Wasser & Meere

Farm-to-Fork: Seas At Risk mahnt Beachtung der Fischereiwirtschaft an

Illegale Fischerei, das Schrumpfen der Fischpopulationen, die Zerstörung von Lebensräumen, der Beifang empfindlicher Arten und die zunehmende Wasserverschmutzung - als Nahrungslieferanten sind die europäischen Meere deutlich bedroht. Doch trotz dieser Probleme schenkt der jüngste durchgesickerte Entwurf der bevorstehenden Farm-to-Fork-Strategie der Europäischen Kommission den schädlichen Umweltauswirkungen der Produktion meeresbasierter Lebensmittel wenig Aufmerksamkeit, kritisierte die Meeresschutzorganisation Seas At Risk vergangene Woche.

"Frappierend" nennt die Organisation das Fehlen umfassender Ziele oder Maßnahmen hin zu einer schonenden Fischereiwirtschaft. "Kein EU-Bürger möchte Fische essen, die aus einer überfischten oder erschöpften Fischpopulation stammen oder auf Kosten von Arten wie Delfine, Seevögel oder Schildkröten gefangen werden", mahnte Seas At Risk. Ein vollständiger Wandel müsse endlich weg von einer kraftstoffintensiven, nicht selektiven und destruktiven Fischerei führen. Eine nachhaltige Fischerei würde weniger Energie pro Tonne gefangener Fische verbrauchen, weil sie passives Fanggerät verwendet, das weniger Treibstoff benötigt. Richtig betriebene Aquakulturen könnten die Meeresumwelt entlasten und die steigende Nachfrage nach Proteinen decken. Im bisherigen Entwurf der Farm-to-Fork-Strategie fehlten konkrete Aquakulturziele, um ökosystembasierte Raumplanung, Futtermittel und Nährstoffprobleme anzugehen. Die Kommission müsse sicherstellen, dass sich die neuere, innovative Algenindustrie innerhalb der EU-Vorschriften, der Genehmigungsverfahren und der erforderlichen Umweltverträglichkeitsprüfungen entwickelt. Ohne ausreichende Berücksichtigung der massiven Auswirkungen der industriellen Fischproduktion auf die marinen Ökosysteme werde die Strategie zu einem Misserfolg.

Darüber hinaus gehe die EU-Kommission in ihrem Entwurf davon aus, dass der Fischkonsum der EU-Bürger*innen "unzureichend" sei und erhöht werden sollte. Tatsächlich zeigten Statistiken, dass die Europäer*innen im Durchschnitt 40 Prozent mehr Meeresfrüchte essen, als die Gesundheitsrichtlinien vorsähen. "Die Förderung des Verbrauchs von Meeresfrüchten übersieht die Tatsache, dass deren Produktion die Fähigkeit der Ozeane, mit dem Klimawandel fertig zu werden, negativ beeinflusst", führt die Organisation aus. Zusätzlich würden Küstenlebensräume regelmäßig durch Grundschleppnetzfischerei zerstört, obwohl diese Räume 40-mal schneller CO2 aufnähmen als tropische Wälder.

Fischkonsum in Deutschland: Am 5. April ist "End-of-Fish-Day"

Die Organisationen Slow Food Deutschland und Fair Oceans haben berechnet, dass am 5. April keine eigenen "Fischreserven" in Deutschland mehr vorhanden sind und ab dann rechnerisch Meeresfrüchte nur noch importiert werden können. Auch 2020 werde Deutschland zu 70 Prozent von importierten Fischereiprodukten abhängig sein. Mit fast 14 Kilogramm pro Kopf äßen die Bürger*innen in Deutschland jährlich weitaus mehr Fisch, als unter deutscher Flagge und in einheimischer Aquakultur bereitgestellt werden könne. "Ein anhaltend ausbeuterisches Fischerei- und Handelssystem gepaart mit einem unbedacht hohen Verzehr gefährdet marine Ökosysteme, die Ernährungssicherheit und die Existenz handwerklicher Betriebe", kritsieren die Organisationen. Der Ruf nach einem zukunftsfähigen Fischereimanagement verstärke sich in Folge der Corona-Pandemie. [jg]

Pressemitteilung Seas At Risk

Pressemitteilung Slow Food