Naturschutz & Biodiversität

Mehr Bodenschutz in alle Politikbereiche!

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Der Handlungsbedarf in Deutschland und Europa ist "riesig, augenfällig und überfällig", meint ein Bündnis aus Umweltbehörden, Wissenschaft und Verbänden, das sich für langfristigen Bodenschutz und Biodiversität einsetzt. Ein Bericht der Weltnaturschutzunion IUCN belegt, dass die Pflege der Bodenbiodiversität die Erträge in der Landwirtschaft erhöhen kann.

Rahmenbedingungen für Bodenschutz verbessern, Vitalität erhalten

"Landwirtschaft und Biodiversität brauchen gesunde Böden" - so einfach lässt sich die Tatsache auf den Punkt bringen, dass Felder, Wiesen und Wälder - und damit auch das menschliche Leben - von den elementaren Naturgrundlagen Wasser und Boden abhängig sind. Die Kommission für Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesverband Boden (BVB), die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG), das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, der WWF Deutschland und die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fordern, dass EU-Agrarmittel anders verteilt und langfristig eine EU-Bodenrahmenrichtlinie als verbindlicher Rechtsrahmen diskutiert werden. Das Bündnis will, dass die laufenden politischen Prozesse in Deutschland und Europa dahingehend aufeinander abgestimmt werden: Das betreffe zum Beispiel das Aktionsprogramm Insektenschutz, die Ackerbaustrategie, die Pestizidreduktionstrategie, die Zukunftskommission Landwirtschaft, die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau sowie die naturschutzgerechte Ausgestaltung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik. 

"Der bislang vernachlässigte Schutz der Bodenbiodiversität, der kontinuierliche Humusaufbau und die Regeneration der Ökosystemleistungen des Bodens insgesamt müssen stärker als bisher in den Fokus rücken. Der langfristige Erhalt des Bodenlebens und der Bodenfruchtbarkeit müssen Vorrang vor kurzfristigen landwirtschaftlichen Produktivitätssteigerungen haben. Der Handlungsbedarf ist riesig, augenfällig und überfällig."

Bündnis für mehr Bodenschutz

Die zur Verfügung stehenden Mittel der Europäischen Agrarpolitik (GAP), derzeit pro Jahr über 50
Milliarden Euro für die ganze Europäische Union, müssten so verteilt werden, dass eine an Standorte angepasste Bodenbewirtschaftung, eine größere Fruchtfolgevielfalt, eine ganzjährige
Bodenbedeckung erreicht und der Einsatz von Pestiziden sowie von Mineral- und Wirtschaftsdünger
reduziert werden können, schreibt das Bündnis. Dazu gehöre auch die Schaffung dauerhafter Gehölzstrukturen in ausgeräumten Agrarlandschaften sowie die Erhöhung des Waldanteils in waldarmen Regionen. Langfristig sollte auch die Diskussion um eine EU-Bodenrahmenrichtlinie wieder
aufgenommen werden, um einen wirksamen und verbindlichen Rechtsrahmen für alle Staaten der
EU sicherzustellen, wie dies die EU-Wasserrahmenrichtlinie bereits für den Gewässerschutz leiste.

Erderhitzung und Extremwetterereignisse gefährdeten die Vitalität und Substanz der Böden
weltweit. Bodenabtrag, Bergbau, Überbauung, Verdichtung, Versauerung und der übermäßige
Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden setzen den Böden und den in ihm lebenden
Bodenorganismen massiv zu. Dass es noch viel zu tun gibt in puncto Bodenschutz, zeigen auch die Daten des Europäischen Bodendatenzentrums (European Soil Data Centre, ESDAC) (EU-News 06.08.2020).

IUCN: Durch Bewahrung der Bodenbiodiversität lässt sich Produktivität "erheblich steigern"

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat in einem neuen Bericht gezeigt, dass sich durch den Schutz der Böden und ihrer biologischen Vielfalt die Erträge in der Landwirtschaft erheblich steigern lassen. Ein jährlicher Anstieg des Kohlenstoffgehalts landwirtschaftlicher Böden - ein wichtiger Indikator für die  Bodenbiodiversität - um nur 0,4 Prozent, könne in den nächsten 30 Jahren die weltweite Produktion der drei Hauptkulturen Mais (um bis zu 23,4 Prozent), Weizen (bis zu 22,9 Prozent plus) und Reis (sogar um bis zu 41,9 Prozent) pro Jahr steigern. Es gebe ein großes Potenzial für eine breite Anwendung wirklich nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken, die den Bedarf an Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Fasern und Energie decken können. Diese könnten zur Ernährungssicherheit, Wasserversorgung, Klimaregulierung und anderen Zielen beitragen und Fortschritte bei der Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung und anderer internationaler Ziele für Klimawandel, biologische Vielfalt und den Stopp von Bodendegradation unterstützen. [jg]

Gemeinsame Pressemitteilung des Bündnisses für Bodenschutz und Biodiversität

IUCN-Pressmitteilung sowie zugehöriger Report