Ressourcen für die biologische Vielfalt in Industrie- und Entwicklungsländern mobilisiert werden müssten. Im Einklang mit dem europäischen Green Deal seien die EU und ihre Mitgliedstaaten "bereit, mit gutem Beispiel voranzugehen", sowohl durch das Eintreten für ehrgeizige Ziele als auch durch eine verstärkte Umsetzung auf nationaler und EU-Ebene.

Der EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei Virginijus Sinkevičius sagte dem Rat, dass der Rückgang der biologischen Vielfalt dringende Maßnahmen erfordere und dass alle gemeinsam an der Entwicklung eines soliden Rahmens arbeiten, der auf der Konferenz der Vertragsparteien (COP15) diskutiert werden soll. Die EU arbeite an einem ehrgeizigen neuen Vorschlag für globale Biodiversitätsziele für 2030 und 2050.

Die slowenische Präsidentschaft wolle alle notwendigen Schritte unternehmen, um die Interessen der EU in diesen Verhandlungen durchzusetzen. Im Einklang mit der Vision des globalen Biodiversitätsrahmens, in Harmonie mit der Natur zu leben, werde sich die Präsidentschaft dafür einsetzen, dass bis 2050 die biologische Vielfalt geschätzt, erhalten, wiederhergestellt und widerstandsfähig ist und durch nachhaltige Nutzung Ökosystemleistungen für alle bereitstelle.

Das 15. Vertragsstaatenabkommen soll vom 11. bis 24. Oktober 2021 im chinesischen Kunming stattfinden. Die slowenische Ratspräsidentschaft schreibt, die Verhandlungen über die neuen globalen Ziele begönnen am 23. August 2021 und würden bis zur voraussichtlichen Verabschiedung eines globalen Rahmenwerks zum Abschluss der 15. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (COP15 Phase 2) im Frühjahr 2022 fortgesetzt [CBD-Prozess auf der Seite des Übereinkommens]. Die COP15 sei "ein wichtiger Meilenstein in dem Bemühen, die globalen Ambitionen zur gemeinsamen Bewältigung der Klima-, Biodiversitäts- und Gesundheitskrise zu erhöhen". Einige der Ursachen und Lösungen für alle drei Krisen seien miteinander verknüpft und erforderten eine konzertierte Suche nach gemeinsamen naturbasierten Lösungen, um auch die Ziele für nachhaltige Entwicklung und die 2030-Agenda zu erreichen, so die slowenische Ratspräsidentschaft.

Bienenschutz in der EU

Die Minister*innen diskutierten auch über die Stärkung des Bestäuberschutzes und die Einrichtung eines EU-weiten Bestäuber-Monitoring-Rahmens. Der Umweltrat zeigte sich beim informellen Treffen besorgt über den Rückgang der Wildbestäuber und die Folgen, die dies für die biologische Vielfalt und die Ökosystemleistungen der Bestäubung hat. Der Rat sei laut slowenischer Ratspräsidentschaft bereit, den Schutz von Bestäubern zu verbessern, einschließlich der Verstärkung des Monitorings von Wildbestäubern und Maßnahmen zur Verbesserung von Bestäuberlebensräumen sowie der Sensibilisierung von Schlüsselsektoren und der Gesellschaft für die Bedeutung eines aktiven Schutzes.

Die "EU-Bienenpartnerschaft" (EU Bee Partnership, EUBP) hat eine neue Online-Datenplattform vorgestellt, um die Bemühungen zum Schutz der Gesundheit von Bienen und Bestäubern zu unterstützen. Hier sollen harmonisierte Daten zu Bienen und anderen Bestäubern zusammengeführt und visualisiert werden.
Beim Prototyp haben Imker- und Landwirtschaftsverbände, europäische Agenturen, Wissenschaft,  Pflanzenschutzindustrie, Veterinärverbände, Nichtregierungs- und andere Organisationen zusammengearbeitet. Die Sammlung harmonisierter Daten zu Bienen und Bestäubern aus ganz Europa werde von zentraler Bedeutung für den Erfolg des neuen Rahmenwerks sein, das die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA für die Umweltrisikobewertung von Mehrfachstressoren bei Bienen entwickelt hat. Die EFSA unterstützt die Umwandlung der Prototyp-Plattform in ein voll funktionsfähiges Instrument finanziell.

Das Institut für europäische Umweltpolitik IEEP hat zur Unterstützung der EU-Initiative für Bestäuber untersucht, was in allen Mitgliedstaaten für Bestäuber getan wird, und darüber hinaus einen Leitfaden zur Förderung bewährter Praktiken für landwirtschaftliche Verwaltungsbehörden, in der Landwirtschaft Tätige und Bürger*innen erstellt. Laut IEEP müssen die Akteure in der gesamten EU bestäuberfreundliche Praktiken einführen, um den Rückgang der Bestäuber aufzuhalten. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts verfügten Irland, Spanien, Frankreich und die Niederlande bereits über nationale Bestäuberstrategien, die als Rahmen für diese Initiativen dienen, während andere Länder wie Luxemburg, Belgien und die Tschechische Republik dabei sind, ihre Strategien zu entwickeln. Deutschland sei einen Schritt weiter gegangen und habe rechtlich verbindliche Maßnahmen festgelegt, so das IEEP. [jg]

Pressemitteilung slowenische Ratspräsidentschaft: EU environment ministers on new post-2020 Global Biodiversity Framework and pollinator protection

Pressemitteilung EFSA: Bee health: new data hub goes live

Pressemitteilung IEEP: Citizen promotion of pollinator-friendly practices and activities across EU Member States