Wasser & Meere

Verbändeprotest gegen Wasserdurst der Kohleindustrie

Zum Weltwassertag der Vereinten Nationen gab es weltweit zahlreiche Aktivitäten. In Europa beklagten Umweltverbände Wasserverbrauch und -verschmutzung durch die Kohleindustrie. Auf UN-Ebene wurde der "Wert des Wassers" diskutiert. Deutschland lädt zum Dialog und Ende Juli zu einer Wasserkonferenz. Der NABU beklagt Wasserverschmutzungen von der Quelle bis zum Meer und fordert ein Umdenken in der Gewässerpolitik. Das Forum Umwelt und Entwicklung fordert ein Ende der kleinen Wasserkraft, beklagt Folgen von Großstaudämmen und warnt vor Wasserknappheit durch Klimawandel und industrielle Landwirtschaft. Das Umweltbundesamt kümmert sich in Zukunft vermehrt um Spurenstoffe im Abwasser.

„Big coal drains water and skip the bills“

Das Europäische Umweltbüro forderte mit anderen Verbänden die Einhaltung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Besonders harsche Kritik erntete die Kohleindustrie. In Tschechien, Deutschland und Polen „entziehen, verdrängen und verschmutzen Kohlekonzerne #Wasser zum Nulltarif, während Mensch und Natur die Zeche zahlen“ twitterte der europäische Umweltdachverband. Das sei nicht nur unfair, sondern nach EU-Recht auch illegal.

Der Energiesektor sei der größte Wasserverbraucher in der EU, argumentierte das EEB. Allein in den drei genannten Ländern Tschechien, Deutschland und Polen verbrauche die Kohleindustrie im Durchschnitt sechsmal mehr Wasser als die Haushalte; aber während die Menschen zwischen 2,75 und 5,50 Euro für einen Kubikmeter Trinkwasser bezahlen, zahlten Kohleunternehmen reduzierte Gebühren (teils bis zu 100-mal weniger) oder gar nichts. Der deutsche Braunkohlebergbau entnehme jährlich eine Milliarde Kubikmeter Wasser, was dem 5-fachen des Wasserverbrauchs der Stadt Berlin entspreche. Durch den Kohleabbau im tschechischen Turów sei der Grundwasserspiegel in der Region um mehr als 100 Meter gesunken, mit Auswirkungen über die tschechische und deutsche Grenze hinweg. Der Abbau und die Verarbeitung von Kohle verschmutzten umgebende Gewässer darüber hinaus auch mit Eisen, Sulfaten und Quecksilber. Mit einem Video forderte das EEB die EU auf, dafür zu sorgen, dass die Wasserrahmenrichtlinie eingehalten wird.

Tschechische, deutsche und polnische Behörden müssten die Subventionierung von Kohlekonzernen beenden und die Gewässer endlich besser schützen. Die Millionen Euro, die den Konzernen für die Wasserrechnungen geschenkt würden, sollten besser für die Eindämmung der Wasserverschmutzung und die Sanierung der von der Kohleindustrie belasteten Flüsse, Seen und des Grundwassers verwendet werden, so das EEB.

"Der globale Wasserverbrauch hat sich in den vergangenen 100 Jahren versechsfacht und nimmt weiterhin zu, um etwa 1 Prozent pro Jahr. Der Klimawandel erhöht die Unsicherheit bezüglich der Wasserverfügbarkeit und führt zu einer Zunahme von Extremereignissen wie Dürren oder Hochwasser. Immer mehr Gewässer und Grundwasservorkommen sind verschmutzt und lassen sich nur noch mit hohem Aufwand für die Versorgung nutzen. Nutzungskonkurrenzen und -konflikte nehmen zu, die Benachteiligung einzelner Bevölkerungsgruppen beim Zugang zu Wasser- und Sanitärversorgung verstärkt sich dadurch."

Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums: Schulze lädt Staatengemeinschaft und globale Wasserakteure zu Ministerkonferenz

Globale Wasserdialoge sollen Resultate bringen

Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat die Staatengemeinschaft zu einem weltweiten Dialog zur Zukunft der Wasserversorgung aufgerufen. Um das Ziel einer sicheren Wasserversorgung für alle Menschen zu erreichen und eine globale Wasserkrise abzuwenden, müssten erhebliche zusätzliche Bemühungen angestrengt werden. Die Bundesregierung habe im Rahmen der UN-Wasserdekade 2018-2028 den Dialogprozess „Bonn 2021 – Water Dialogue for Results“ initiiert. Zu dessen Abschluss wird es am 1. Juli eine internationale Ministerkonferenz geben. Das Ziel sei „ein abgestimmtes Vorgehen zur schnelleren Umsetzung der wasserbezogenen Ziele der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung“. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York hatte dazu im März Mitgliedstaaten, internationale Organisationen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft geladen (siehe Randspalte). Die UNO meldet beängstigende Zahlen: 2,2 Milliarden Menschen haben zurzeit keinen Zugang zu sauberem und durchgängig verfügbarem Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen könnten keine sicheren Sanitäranlagen nutzen.

Ökologischen Zustand von Ost-und Nordsee schon an der Quelle beachten

Der NABU hat anlässlich des Weltwassertags eine umweltfreundliche Gewässerpolitik von der Quelle bis zum Meer gefordert und besonders das Missmanagement des Hamburger Hafens und die Gefahr des verdreckten Grubenwassers aus dem Erzgebirge angeprangert, das die Elbe und das Wattenmeer gefährde. Der Zustand der Meere hänge eng mit den Aktivitäten am und im Fluss zusammen – „falsche Entscheidungen können ganze Ökosysteme ins Wanken bringen“, mahnte die Organisation. Der NABU sorge sich auch um Deutschlands Mündungsbereiche und forderte eine bessere Politik für Elbe, Ems und Oder. Sie seien die Lebensadern ganzer Regionen und wirkten sich positiv wie negativ auf den Zustand der Nord- und Ostsee aus.

Oder-Ausbau stoppen!

Naturschutzverbände und Umweltbewegungen, Vertreter*innen aus Wissenschaftl und Parlamenten aus ganz Polen und Deutschland haben eine gemeinsame grenzüberschreitende Erklärung veröffentlicht, um die Oder vor dem Ausbau für die Binnenschifffahrt unter dem Vorwand des Hochwasserschutzes zu schützen. Die Erklärung richtet sich an die Regierungen Deutschlands und Polens sowie an die Weltbank, die Entwicklungsbank des Europarates (CEB) und die Europäische Kommission, die aus Sicht der zahlreichen Unterzeichner*innen gegen das europäische Umwelt- und Naturschutzrecht verstoßen. Die EU-Kommission müsse sicherstellen, dass mit europäischen Geldern finanzierte Maßnahmen den Europäischen Green Deal und die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 nicht untergraben. Denn genau das drohe bei der Umsetzung des Ausbaus der Oder für die Binnenschifffahrt in Deutschland, Polen und Tschechien. Die Oder als einer der letzten großen, naturnahen Flüsse in Europa dürfe nicht ausgebaut werden. Auch der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring unterstützt die Erklärung.

Gegen kleine Wasserkraft, Großstaudämme und die Übermacht von Industrie und Landwirtschaft

