Wasser & Meere

Fischereisubventionen, Ausschussthemen, Mittelmeerstrategie, Haifischfleisch

Im Fischereisektor gibt es diese Woche ein buntes Gemisch von Nachrichten. Die WTO ringt um Regeln für umstrittene Fischereisubventionen. Der Fischereiausschuss im EU-Parlament (PECH) hat getagt und vor allem mit der slowenischen Präsidentschaft und der EU-Kommission debattiert. Für das Mittel- und das Schwarze Meer liegt eine neue Strategie 2030 vor, die die regionale Meeresorganisation FAO-GFCM beschlossen hat. Europas Appetit auf Meeresfrüchte ist laut WWF mitverantwortlich für Hai- und Rochengefährdung.

WTO will Verhandlungen zum Abschluss bringen, um Überfischung zu bekämpfen

Nach zwanzig Jahren Debatten um Fischereisubventionen soll es diesen Donnerstag gegen 19 Uhr einen Beschluss oder wenigstens eine Erklärung auf ministerieller Ebene geben, inwiefern staatliche Subventionen – die zu einem großen Teil auch für Schiffstreibstoff eingesetzt werden – weiter erlaubt sind. Die 164 WTO-Länder wollen dieses Jahr noch ein Abkommen dazu zustandebringen. Es geht um horrende Beträge, die gezahlt werden, und ohne die Ausflüge in ferne Fanggebiete unrentabel wären. Damit einher gehen unkontrollierte, womöglich illegale Fischereitätigkeiten, der Verbrauch großer Mengen von umweltschädlichem Schweröl und die Ausbeutung von Fischgründen durch kommerzielle Industrieflotten anderer Länder, während die einheimischen Betriebe in leere Netze blicken. Nicht zuletzt heizten besonders China und die EU mit 36 Prozent aller gezahlten Subventionen (davon etwa ein Fünftel für Treibstoffe) den Klimawandel an. Laut einer Studie gab es 2018 weltweit globale Fischereisubventionen von 35,4 Milliarden US-Dollar, wovon die kapazitätsfördernden Subventionen 22,2 Milliarden ausmachen. Die fünf größten Subventionszahler seien China, die Europäische Union, die USA, die Republik Korea und Japan; diese trügen 58 Prozent (20,5 Mrd. US-Dollar) zu den geschätzten Gesamtsubventionen bei.

Auf EU-Ebene fürchten Fischereibetriebe ein vollständiges Aus aller Subventionen. Vor allem, weil China als Entwicklungsland eingestuft wird und dem Land deshalb bisher noch viele Sonderwege offenstehen. Das nächste Treffen auf ministerieller Ebene will die WTO vom 30.11. bis 3.12. in Genf abhalten. [jg]

WTO-Hintergrundseite Negotiations on fisheries subsidies

Pressekonferenz der WTO auf YouTube zum Zwischenstand der Verhandlungen

Beitrag der Tagesschau (15.07.2021, 12:25): WTO: Reduzierung von Fischereisubventionen

Artikel auf bluewin.ch (14.07.2021): Fischbestände vor Kollaps: Ringen um Stopp schädlicher Subventionen

NGO-Video #stopoverfishingnow: How can we stopp overfishing

Analyse im Journal für Internationale Politik und Gesellschaft (Isabel Jarrett): Öl bei die Fische. Durch schädliche Subventionen für die Fischerei heizen Europa und China die Überfischung und das Klima an

 

PECH tauscht sich mit Rat und Kommission aus

Der Fischereiausschuss im EU-Parlament (PECH) hat sich in seiner letzten Sitzung (12. und 13. Juli) sowohl mit dem zuständigen Minister Jože Podgoršek über die Prioritäten der slowenischen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2021 ausgetauscht als auch mit dem EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius. Dabei ging es vor allem um das Fischereiabkommen mit Großbritannien, Norwegen und Dänemark/Grönland, den Status Quo der Gemeinsamen Fischereipolitik und den Ausblick auf Fangmöglichkeiten 2022, die Fischereikontrollverordnung und die WTO-Fischereisubventionen. Besonders der unilaterale Beschluss Norwegens, was die Quoten angeht, rief Widerspruch einiger PECH-Mitglieder hervor. Auch die Drittländervereinbarungen mit Großbritannien nach dem Brexit waren Thema. [Artikel zur Perspektive des Deutschen Fischerei-Verbands siehe dpa-Europaticker]

Sinkevičius sprach unter anderem von der Verabschiedung zum europäischen Meeresfonds EMFAF und zu Schutzgebieten in der Antartkis. Der EMFAF soll die Fischereibetriebe unterstützen, die Ziele des Green Deals zu erreichen und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meere zu erreichen. 2022 wird die EU-Kommission einen umfassenden Bericht über die Gemeinsame Fischereipolitik vorlegen, der sich unter anderem mit sauberen Meeren, sozialen Aspekten und Klimaanpassung - und den Fortschritten der EU - beschäftigen wird. Zur Fischereikontrollverordnung werden die Trilogverhandlungen bald anlaufen. Im November soll ein Aktionspaket für Mittelmeer und Schwarzes Meer für 2030 veröffentlicht werden. Anfang 2022 soll ein Aktionsplan für die Fischereiressoucen und zum Schutz der Meeresökosysteme angenommen werden. "Kein Fischer darf außen vor gelassen werden bei unserer Transformation zu einer grünen und digitalen Zukunft. Die Fischer sind die Hüter unserer Meere", so der Umweltkommissar abschließend. [jg]

