Wasser & Meere

Meeresmüll und Fangquoten - Nichts hält länger als ein Provisorium

Der Fischereirat hat sich auf einen Notfallplan verständigt, falls es keine Einigung mit Ex-EU-Mitglied Großbritannien über die gemeinsamen Fischgründe geben sollte. Das EU-Parlament beschäftigte sich mit der Reduzierung von Müll im Meer. Denn "Meeresabfälle, insbesondere Nano- und Mikroplastik, [stellen] für eine Reihe von Meerestierarten sowie für Fischer und Verbraucher 'eine ernsthafte Bedrohung' dar", heißt es im Bericht, der mit großer Mehrheit angenommen wurde.

Vorläufige Verlängerung der vorläufigen Fangquoten

"Das gibt uns mehr Zeit für die Verhandlungen und ein finales Ergebnis" twitterte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius zum Ergebnis des Fischereirates Anfang der Woche. Die EU-Fischereiminister*innen hatten Bilanz der Konsultationen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich über die Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2021 und bei Tiefseebeständen für 2021 und 2022 gezogen. Da die beiden Parteien möglicherweise bis Ende März (wenn die vorläufigen und begrenzten Fangmöglichkeiten auslaufen) keine Einigung erzielen werden, hat der Fischereirat für einen Notfallplan entschieden, mit dem die bisher vereinbarten vorläufigen Fangmöglichkeiten der EU und des Vereinigten Königreichs bis zum 31. Juli 2021 verlängert werden. Dadurch werde gewährleistet, dass die Fischereitätigkeiten der EU-Flotten bis zu einer endgültigen Einigung ohne Unterbrechung fortgesetzt werden können.

Sinkevičius führte aus, dass die Fangquoten (TACs) bis zum 31. Juli generell in der entsprechenden Höhe von sieben Zwölfteln des EU-Anteils des wissenschaftlichen Gutachtens für 2021 seien. "Dennoch hoffe ich, dass dieses Abkommen nur eine sehr kurze Lebensdauer hat und dass wir es bald durch endgültige TACs ersetzen können", sagte der Umweltkommissar. Er bleibe optimistisch und verwies auf den bereits erreichten Kompromiss zur Nordsee (EU-News 18.03.2021), den der Rat im Übrigen auch begrüßt hatte, ebenso wie die Einigung mit Norwegen zum Skagerrak. "Für die Kommission war ein Kriterium bei den Diskussionen absolut entscheidend. Es ist die Notwendigkeit, die Bestimmungen des Handels- und Kooperationsabkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich einzuhalten und mit den wissenschaftlichen Gutachten übereinzustimmen, um die langfristige Nachhaltigkeit der Arten zu gewährleisten", sagte er auf einer Pressekonferenz. Die wissenschaftliche Grundlage sei der Eckpfeiler der Gemeinsamen Fischereipolitik, was heiße, beispielsweise den Gutachten zum maximal nachhaltigen Ertrag (MSY) zu folgen.

Parlament fordert drastische Maßnahmen zur Reduzierung von Meeresmüll

Das EU-Parlament soll am heutigen Donnerstag mehr Beschränkungen für Einwegplastik und nachhaltige Materialien speziell für Fischfanggeräte fordern, um die Vermüllung der Meere zu reduzieren. In einem Initiativbericht der Berichterstatterin und Ex-Wettkampfseglerin Catherine Chabaud (Renew, Frankreich), wird betont, dass Meeresmüll, insbesondere Mikro- und Nanoplastik, "eine ernsthafte Bedrohung für eine Reihe von Meerestierarten" sowie für Fischwirtschaft und Verbraucher*innen darstellt. So nehme ein durchschnittlicher Verbraucher von Meeresfrüchten aus dem Mittelmeer jedes Jahr etwa 11.000 Plastikfragmente zu sich. Schätzungen zufolge verliere der Fischereisektor zwischen einem und fünf Prozent seiner Einnahmen durch die Meeresverschmutzung. Der Fischereisektor sollte die Kreislaufwirtschaft ankurbeln, indem er Plastik sammelt, recycelt, upcycelt und ein besseres Design für Fanggeräte findet, so der Bericht. Fischerei- und Aquakulturabfälle machten 27 Prozent des Meeresmülls aus. Nur 1,5 Prozent der Fanggeräte würden derzeit recycelt. Bei der Vorstellung ihres Berichts forderte Chabaud die Kommission und das Parlament auf, echte Lösungen im Kampf gegen Meeresmüll und zum Schutz des Ozeans zu finden.

Das Parlament stimmte mit großer Mehrheit - 646 Ja-Stimmen, 3 Gegenstimmen und 39 Enthaltungen - für den Chabaud-Bericht. Fischerei- und Aquakultursektor müssen aus Sicht des Parlaments mehr Abfälle einsammeln und mehr recyceln, die Verwendung von Styropor in der Fischerei sollte schrittweise eingestellt werden und es sei ein EU-Aktionsplan zur Säuberung verschmutzter Flüsse und Mündungsgebiete erforderlich. Denn 80 Prozent des Meeresmülls stamme vom Land. [jg]

Pressemitteilung Ergebnisse Agrifish-Rat 22./23.03.2021

Pressestatement EU-Umweltkommissar

Briefing zur Abstimmung über den Initiativbericht zu Meeresmüll

Pressemitteilung: Parlament fordert drastische Maßnahmen zur Minderung der Abfälle im Meer