Mehr Anstrengung für Wahrung des Menschenrechts auf Wasser und die Bewahrung des kostbaren Gemeingutes hat das Forum Umwelt & Entwicklung gefordert. Die knappen Süßwasserressourcen und die mit ihnen verbundenen Ökosysteme würden überall auf der Welt übernutzt, verschmutzt und zerstört. Die Klimakrise verschärfe mit zunehmenden Wetterextremen die globale Wasserkrise massiv und bringe Ökosysteme und damit die Lebensgrundlagen für Mensch und Natur zusätzlich in Gefahr. Konflikte um die Nutzung von Wasser dürften zunehmen, warnen die im Forum vernetzten Organisationen. Auch die Nutzung von Wasserkraft ist den Verbänden ein Dorn im Auge. Sebastian Schönauer, Sprecher des Arbeitskreises Wasser im BUND und Mitglied im DNR-Präsidium, warnte: „Wasserkraftwerke zerstören unsere Flussökosysteme. Millionen von Stauwehren gehören zu den Hauptverursachern des globalen Artensterbens und bedrohen unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Die Ziele des Natur- und Gewässerschutzes sind Grundlagen für einen nachhaltigen Klimaschutz und dürfen nicht einer marginalen Erzeugung von Strom geopfert werden.“
Auch anderenorts richteten Bauwerke an Flüssen großen Schaden an. „In Amazonien tragen Großstaudämme zur Vernichtung der grünen Lunge des Planeten und zur Vertreibung der indigenen Bevölkerung bei,“ hob Michael Bender, Leiter der GRÜNE LIGA Bundeskontaktstelle Wasser hervor. „Auf dem Balkan bedrohen Hunderte von Kleinwasserkraftwerken die letzten nahezu unberührten Wildflüsse Europas.“ Gertrud Falk, Referentin bei FIAN Deutschland, betonte, dass „insbesondere viele kleinbäuerliche Familien beim verschärften Wettbewerb um Wasser leer auszugehen drohen, während die Cash Crops der industriellen Exportlandwirtschaft intensiv bewässert werden. Fast 90 % des weltweiten Wasserverbrauchs geht auf das Konto von industrieller Landwirtschaft, Bergbau und Schwerindustrie.“

"Denn der beste Ansatz ist, dass Spurenstoffe gar nicht erst ins Abwasser gelangen. Dafür muss man schon bei der Herstellung und der Anwendung von Produkten ansetzen."

Umweltbundesamt, Pressemitteilung zum Weltwassertag

Neues Bundeszentrum soll Chemikalieneintrag reduzieren helfen

Um Chemikalien in Gewässern zu reduzieren, nimmt in Leipzig das neue Bundeszentrum für Spurenstoffe beim Umweltbundesamt (UBA) die Arbeit auf. Nach einer Pilotphase zur Spurenstoffstrategie habe sich ein 15-köpfiges Expertengremium bereits einige relevante Spurenstoffe vorgenommen; für drei von diesen belastenden Chemikalien seien Runde Tische eingerichtet worden, um Minderungsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Weitere Runde Tische sollen in den kommenden Monaten folgen, meldet das Bundesumweltministerium zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA). Darüber hinaus hätten die Länder zahlreiche Kläranlagen identifiziert, bei denen eine 4. Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination sinnvoll sein könne. Täglich werde von der Gesellschaft eine Vielzahl verschiedener Chemikalien eingesetzt, von Tier- und Humanarzneimitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln, Bioziden im Haushalts-, Gesundheits- und Baubereich über Industriechemikalien bis zu Pflanzenschutzmitteln und weiteren Chemikalien. Wie viele Stoffe das sind, sei weder bekannt noch konstant, da tägliche neue Verbindungen entwickelt würden. Zwar seien im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung REACH derzeit etwa 22.000 verschiedene Chemikalien registriert, allerdings umfasse diese Zahl keine Biozide, Pflanzenschutzmittel und Arzneimittel. In den Gewässern würden diese Stoffe zwar nur in geringen Konzentrationen von Nano- bis Milligramm nachgewiesen, könnten aber dennoch für die Trinkwasserversorgung eine Herausforderung darstellen oder die Wasserbewohner schädigen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Gewässerökosysteme.

Es bleibt zu hoffen, dass es nicht mehr allzu vieler Weltwassertage bedarf, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Abwässern, ökologisch gesunde Wasserkreisläufe und einen gerechten Um- und Zugang zu Trinkwasser zu erreichen. [jg]

YouTube-Beitrag „Big coal drains water and skip the bills“

BMU-Pressemitteilung: Weltwassertag: Schulze lädt Staatengemeinschaft und globale Wasserakteure zu Ministerkonferenz

DNR-Pressemitteilung: Verbände, Wissenschaftler und Politiker fordern die Einstellung der Ausbaupläne an der Oder sowie Erklärung

NABU-Pressemitteilung: NABU fordert neue Gewässerpolitik

Forum Umwelt & Entwicklung Pressemitteilung: Wert des Wassers misst sich nicht am Preisschild!

UBA-Pressemitteilung: Weltwassertag: Chemikalien in Gewässern reduzieren