Naturschutz & Biodiversität

Lebensräume und Arten unter Druck - Deutschland liefert FFH-Bericht

13.000 Stichproben, 195 Tier- und Pflanzenarten, vier Artengruppen und 93 Lebensraumtypen - in dem deutschen Umsetzungsbericht zur Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Bericht) an Brüssel steckt jede Menge Arbeit. Es geht um Daten aus den Jahren zwischen 2013 und 2018 und diese verheißen nicht viel Gutes.

Von den 195 untersuchten Arten befinden sich 75 Prozent in keinem günstigen Zustand. Einem Drittel (33 Prozent) der Arten wurde gar ausdrücklich ein schlechter Zustand bescheinigt. Nur jeder vierten Art geht es einigermaßen gut (25 Prozent: günstiger Zustand), hierzu gehören der Steinbock oder die Fledermausart "braunes Langohr".

Insgesamt 70 Prozent der Lebensräume weisen Probleme auf, nur 30 Prozent wird ein günstiger Zustand bescheinigt. Zu den Lebensräumen in günstigem Zustand gehören Buchenwälder in der kontinentalen Region sowie die meisten Fels- und Schuttlebensräume. Besonders Grünland- und Gewässerlebensräume befinden sich aber in einem schlechten Zustand: immerhin 37 Prozent der 93 untersuchten Habitattypen.

Anders ausgedrückt: "FFH-Arten und -Lebensräume sind (...) vor allem dort in einem günstigen Erhaltungszustand, wo der Mensch als Nutzer nicht oder nur begrenzt eingreift bzw. naturschutzkonform wirtschaftet." Werden Lebensräume landwirtschaftlich genutzt - immerhin 54 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands - befinden sie sich "überwiegend in einem schlechten Zustand". Bei 35 Prozent der Arten und 42 Prozent der Lebensräume hat sich die Lage seit Jahren weder gebessert noch stabilisiert, sondern verschlechtert sich weiter.

Laut Umweltbundesministerium und Bundesamt für Naturschutz, die den FFH-Bericht gemeinsam kommentierten, liegen die wesentlichen Faktoren für die negativen Trends "in der modernen Landwirtschaft, den zu hohen Stickstoffeinträgen und der fortschreitenden Fragmentierung wertvoller Lebensräume unserer Landschaft". Hinzu komme eine mangelhafte Ausstattung und Finanzierung bei der Umsetzung von Natura 2000, dem Schutzgebietsnetzwerk der FFH-Richtlinie. Das Insektensterben besonders in den Offenland-Lebensräumen spiele eine wichtige Rolle, aber auch Amphibien wie dem Laubfrosch oder höheren Pflanzen wie dem Sumpf-Glanzkraut geht es nicht gut.

Der NABU nannte den FFH-Bericht einen "Warnruf für einen Wandel in der Agrarpolitik" und forderte die Bundesregierung auf, endlich die Naturschutzvorgaben konsequent umzusetzen. Ackerbaustrategie und Aktionsprogramm Insektenschutz dürften keine "Alibi-Projekte" sein, die EU-Agrarförderung müsse neu ausgerichtet werden und auch im Meeres- und Waldschutz seien Taten gefragt.

Ähnlich argumentierte der WWF, der die übermittelten Daten einen "Weckruf aus der Natur nannte" und naturschonende Wirtschaftsformen forderte. Einmal ausgestorbene Arten könne man nicht zurückholen. Diejenigen LandwirtInnen, die viel für den Naturschutz tun, müssten endlich gerecht entlohnt werden. Es sei unverständlich, dass die Bundesregierung hier nicht helfend eingreife. "Bis zu 15 Prozent der bestehenden flächengebundenen EU-Subventionen können beispielsweise in Maßnahmen zur Förderung von Naturschutz auf dem Acker umgeleitet werden. Deutschland plant aber nur mit sechs Prozent", kritisierte der WWF.

Auch die anderen EU-Mitgliedstaaten sollen ihre jeweils nationalen Umsetzungsergebnisse an die EU-Kommission melden. Daraus wird ein europaweiter Bericht erstellt. [jg]

BMU/BfN-Pressemitteilung

 FFH-Bericht

NABU-Reaktion

WWF-Reaktion