Wasser & Meere

Überfischung und Klimaschutz: EU soll wissenschaftlichem Rat folgen

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Die Deutsche Umwelthilfe und die Initiative Our Fish haben am Mittwoch dem EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius Unterschriften von 309 Meeres-, Klima- und Naturforscher*innen übergeben. Gemeinsam fordern sie einen Stopp der Überfischung noch in diesem Jahr.

Die Fangquoten müssten sich an wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren, nicht zuletzt, weil gesunde Meeresökosysteme für deren Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel unerlässlich seien. Die Unterschriften sollen auch noch an die EU-Fischereiminister*innen übergeben werden, die in den kommenden Wochen über die Fangmöglichkeiten für 2021 in Ostsee, Schwarzem, Meer, Mittelmeer und Atlantik entscheiden werden. Die EU hatte sich selbst zum Ziel gesetzt, die Überfischung bis Ende 2020 zu stoppen.

Noch im Juni analysierte die EU-Kommission in ihrer jährlichen Mitteilung über die Fortschritte bei der Bewirtschaftung der Fischbestände: "Trotz erheblicher Verbesserungen steht der Sektor weiterhin vor einigen Herausforderungen". Für eine ökologisch nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Fischerei müssten sowohl im Mittelmeer als auch im Schwarzen Meer "umfangreiche Erhaltungsanstrengungen" unternommen werden; im Atlantik seien einige Bestände überfischt, andere lägen außerhalb sicherer biologischer Grenzen (EU-News 18.06.2020).

Im Juli wurden erschreckende Dimensionen illegaler Fischerei im Mittelmeer aufgedeckt (EU-News 16.07.2020). Noch bis 31. August lief eine öffentliche Konsultation zu den Fangquoten im Mittel- und Schwarzen Meer (EU-News 18.08.2020). Vor kurzem hat die EU-Kommission Fangquoten für die Ostsee vorgeschlagen (EU-News 01.09.2020). Umwelt- und Meeresschutzverbände kritisieren seit Jahren die Überschreitung der wissenschaftlichen Empfehlungen bei der Festlegung von Fangquoten durch EU-Institutionen.

Oceana: Brexitverhandlungen müssen zu nachhaltigem Fischereiabkommen führen

Derweil fordert die Organisation Oceana, dass die Verhandlungsrunden zwischen Großbritannien und der EU endlich zu Fortschritten führen müssten. In den britischen Gewässern fischen nicht nur die Briten, sondern auch viele EU-Mitgliedstaaten. Oceana-Sprecherin Melissa Moore sagte: "Der gegenseitige Zugang zu Märkten und Gewässern muss von Nachhaltigkeit abhängig gemacht werden. Ein Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU muss Verpflichtungen zur Beendigung der Überfischung und zur Wiederherstellung der Fischbestände enthalten, indem auf einem Niveau gefischt wird, das nicht über den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt. Auch Fischereipraktiken, die unsere marinen Ökosysteme und Schutzgebiete schädigen, sollten nicht zugelassen werden." Im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) habe es zumindest einige Fortschritte bei der Verringerung der Überfischung gegeben. Aber in diesem Herbst müssen die Fischereiregeln für 2021 vereinbart werden, das erste Jahr, in dem das Vereinigte Königreich nach dem Brexit nicht mehr den Regeln der GFP unterliegen wird.

Über den Fortgang der Brexit-Verhandlungen lässt sich augenblicklich kaum etwas Positives sagen. Im Gegenteil redet der britische Premier Boris Johnson offen über einen Rechtsbruch und die Nichteinhaltung des Brexit-Abkommens, sollte das zurzeit diskutierte Handelsabkommen nicht zu seiner Zufriedenheit ausfallen (Berichterstattung siehe u.a. EU-Info).

Am heutigen Donnerstag soll es deshalb ein physisches Krisentreffen zwischen EU-Vizekommissionspräsident Maroš Šefčovič and dem britischen Kabinettsminister Michael Gove in London geben. [jg]

Pressemitteilung DUH: Mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verlangen Ende der Überfischung zum Schutz des Klimas

Ocena: 115 days before the cliff edge, post-Brexit fishing rules still up in the air.

Politico: Emergency meeting of EU-UK Joint Committee to take place Thursday