Wasser & Meere

Balkan: Natürliche Flüsse werden Kraftwerken geopfert

01.12.2017

Das Ausmaß der Bedrohung des "blauen Herzens Europas" auf dem Balkan ist frappierend: Derzeit seien 2.796 Wasserkraftwerke geplant, 188 im Bau und 1.004 existierten bereits, melden die Umweltorganisationen Riverwatch und EuroNatur und warnen vor einem wahren "Wasserkraft-Tsunami". 

Von den geplanten Anlagen lägen 1.031 Projekte, also 37 Prozent, in hochrangigen Naturschutzgebieten (davon 118 in Nationalparks, 547 in Natura-2000-Gebieten). Da rund 9 von 10 (91 Prozent) der geplanten Anlagen eine Leistung von unter 10 Megawatt (MW) haben sollen, ist keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben. Der Schutzgebietsstatus sei also kein Schutz vor Kraftwerksbauten, kritisieren die Verbände.

Alle zwei Jahre analysieren Riverwatch und EuroNatur die Daten der zu den geplanten, im Bau befindlichen und bestehenden Kraftwerken für die gesamte Balkanregion und untersuchen, wie viele dieser Projekte in Schutzgebieten liegen. Der Vergleich mit der letzten Erhebung von 2015 zeige:

  • die Geschwindigkeit beim Bau neuer Wasserkraftwerke nimmt zu; zurzeit seien 188 Wasserkraftwerke im Bau, 2015 waren es 61;
  • Hotspots der derzeitigen Flusszerstörung sind Albanien (81 im Bau), Serbien (30), Mazedonien (22) und Bosnien und Herzegowina (19); in Slowenien, Kroatien und Montenegro wird weniger geplant und gebaut;
  • in den letzten 2 Jahren wurden etwa 160 bis 180 Anlagen fertiggestellt;
  • praktisch alle größeren im Bau befindlichen Anlagen liegen in Albanien: 10 von 13 Anlagen mit einer Leistung von 10 bis 50 MW und zwei Drittel mit einer Leistung über 50 MW;
  • der zukünftige Hotspot wird neben Albanien und Bosnien und Herzegowina vor allem Serbien sein: hier sind insgesamt über 826 Anlagen geplant.

Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ ist eine gemeinsame Initiative von EuroNatur und Riverwatch. Zusammen mit Partnern aus den Balkanstaaten versuchen sie, die wertvollsten Flüsse Europas vor der Zerstörung durch tausende geplante Wasserkraftwerke zu retten. [jg]

Pressemitteilung Riverwatch

Pressemitteilung EuroNatur