Wasser & Meere

Fischereikontrollen - WWF fordert Kameras an Bord

Mindestens 720.000 Seevögel, 300.000 Wale, 345.000 Robben und Seelöwen, über 250.000 Schildkröten und zig Millionen Haie kommen jedes Jahr weltweit als "Beifang" - dem unbeabsichtigten Fang von Meerestieren durch die kommerzielle Fischerei - ums Leben, wie ein neuer Bericht von WWF und Sky Ocean Rescue zeigt. Viele dieser Arten sind vom Aussterben bedroht oder stehen kurz davor.

Deshalb fordert der WWF, dass die Revision des EU-Fischereikontrollsystems Kameras auf Fischereifahrzeugen vorschreiben muss, um eine nachhaltige Fischerei zu gewährleisten und Beifang in europäischen Meeren zu verhindern. Schweinswale in der Ostsee, Delfine im Golf von Biskaya, gefährdete Hai- und Schildkrötenarten und zahlreiche Seevögel verenden unbeabsichtigt durch Fischereitätigkeiten. Die elektronische Fernüberwachung mit Kameras (REM) habe in über 100 Versuchen und 12 vollständig umgesetzten Programmen weltweit bewiesen, dass REM "eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung eines Fischereimanagementsystems spielt, das die ökologische Nachhaltigkeit erfolgreich fördert und gleichzeitig die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Fischereiindustrie unterstützt", so der WWF.

Der Fischereiausschuss des Europäischen Parlaments soll im Januar 2021 über die Revision des EU-Fischereikontrollsystems abstimmen. Es geht um modernisierte und vereinfachte Regeln für die Überwachung der Fischereiaktivitäten, um die Einhaltung der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) zu gewährleisten.

Schon im Mai hatte BirdLife dazu ein Positionspapier vorgelegt. Denn obwohl die EU bereits Regeln für die Erhebung von Daten über die Auswirkungen der Fischerei auf das Ökosystem im weiteren Sinne, einschließlich des Beifangs empfindlicher Arten, festlegt, hänge die Umsetzung dieser Regeln von der Kontrollverordnung ab – insbesondere für die Fischereilogbücher, Fischereiüberwachungssysteme und die elektronische Fernüberwachung (REM). BirdLife forderte unter anderem, dass die Inspektionen der Fischereitätigkeit an die technischen und operativen Vorschriften angepasst werden. Das müsse alle elektronischen Logbücher aller EU-Schiffe umfassen, einschließlich derjenigen, die außerhalb der EU-Gewässer fischen. Diese müssten mit einem System ausgestattet sein, das es ermöglicht, alle empfindlichen Arten sowie etliche Zusatzinformationen wie Fangtechniken oder verwendete Köder elektronisch zu erfassen. Zudem müssten die gesammelten Daten für EU-Bürger*innen transparent und öffentlich zugänglich sein (EU-News 13.05.2020). [jg]

WWF-Pressemitteilung: Monitoring fishing activities critical to curb deaths of millions of marine species

Vollständiger WWF-Report (PDF, engl., 53 p. 9,93 MB): WHAT’S IN THE NET? Using camera technology to monitor, and support mitigation of, wildlife bycatch in fisheries

Executive Summary zu WHAT´S IN THE NET? (PDF, engl., 4 p., 3,17 MB)