Naturschutz & Biodiversität

Bulgarien: Bewirtschaftungsplan im Pirin-Nationalpark aufgehoben

Der WWF Bulgarien meldet in Zeiten der Krise einen "Sieg für die Natur und die Rechtsstaatlichkeit in Bulgarien". Bulgariens Oberstes Verwaltungsgericht hat Ende April die Ausführung des Bewirtschaftungsplans des Pirin-Nationalparks ausgesetzt und endgültig entschieden, dass eine Unterlassung der Umweltverträglichkeitsprüfungen rechtswidrig ist.

Der Bewirtschaftungsplan für das von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärte und wegen seiner Schönheit der Gletscherseen, Schluchten und Nadelwälder bekannte Gebiet hätte die Bebauung auf 66 Prozent und den Einschlag auf 48 Prozent der Fläche ermöglicht. Der Rechtsstreit darum dauert mittlerweile drei Jahre. Schon Anfang des vergangenen Jahres (EU-News 18.01.2019) hatten der WWF und andere Nichtregierungsorganisationen der "Coalition for Nature" vor Gericht einen ersten Erfolg errungen und den Bau eines erweiterten Skiressorts im Pirin-Nationalpark verhindert.

Der Pirin-Nationalpark ist laut WWF ein Beispiel für ein gesundes, funktionierendes Balkan-Bergland-Ökosystem, in dem EU-weit geschützte Arten wie Braunbären, Grauwölfe, Gämsen und der eurasische Dreizehenspecht, die seltenste Spechtart in Europa, beheimatet sind. Die natürlichen Nadelwälder beherbergen zudem die 1.300 Jahre alte endemische Panzer- oder Schlangenhautkiefer "Baykusheva mura" – vermutlich die älteste auf der Balkanhalbinsel, benannt nach einem Förster.
 
Die endgültige Entscheidung markiere einen Meilenstein, weil dadurch auch neue Standards und eine neuen Gerichtspraxis in diesem Bereich festgelegt worden seien, die sich in Zukunft positiv auf Schutzgebiete und Natura-2000-Gebiete im Land auswirken würden. Damit sende das Urteil des bulgarischen Gerichtshofs eine weitreichende Botschaft: die EU-Naturschutzrichtlinien müssen eingehalten werden. Dies sei eine wichtige Erinnerung daran, dass die Umsetzung und Durchsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien eines der Schlüsselinstrumente im Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 ist, kommentierte der WWF mit Blick auf die voraussichtlich am 20. Mai erwartete EU-Biodiversitätsstrategie. [jg]

Pressemitteilung WWF Bulgarien