Landwirtschaft & Gentechnik

Zehn Jahre länger Vergiftung durch Glyphosat?

18.05.2017

Die EU-Kommission plant, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat unter Auflagen bis 2027 zu genehmigen.

Es sei zunächst nur ein Vorschlag, über den mit den EU-Mitgliedstaaten debattiert werden solle. Man suche eine Lösung, die möglichst große Unterstützung habe, sagte eine Kommissionsprecherin.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das auch auf deutschen Äckern intensiv eingesetzte Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA und das deutsche Bundesinstit für Risikobewertung sehen das anders. Sie sind der Auffassung, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht die Kriterien erfüllten, um der Einschätzung der WHO zu folgen.

Im vergangenen Jahr hatte die Kommission die Zulassung des Ackergifts zunächst vorübergehend bis Ende 2017 verlängert. Die jetzt vorgeschlagene Verlängerung um zehn Jahre bleibt unter dem bislang debattierten Zeitrahmen von 15 Jahren.

Umweltverbände und weitere VertreterInnen der Zivilgesellschaft verlangen ein komplettes Verbot von Glyphosat. Dafür sammelt eine europäische Bürgerinitiative (EBI) derzeit Stimmen. In Deutschland tragen die DNR-Mitgliedsverbände BUND, Campact sowie das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany), das Umweltinstitut München und WeMove.EU die Aktion. Bis Ende Juni müssen eine Million Unterschriften aus sieben EU-Ländern zusammenkommen.

Der Vorschlag der Kommission sei ein Schlag ins Gesicht der 750.000 Menschen, die bereits für ein Verbot unterschrieben hätten, kritisierte der Grünen-Europaabgeordnete und agrar- und umweltpolitische Sprecher Martin Häusling. Keine der Forderungen der EBI finde sich wieder. Ein Expertengremium der Mitgliedstaaten wird nun über die Empfehlung der Kommission beraten. Häusling sprach sich dafür aus, den Vorschlag abzulehnen oder zumindest nicht so passieren zu lassen. [mbu]

EU-Abgeordneter Martin Häusling

Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat