Chemie & Nanotechnologie

Aus Glyphosat-Drama gelernt?

12.04.2018

Die EU-Kommission will Zulassungsverfahren für Chemikalien in der Lebensmittelkette transparenter gestalten, indem Anträge und Studien der Industrie online veröffentlicht werden. Umweltverbänden gehen die Vorschläge nicht weit genug.

Mit dem am Mittwoch präsentierten Legislativvorschlag reagiert die EU-Kommission auf harsche Kritik an der undurchsichtigen Verlängerung der Glyphosat-Zulassung im November 2017 (EU-Umweltnews vom 28.11.2017). Damit BürgerInnen die Zulassung von Chemikalien für die Lebensmittelherstellung in Zukunft besser nachvollziehen können, sollen Studien, die als Grundlage für die Bewertung verwendet werden, bald in einem Register einsehbar sein. Auch die Risikoanalyse der Substanzen soll von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) veröffentlicht werden. In Zweifelsfällen soll die EFSA zudem eigene, durch EU-Mittel finanzierte Studien in Auftrag geben können. Die EU-Kommission will auch die Mitgliedstaaten stärker in die Zulassungsverfahren miteinbeziehen und schlägt vor, die Gremien mit weiteren ExpertInnen aus den Mitgliedstaaten zu besetzen.

Die Reaktionen auf den Vorschlag sind gemischt. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im EU-Parlament, sieht in dem Entwurf eine Chance, „für das Zulassungsverfahren von Pestiziden wirklich alle Studien zur Risikobewertung zu nutzen, auch die, die die Industrie lieber verstecken würde.“

Der Sprecher von Greenpeace Europe Mark Breddy fordert jedoch eine grundlegende Änderung der Testverfahren: „Die Kommission überspielt hier die wahren Probleme. Pestizidhersteller sollten ihre eigenen Produkte nicht selber testen dürfen. Das sollte im Regelfall die Aufgabe der EU sein – nicht nur in kontroversen Fällen."

Der Vorschlag wird nun dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten zur Diskussion vorgelegt. [km]

Kommissionsvorschlag

Pressemitteilung Martin Häusling

Pressemitteilung Greenpeace EU