Chemie & Nanotechnologie

Geleakter Entwurf zum Schutz vor Arzneimittelrückständen enttäuscht

07.06.2018

Der Strategieentwurf der EU-Kommission zum Umgang mit Arzneimitteln in der Umwelt ist vorab öffentlich geworden. Wirksame Maßnahmen für den Schutz von Umwelt und menschlicher Gesundheit sind darin nicht mehr enthalten.

In einem früheren Entwurf des Strategiepapiers hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, Umweltkontrollen landwirtschaftlicher und pharmazeutischer Unternehmen durchzuführen. Außerdem sollten medizinische Produkte bei der Zulassung auch im Hinblick auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden. Solche konkreten Gesetzesänderungen sind im aktuellen Entwurf nicht mehr zu finden.

Jutta Klasen, Leiterin des Fachbereichs Chemikaliensicherheit im Umweltbundesamt, erklärte im Interview mit dem NDR, dass der Entwurf zwar „gut zusammengestellte Problemerkennung" enthalte und Handlungsfelder aufweise, „aber es ist eben nicht benannt, wer was bis wann tun sollte und mit welchem konkreten Ziel. Das fehlt."

Arzneimittelrückstände in Böden und Gewässern können dort lebende Tiere und ganze Ökosysteme gefährden. Sie fördern außerdem die Entwicklung antibiotikaresistenter Keime, die die Behandlung von Krankheiten unmöglich machen.

Im April dieses Jahres hatten mehrere Umweltorganisationen, darunter das Europäische Umweltbüro, die Kommission in einem Brief dazu aufgefordert, gegen die Ausbreitung von Arzneimitteln in der Umwelt vorzugehen (siehe EU-Umweltnews vom 18.04.). Es wird erwartet, dass die Kommission die Strategie im Laufe dieses Monats vorstellt. [km]

NDR-Bericht

Guardian-Bericht

NGO-Brief