Bericht

Demo Wir haben es satt - Agrarwende anpacken

Am Samstag findet zum 10. mal die Demonstration statt, die sich eine enkeltaugliche Landwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Die Hauptforderungen in diesem Jahr sind: die Agrarwende (Höfesterben und Insektensterben beenden), Verhinderung des EU-Mercosur-Abkommens, Stopp der weiteren Technologisierung in der Agrarindustrie (gegen Neue Gentechnik, für fairen Saatgutzugang, gegen Pestizide und Kunstdünger).

100 Organisationen rufen zur Demo am kommenden Samstag auf. Sie sehen in diesem Jahr eine große Chance, in der EU-Agrarpolitik die Zeichen auf Zukunft zu stellen. Bei der Pressekonferenz am Montag erging daher ein Appell an die Bundesregierung, eine nachhaltige Landwirtschaft zu forcieren: Am 1. Juli übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft und hat dadurch die Möglichkeit die Agrarwende anzuschieben - gegen das Höfesterben, für mehr Platz in den Ställen und auf den Weiden und damit für Klimaschutz. Immerhin gibt es hier fast 60 Milliarden Euro zu verteilen.

Saskia Richartz, Sprecherin von "Wir haben es satt", betont die Bereitschaft seitens der Demo-Organisation, mit Vertretern von Land schafft Verbindung zu sprechen, und hofft, dass es vor und nach der Demo dazu Gelegenheit geben wird.

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bietet den Dialog an. "Bündnispartner der Landwirte ist die Gesellschaft", betonte Georg Janßen von der AbL mit Blick auf die Demo. Dafür müssten alle Verantwortlichen an einen Tisch. "Wir sind bereit, bis 2035 umweltschonenden Ackerbau und artgerechte Tierhaltung zu betreiben." Allerdings müsse die Politik endlich wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen für die Bäuerinnen und Bauern schaffen. Das heißt faire Preise - etwa durch ein Werbeverbot für Dumpingpreise -, fairer Handel, aber auch Regelungen, dass nicht weiter Ackerflächen an außerlandwirtschaftliche Investoren veräußert werden.

Einen interessanten Ansatz stellte Nicolas Barthelmé von der Initiative "Du bist der Chef! Die Verbrauchermarke" vor. In Frankreich funktioniert diese gemeinsame Verantwortung von Verbraucherinnen und Verbrauchern für Bauernhöfe bereits mit zahlreichen Produkten. Interessierte wählen auf der Webseite www.dubisthierderchef.de ein Produkt aus, beantworten den entsprechenden Fragebogen und entscheiden über relevante Produktmerkmale wie Herkunft, Produktionsprozess, Vergütung für die Landwirte, Qualität und Verpackung. Ist eine ausreichende Zahl an Antworten zusammengekommen, stellt die Initiative diese als Empfehlung der Verbraucher zusammen und sucht Partner (Landwirte, Hersteller und Händler) aus, die sie bei Produktion und Vermarktung unterstützen und begleiten können. Ziele sind Mitbestimmung und Transparenz und faire Preise.

Gastreden zum Auftakt der Demonstration halten Vandana Shiva, Umweltaktivistin aus Indien, und Antônio Andrioli, Agrarexperte aus Brasilien, sowie bei der Abschlusskundgebung Tilman von Samson, Fridays for Future. Für den DNR spricht Vizepräsidentin Undine Kurth über die Gefahren Neuer Gentechnik. [mbu]

Infos zur Demo
Verbraucherinitiative Du bist der Chef