Naturschutz & Biodiversität

Biodiversitätsschutz in EU-Handel und deutscher Ratspräsidentschaft

Internationale Experten für Infektionskrankheiten haben EU-Handelskommissar Phil Hogan in einem offenen Brief aufgefordert, gegen den Import von Produkten vorzugehen, für deren Herstellung die Abholzung von Wäldern nötig ist. Lebensräume müssten geschützt und wiederhergestellt werden, um den Ausbruch neuartiger Krankheiten zu verhindern, zitiert der Umweltinformationsdienst ENDS Europe das Schreiben dreier Professoren aus Florida, Alaska und Brasilien. Als eine der größten Importregionen müsse die EU Verantwortung übernehmen.

Phil Hogan habe in einer Anhörung vor dem EU-Parlamentsausschuss für internationalen Handel am 21. April erwähnt, dass ihm der Zusammenhang zwischen dem Verlust tropischer Regenwälder und der Ausbreitung von Infektionskrankheiten tierischen Ursprungs (Zoonosen) nicht bekannt sei. Die Wissenschaftler weisen im Brief auf zahlreiche Studien hin, die dies zeigten, unter anderem bei durch Insekten übertragene Krankheiten, Infektionen zoonotischen Ursprungs, die Verbindung zwischen großflächigen Waldbränden und dadurch bedingten Gesundheitsrisiken sowie den Konsum und umweltschädliche Produktionsmuster. Waldschutz müsse demzufolge beim Verhandeln mit Handelspartnern wie Indonesien oder Brasilien und der EU eine große Rolle spielen.

In einem offenen Brief an die deutsche Bundeskanzlerin im Vorhinein der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und anlässlich des Weltbiodiversitätstags am 22. Mai erwarten namhafte Wissenschaftler*innen, Vertreter*innen von Stiftungen, Unternehmer*innen, Prominente und NGOs ein konsequentes Handeln bei der Verabschiedung des "European Green Deals" und dem neuen globalen Biodiversitätsrahmen der UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD). Die enge Verbindung zwischen dem Verlust von Biodiversität und dem Auftreten von Pandemien zeige mit beispielloser Klarheit die Folgen für die Menschheit, wenn intakte Lebensräume mit hoher Artenvielfalt weiter ungebremst zerstört würden. Bis 2030 müssten mindestens 30 Prozent der Meeres- und Landfläche der Erde unter Anerkennung und Unterstützung der Rechte indigener Völker effektiv unter Schutz stehen.

Die gegenwärtige Pandemie zeige auf erschreckende Weise, wie stark unsere Gesundheit und letztlich unser Überleben von einem gesunden Planeten abhängig sind. Sie könne Auslöser dafür sein, die "unabdingbar grundlegenden Änderungen in unseren Wirtschafts- und Finanzsystemen einzuleiten, um die Zukunftsfähigkeit der Menschheit zu sichern". Es wäre fatal, Transformationsprozesse wie zum Beispiel die umgehende Neuausrichtung der Landwirtschaft angesichts der aktuellen Krise und aufgrund des Drucks von Lobbyist*innen zu verschieben. Die Planung und Umsetzung der Konjunkturprogramme müssten an den Kernelementen des European Green Deal ausgerichtet werden, dafür müsse sich Deutschland auf nationaler und europäischer Ebene einsetzen. Unterzeichnet haben den offenen Brief unter anderem Kai Niebert (DNR-Präsident), Schaupieler Hannes Jaenicke, Klaus Milke (Vorsitzender Stiftung Zukunftsfähigkeit & Chair Foundations 20), der Generaldirektor Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Volker Mosbrugger, BUND-Vorsitzender Olaf Bandt und der Geschäftsführer Zoologische Gesellschaft Frankfurt Christof Schenck. [jg]

Artikel in ENDS Europe (kostenpflichtig) verlinkter Brief

Pressemitteilung DNR zum offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel