Landwirtschaft & Gentechnik

Agrochemiefusion noch nicht ganz genehmigt

13.04.2017

 

 

Die Kartellbehörde in Mexiko will der Übernahme des Schweizer Saatgut- und Pestizidkonzerns Syngenta durch das chinesische Agrochemieunternehmen ChemChina erst zustimmen, wenn Syngenta auf die Herstellung von fünf Produkten verzichtet. Dadurch solle der Wettbewerb gewahrt bleiben. 

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die europäischen und amerikanischen Wettbewerbshüter grünes Licht für die geplante Fusion gegeben hatten. Die EU-Kommission in Brüssel stimmte daraufhin dem 43 Milliarden Dollar-Geschäft zu.

Auch seitens der Kommission ist die Firmenübernahme an Bedingungen geknüpft: ChemChina muss wesentliche Teile des europäischen Pestizidgeschäfts seines Tochterunternehmens Adama veräußern. Auf allen Märkten mit problematischen Überschneidungen werde ChemChina entweder die Produktsparte von Adama oder die betreffende Sparte von Syngenta verkaufen, hieß es in Brüssel.

Die beiden Unternehmen versicherten nach eigenen Angaben, Wahlfreiheit und Innovation für Landwirte in Europa und weltweit sicherzustellen. Umweltverbände sehen dies mit Skepsis. So befürchten etwa Friends of the Earth Europe (FoEE) Schaden für Bauern, Verbraucher und die Umwelt, wenn Großkonzerne die Lebensmittesversorgung der Welt übernähmen.

Auch deutsche Vertreter der Zivilgesellschaft kritisieren die Zustimmung der EU-Wettbewerbsrechtkommissarin Margrethe Vestager zur Mega-Fusion: "Es muss ein Ende der Giganten-Hochzeiten geben. Kaum ein Markt ist jetzt schon so konzentriert wie der globale Saatgut- und Pestizidmarkt.Schon heute kontrollieren die großen sechs Konzerne– Monsanto, Syngenta, Bayer, DuPont, Dow und BASF – rund 70 Prozent des globalen Agrarchemiemarktes und über 60 Prozent des Saatgutmarktes", sagte Jürgen Maier, Geschäftsführer vom Forum Umwelt und Entwicklung.

Ein Bündnis aus 24 Nichtregierungsorganisationen und Netzwerken ruft dazu auf, das Wettbewerbsrecht schärfer zu fassen. In der Erklärung vom 6. April heißt es: „Große, international tätige Konzerne haben vielfältige Möglichkeiten, Preise für Verbraucher*innen anzuheben, Löhne zu senken und mit Patenten sowie anderen Formen geistigen Eigentums den Zugang zu landwirtschaftlichen Produktionsmitteln wie Saatgut und genetischen Ressourcen zu blockieren. Mit der Marktmacht steigt auch der direkte und indirekte Einfluss der Konzerne auf nationale und internationale Politik.“ Dem solle mit einer strengeren Fusionskontrolle und Instrumenten zur Konzernentflechtung entgegengewirkt werden. [mbu]

 

EU-Kommission zu Übernahme von Syngenta durch ChemChina

Friends of the Earth Europe zur geplanten Fusion

Forum Umwelt und Entwicklung: Aufruf zur strengeren Fusionskontrolle