Naturschutz & Biodiversität

Biodiversität: WWF warnt vor "verlorener Dekade"

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Dringlich und wichtig sind tiefgreifende Maßnahmen für den Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt, doch wenn die Staaten weiter so verhandeln, riskieren sie laut dem WWF "ein weiteres verlorenes Jahrzehnt". Der bisher vorgelegte Entwurf für einen globalen Rahmen zum Schutz der Biodiversität reicht nach Analysen der Organisation jedenfalls nicht aus. Deshalb hat der WWF ein eigenes Papier vorgelegt.

Unter dem Titel "Nature positive by 2030: Kunming plan for nature and people" (Natur positiv bis 2030: Kunming-Plan für Natur und Menschen) finden sich die Vorschläge des WWF für ein transformatives, umfassendes und messbares globales Biodiversitätsrahmenwerk für die Zeit nach 2020. Noch bereiten sich die Vertragsstaaten - darunter auch die EU - auf die Debatten über einen solchen Rahmen vor. Die Verhandlungen, die das UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) erweitern sollen, sollen voraussichtlich im Oktober 2021 im chinesischen Kunming stattfinden. Das Treffen war pandemiebedingt um ein Jahr verschoben worden. Aus Sicht des WWF stellt das CBD-Vertragsstaatentreffen "eine einmalige Gelegenheit dar, ein globales Biodiversitätsabkommen ähnlich dem Pariser Abkommen zum Klimawandel zu erreichen".

Die neue Bewertung des WWF ist auch eine deutliche Warnung: Sie stellt fest, dass der aktuelle Entwurf des Biodiversitätsplans weder ehrgeizig noch umfassend genug ist, um die globale Naturkrise zu bewältigen.

"Die EU muss mit gutem Beispiel vorangehen und ihre eigene Biodiversitätsstrategie sofort in die Tat umsetzen. In den globalen Verhandlungen für einen Biodiversitätsrahmen muss die EU einen robusten Umsetzungsmechanismus fordern, der die Länder zur Rechenschaft zieht, um sicherzustellen, dass Vereinbarungen auf dem Papier in schnell wirksame Handlungen umgesetzt werden. Sie muss auch sicherstellen, dass die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften anerkannt werden."

Ester Asin, WWF European Policy Office

In diesem Jahr gab es schon eine hochrangige Konferenz zum Thema: Der One Planet Summit in Paris (EU-News 12.01.2021). Sowohl Ursula von der Leyen als auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fanden warme Worte für ein Umdenken in der ökologischen Krise und schlossen sich der High Ambition Coalition an, die viele gute Vorsätze hat. Aber wie das mit den Vorsätzen so ist: Die EU bildet laut WWF-Analysen keine Ausnahme bei der Zerstörung der natürlichen Welt. Sie habe ihr Biodiversitätsziel, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2020 zu stoppen, verfehlt. 81 Prozent der Lebensräume in der Europäischen Union hätten einen "schlechten" oder "mangelhaften" Zustand. Die EU-Biodiversitätsstrategie bis 2030 könne jedoch "ein Leuchtfeuer der Hoffnung sein", sofern wenn sie vollständig und schnell umgesetzt werde, so der WWF.

Besonders die Finanzierung müsse aber bei allen Staaten endlich auf die Prioritätenliste, fordert der WWF. Die reicheren Länder, einschließlich die EU, müssten sich verpflichten, die ärmeren Länder zu unterstützen. Gleichzeitig müsse der neue Biodiversitätsplan negative Auswirkungen der Finanzwirtschaft auf die natürlichen Ressourcen der Welt angehen, indem naturfreundliche Praktiken gefördert und umweltschädliche Subventionen  beseitigt werden.

Über den aus Verbandssicht missglückten "nullten Entwurf" des CBD-Sekretariats berichteten wir bereits im letzten Jahr (EU-News 16.01.2020). Im Laufe dieses Jahres sind noch viele Veranstaltungen zur Vorbereitung des Vertragsstaatentreffens geplant (CBD-Kalender). [jg]

 

Pressemitteilung WWF-EU: UN nature plan risks another lost decade und das 20-seitige Diskussionspapier (engl. PDF) mit WWF-Vorschlägen für eine Biodiversitätsrahmen

Zero Draft der CBD