Chemie & Nanotechnologie

Unheilvolle Heilmittel in der Umwelt

18.04.2018

Mehrere Umweltorganisationen haben die EU-Kommission vergangene Woche dazu aufgefordert, gegen die Ausbreitung von Arzneimitteln in der Umwelt vorzugehen.

In einem Brief an den Vize-Präsidenten der Kommission Frans Timmermans brachten das Europäische Umweltbüro (EEB), die Changing Markets Foundation, Healthcare without Harm und das Pestizid Aktions-Netzwerk ihre Besorgnis über die fehlende EU-Gesetzgebung zu Arzneimittelrückständen in der Umwelt zum Ausdruck. Dies sei „angesichts der Tatsache, dass pharmazeutische Verschmutzung ein Risiko für die Umwelt und die Gesundheit von Umwelt und Menschen darstellt“, unhaltbar. Wenn Medikamente in Böden und Gewässer gelangen, können sie die dort lebenden Tiere und ganze Ökosysteme gefährden. Sie fördern außerdem die Entwicklung antibiotikaresistenter Keime, die die Behandlung von Krankheiten unmöglich machen. Der Anstieg von Antibiotikaresistenzen durch Medikamente in der Umwelt wurde von den Vereinten Nationen als eine der aktuell größten Gefahren für die öffentliche Gesundheit eingestuft.

„Es ist schockierend, dass aktive pharmazeutische Inhaltsstoffe (APIs) die einzige Chemikaliengruppe sind, deren Auswirkungen auf die Umwelt auf EU-Ebene bisher weitgehend unreguliert sind. Wir brauchen ehrgeizige und effektive regulatorische Maßnahmen, die zeitnah von der Kommission vorgeschlagen werden“, verlangt Dolores Romano, Chemicals Policy Advisor beim EEB.

Die EU-Kommission wird im Mai ein Strategiepapier über Arzneimittel in der Umwelt veröffentlichen. Nach Angaben des EEB sind darin jedoch keine neuen Gesetzesentwürfe vorgesehen. Derzeit wird außerdem die EU-Verordnung über Tierarzneimittel in der Umwelt überarbeitet. [km]

 

EEB Pressemitteilung

NGO-Brief