Leitantrag des DNR-Präsidiums: Umwelt-, Natur- und Tierschutzpolitik für eine zukunftsfähige Menschenzeit

Unbeachtet unserer Erfolge im Umwelt-, Natur- und Tierschutz überschreiten wir eine planetare Belastungsgrenze nach der anderen. Die damit einhergehenden Herausforderungen überschreiten die Grenzen klassischer Umweltpolitik. Der Deutsche Naturschutzring wird sich mit seinen Mitgliedsverbänden dieser Herausforderungen annehmen und Umwelt-, Natur- und Tierschutzbelange gezielt in Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik einbringen. Wir wollen, dass das Anthropozän zu einer zukunftsfähigen Epoche wird.

Wir Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbände haben in den letzten Jahrzehnten viel erreicht: Wir haben die Zahl der Schutzgebiete in Deutschland ausgeweitet, den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert und den Ausstieg aus der Atomenergie wiederholt durchgesetzt. Wir haben es geschafft, Umwelt-, Natur- und Tierschutzpolitik als ‚Zukunftspolitik’ zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Debatte werden zu lassen.

Gleichzeitig erleben wir jedoch, wie wir in Deutschland eine planetare Belastungsgrenze nach der anderen überschreiten: Der Artenschwund nimmt auch in Deutschland dramatische Ausmaße an, der Flächenverbrauch ist viel zu groß, Stickstoff und Phosphat belasten unsere Böden und Gewässer und wir haben noch keine Antworten auf das bevorstehende Ende des fossilen Zeitalters gefunden.

Doch die Beobachtungen gehen weiter: Seit Beginn der Industrialisierung sind so viele neuartige Mineralien in so kurzer Zeit in Umlauf gekommen wie seit Jahrmilliarden nicht; der Stickstoffeintrag in der Biosphäre durch Dünger ist in der Erdgeschichte ohnegleichen. Würden alle Menschen auf der Erde leben, wie wir, hätten wir nicht nur drei von den neun planetaren Grenzen überschritten, sondern alle neun.