Wasser & Meere

EU-Biodiversitätsstrategie: Oceana begrüßt bindende Schutzgebietsziele

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Bis 2030 sollen 30 Prozent der Meeresflächen der EU geschützt sein und davon 10 Prozent mit großem ökologischen Wert streng geschützt - das ist ein Ziel der am letzten Mittwoch veröffentlichten EU-Biodiversitätsstrategie der EU-Kommission (EU-News 20.05.2020).

Die Meeresschutzorganisation Oceana begrüßte das Papier und nannte es "entscheidend für den Wiederaufbau der Widerstandsfähigkeit der Meere und die Ermöglichung einer 'blauen' Zukunft für die europäischen EU-Mitgliedstaaten". Die Wiederherstellung gesunder, gut funktionierender und widerstandsfähiger natürlicher Ökosysteme sei auch für den Europäischen Green Deal von zentraler Bedeutung und sei eine wichtige Dimension der politischen Reaktion der EU auf die Covid-19-Pandemie, um die bestehende Klima- und Biodiversitätskrisen nicht zu verschärfen.

Und ein "weiter so" wäre auch fatal: Derzeit verfügten laut Oceana 85 Prozent der EU-Meeresschutzgebiete (MPA) über keinerlei Verwaltung, beispielsweise um die zerstörerischsten Aktivitäten wie Bodenschleppnetzfischerei, Ölbohrungen oder Sandbaggerung einzuschränken. Sie sind daher nicht mehr als "Papiertiger". Oceana unterstützt deshalb die neuen verbindlichen Meeresschutzgebietsziele, insbesondere für streng geschützte Gebiete. Strenger Schutz bedeute große Vorteile für die Natur, und Meeresschutzgebiete ganz ohne Nutzung seien die wirksamste Art von MPAs - aber derzeit machten sie weniger als 1 Prozent des EU-Schutzgebietsnetzes aus. "Die Bemühungen sollten sich auf diese Super-MPAs als oberste Priorität konzentrieren", betonte Nicolas Fournier bei Oceana Europa.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeige, dass die Biomasse aller Fische in vollständig geschützten Meeresschutzgebieten im Durchschnitt um 670 Prozent höher ist als in angrenzenden ungeschützten Gebieten und 343 Prozent größer als in teilweise geschützten MPAs. Meeresschutzgebiete trügen auch dazu bei, die Komplexität der Ökosysteme durch eine Kette ökologischer Effekte wiederherzustellen, die als "trophische Kaskaden" bezeichnet werden, sobald sich die Fülle der großen Tiere ausreichend erholt. Hinzu kommt, dass streng geschützte Meeresgebiete klimaresistenter sind als weniger geschützte Gebiete.

Die Europäische Kommission kündigte innerhalb ihrer Biodiversitätsstrategie außerdem einen Aktionsplan bis 2021 zum Schutz der marinen Ökosysteme und der Fischereiressourcen an. Darin sollen unter anderem die Verwendung von besonders schädlichen Fangmethoden wie die Bodenschleppnetzfischerei, Höchstfangmenden und der ungewollte Beifang empfindlicher und bedrohter Arten neu geregelt werden.

EU - International: Zehn Prioritäten für nachhaltige Fischereipartnerschaftsabkommen

BirdLife Europe, die Coalition for Fair Fisheries Arrangements (CFFA) und der WWF haben ein gemeinsames Positionspapier zusammengestellt, in dem Empfehlungen zur Zukunft von Partnerschaftsabkommen über nachhaltige Fischerei (SFPA) vorgestellt werden. In einer Welt, in der Fischereiressourcen immer begehrter werden und Meereslebensräume durch den Klimawandel und menschliche Aktivitäten bedroht seien, müssten sowohl die Europäische Union als auch die Küstenstaaten von Drittländern, die an SFPA beteiligt sind, ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Fischerei gerecht werden. Dazu gehörten die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen, die
Unterstützung der fischereiabhängigen Gemeinschaften von Drittländern sowie der Schutz empfindlicher Arten wie Seevögel vor den Auswirkungen der Fischerei. [jg]

Pressemitteilung Oceana

Pressemitteilung BirdLife Europe und die zehn SFPA-Empfehlungen (englisch, 17 Seiten)