Landwirtschaft & Gentechnik

Mehr Gentechnik im Namen des Handels?

Zivilgesellschaftliche Verbände befürchten, dass die EU in Handelsgesprächen mit den USA einen vereinfachten Zulassungsprozess für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) anbietet. In einem offenen Brief an die EU-Kommission fordern 74 Organisationen strengere Regeln für die Zulassung.

Die Risikobewertung und Prüfung gentechnisch veränderter Lebensmittel sei „nicht verhandelbar“, schreiben die Organisationen. Bestehende Regelungen der EU, die vor den Auswirkungen von GVO schützen sollen, dürften nicht dem Abbau „regulatorischer Handelshemmnisse“ zum Opfer fallen. Medienberichten zufolge sei dies jedoch Bestandteil der laufenden Verhandlungen mit Vertreter*innen der US-Regierung.

Bereits das bestehende Zulassungsverfahren leide unter einer schwachen wissenschaftlichen Basis und undemokratischen und intransparenten Prozessen, schreiben die Organisationen, darunter Friends of the Earth Europe, Greenpeace, Forum Umwelt und Entwicklung und LobbyControl. Eine Aufweichung könne deshalb nicht in Frage kommen. Stattdessen müsse die EU sicherstellen, dass GVO aus neuen gentechnischen Verfahren nicht zugelassen werden und Verbraucher*innen Informationen über die Verwendung von GVO in der Produktion von Lebensmitteln erhalten. Grundsätzlich sei es zudem dringend nötig, den Zulassungsprozess demokratischer zu gestalten.

Anfang des Jahres hatten Wissenschaftler*innen bereits darauf hingewiesen, dass wirtschaftliche Interessen bei der Risikobewertung von GVO in der EU stärker berücksichtigt würden als mögliche Schäden der menschlichen Gesundheit und der Umwelt (siehe EU-News vom 28.01.). [km]

Offener Brief bei Friends of the Earth Europe

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