Naturschutz & Biodiversität

Waldverluste und die Rolle der EU bei der Entwaldung

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Laut einer neuen WWF-Studie nehmen Waldbrandgefahren und die Entwaldung des Amazonasgebietes in einem erschreckenden Maße zu. Die Zahl und Größe der Waldbrände nähmen verheerend zu. Bereits 2019 war ein trauriges Rekordjahr, aber schon im April 2020 hatten die Waldbrandwarnungen das Ausmaß um 13 Prozent getoppt. Ursachen seien die Dürren, der Klimawandel und die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft. Für 75 Prozent aller Waldbrände sei der Mensch verantwortlich.

Die Entwaldung des Amazonasgebietes habe stetig zugenommen, von August 2019 bis Juli 2020 nochmal um 33 Prozent als im gleichen Zeitraum der zwölf Monate zuvor. Allein im Juli sei die Anzahl der Brände im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der steigenden Zahl illegaler Entwaldung um 28 Prozent gestiegen. Die EU ist nach China der zweitgrößte Markt für risikoreiche Rohstoffe wie Soja und Rindfleisch, für die große landwirtschaftliche Flächen (brand)gerodet würden.

Die Waldpolitikexpertin im WWF-Europabüro Anke Schulmeister-Oldenhove forderte: "Die EU muss sich ihrem Teil der Verantwortung für die Amazonasbrände und die Entwaldung weltweit stellen. Wir importieren Produkte wie Soja und Rindfleisch aus Brasilien. Die Ausweitung der Landwirtschaft für solche Produkte schürt derzeit die Entwaldung und Brände im Amazonasgebiet, aber auch die Zerstörung anderer unberührter Natur wie des Cerrado. Die Verbraucher in der EU müssen sicher sein, dass die Produkte, die sie kaufen, nicht mit Entwaldung und Waldbränden in Verbindung stehen: Wir brauchen ein neues, starkes EU-Recht, um dies zu erreichen."

Die Europäische Kommission werde in den kommenden Wochen eine öffentliche Konsultation zu einem neuen EU-Gesetz zur Entwaldung einleiten. Dies sei eine wichtige Chance, den Abholzungsfußabdruck der EU zu verändern und die Rolle der EU bei Waldbränden im Ausland drastisch zu verringern, so der WWF.

Schutz der Wälder weltweit

Zum globalen Waldschutz gibt es eine Mitteilung der EU-Kommission vom Juli 2019 (COM(2019) 352 final): "Intensivierung der EU-Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder in der Welt". Der Landwirtschaftsrat hatte sich im Dezember 2019 dazu geäußert (EU-News 17.12.2019).

Als Antwort auf die Mitteilung der Kommission hatte der Umweltausschuss des EU-Parlaments einen eigenen Initiativbericht verfasst. Zu den 25 ausgehandelten Punkten gehört die Aufforderung an die Kommission, unverzüglich einen Vorschlag für einen verbindlichen europäischen Rechtsrahmen auf der Grundlage der Sorgfaltspflicht vorzulegen, um eine nachhaltige und entwaldungsfreie Lieferkette für Produkte zu gewährleisten, die auf den EU-Markt gebracht werden. Der Bericht von Stanislav Polčák (EVP, Tschechien) wurde mit großer Mehrheit angenommen (EU-News 09.07.2020).

Entwaldungsfreie Lieferketten

Parallel gibt es einen eigenen Initiativbericht des EU-Parlaments zu entwaldungsfreien Lieferketten. Berichterstatterin Delara Burkhardt (Deutschland, S&D) hat ihren Entwurf Mitte Juni vorgelegt und hofft, dass dieser Ende Oktober die Zustimmung im Plenum des Europäischen Parlaments findet. Die EU-Kommission wird darin aufgefordert, Anfang 2021 ein entsprechendes Gesetz vorzuschlagen.

Außerdem erwartet: die EU-Forststrategie

Laut Biodiversitätsstrategie will die EU die Quantität, Qualität und Widerstandsfähigkeit ihrer eigenen Wälder verbessern: Die Kommission will 2021 eine spezielle EU-Forststrategie vorschlagen sowie neue Nachhaltigkeitskriterien für die energetische Nutzung forstwirtschaftlicher Biomasse ausarbeiten. Bis 2030 sollen in der EU mindestens drei Milliarden neue Bäume gepflanzt werden.

Hintergrund

Im Juni forderten Unternehmen zusammen mit der Weltnaturschutzunion IUCN, global und in der EU mehr für den Naturschutz zu tun, da Abholzung zunehmend auch Gesundheitsprobleme verursache (EU-News 18.06.2020). Anfang Juli hatte eine Studie ergeben, dass zwischen 2016 und 2018 ein "abrupter Anstieg" der Abholzung in Europa festzustellen war. Euronatur hat über Hunderttausend Unterschriften zum Schutz rumänischer Urwälder übergeben. Die Waldschutzorganisation FERN forderte "Biodiversität zuerst" (EU-News 02.07.2020). [jg]

WWF-Pressemitteilung zur Studie: Forest fire emergency demands ambitioous EU acton now
Hintergrund: FERN zu den guten Gründen für ein EU-Gesetz zum weltweiten Waldschutz