Tagesordnung Fischereiausschuss 12./13.07.2021

PECH-Tweet zur Aussprache mit dem slowenischen Fischereiminister Jože Podgoršek mit Link zum Video

PECH-Tweet zur Aussprache mit EU-Kommissar Virginijus Sinkevičius mit Link zum Video

Neue 2030-Strategie für Fischerei und Aquakultur im Mittelmeer und Schwarzem Meer

Seit letzten Freitag gibt es eine neue GFCM 2030 Strategie für nachhaltige Fischerei und Aquakultur im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sowie einen zugehörigen Aktionsplan. Die GFCM ist die Allgemeine Kommission für die Fischerei im Mittelmeer (General Fisheries Commission for the Mediterranean, GFCM) der Welternährungsorganisation FAO und umfasst als regionale Fischereimanagementorganisation 22 Mitgliedsländer und die EU.

Bereits vor der Verabschiedung der neuen 2030-Strategie forderte die Meeresschutzorganisation Oceana die Fischereiminister*innen der Anrainerstaaten von Mittelmeer und Schwarzem Meer auf, die Maßnahmen unverzüglich umzusetzen. Insbesondere müssten empfindliche marine Ökosysteme und essentielle Fischlebensräume wirksam geschützt sowie die illegale Fischerei bekämpft werden. Zu diesen Zwecken müssten die Staaten Informationen über Schiffe aktualisieren und veröffentlichen, vorrangig über solche, die innerhalb von Fischereisperrgebieten (Fisheries Restricted Areas, FRAs) fischen. [aw/jg]

Pressemitteilung FAO/GFCM: A robust new strategy for sustainable fisheries and aquaculture in the Mediterranean and the Black Sea mit Links zur Strategie und zum Aktionsplan

FAO: Seite des General Fisheries Commission for the Mediterranean – GFCM 

Oceana calls for strong political leadership to implement new 2030 Mediterranean fisheries strategy

 

Haifisch und Rochen auf den Tellern bedrohen Bestände

Etwa 100 Millionen Haie und Rochen sterben jedes Jahr in der Fischerei, wobei der Handel mit Haifleisch "ein komplexes, globales Geschäft" ist, in dem auch die EU eine zentrale Rolle spielt. Die Europäische Union ist dabei sowohl im Im- als auch Export für 22 Prozent des globalen Handels mit Haifisch- und Rochenfleisch verantwortlich – dabei sind 36 Prozent der 1.200 Hai- und Rochenarten gefährdet, kritisiert der WWF. Die drei wichtigsten Zwischenhändler im Rochenfleischnetzwerk seien EU-Mitgliedstaaten: Frankreich, Spanien und die Niederlande. Das sind Ergebnisse einer WWF-Analyse des 2,6 Milliarden US-Dollar schweren internationalen Handels mit Haien und Rochen zwischen 2012 und 2019.

Deutschland sei der zweitgrößte Importeur im Segment von frischen Haifilets; vor allem Dornhaifilets werden frisch importiert, geräuchert und dann als sogenannte „Schillerlocken“ verkauft. Die Gesamtmenge ist mit durchschnittlich 32 Tonnen pro Jahr jedoch gering, im Vergleich zu den Importmengen anderer Staaten in anderen Marktsegmenten. Mehr als 200 Länder und Regionen importierten und exportierten Hai- und Rochenfleisch. Die EU sei ein Hauptakteur, der mit Instrumenten wie der Fischereikontrollverordnung oder der IUU-Verordnung das Potential hätte, artspezifisch Aufschluss über die Fänge zu geben, illegale Haifischerei einzudämmen und Rückverfolgbarkeit zu erhöhen, so der WWF. Ein umfassendes Managementsystem für alle Haifischereien existiere jedoch bisher nicht. Höchst problematisch sei auch, dass Haie und Rochen oft als Beifang eingestuft würden. „In vielen europäischen Thunfisch-Fischereien werden regelmäßig Haie in einem größeren Umfang als die Zielarten selbst mitgefangen und als lukrativer Fang vermarktet, ohne dass überhaupt artspezifische Höchstfangmengen festgelegt wurden. Dies verhindert, dass der Überfischung Einhalt geboten werden kann“, kritisiert Heike Zidowitz. Auf internationaler Ebene sind weitaus detailliertere Handels- und Zollcodes erforderlich. [jg]

Pressemitteilung WWF: US$2.6 billion global trade in shark and ray meat feeds the ocean crisis

WWF-Deutschland: WWF-Analyse: EU ist Drehscheibe für globalen Handel mit Haifleisch

WWF-Studie: The Shark and the Ray Meat Network - Deep Dive into a global affair 2021