Chemie & Nanotechnologie

Überprüfung: stärkere Regelung von Chemikalien notwendig

04.04.2019

Die Hälfte der geprüften kommerziell genutzten Chemikalien in der EU ist im derzeitigen Gebrauch unsicher, kritisiert das Europäische Umweltbüro (EEB). Trotz bestehender Regelungen werden diese in Konsumgütern und anderen Produkten verwendet. Das zeigen Untersuchungen durch die Mitgliedstaaten der EU selbst.

Rund 22.000 Chemikalien sind für den Einsatz in Europa registriert. Die nationalen Behörden haben im März 2012 mit eingehenden Sicherheitschecks von Hunderten von Stoffen begonnen, denen gefährliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Bis Dezember 2018 wurden genauere Qualitätskontrollen an 94 Stoffen durchgeführt, von denen mit 46 fast die Hälfte (49 Prozent) in ihrer derzeitigen kommerziellen Verwendung für unsicher erklärt wurde.

Die Prüfbehörden kamen zu dem Schluss, dass in allen Fällen Schutzmaßnahmen erforderlich sind, allerdings wurden für 74 Prozent der 46 Stoffe noch keine Maßnahmen ergriffen. Dadurch ist es der Industrie weiterhin gesetzlich erlaubt, jährlich Millionen Tonnen der 46 Stoffe zu verwenden. Die daraus resultierenden Belastungen können Krebs, Fruchtbarkeitsprobleme oder andere gesundheitliche Auswirkungen sowie schwere Umweltverschmutzung verursachen.

Tatiana Santos, Leiterin der Chemikalienpolitik des EEB, sagte in einer Stellungnahme zum Bericht: „Das ist sehr beunruhigend. Millionen Tonnen gefährlicher Stoffe werden auf unsichere Weise in Produkten verwendet und gelangen in die Umwelt. Es ist klar, dass das EU-System Chemikalien zu leicht auf den Markt bringt. Unternehmen sollten viel höhere Hindernisse für den Markteintritt haben. Die VerantworungsträgerInnen müssen ihrerseits der Chemikaliensicherheit eine viel höhere Priorität einräumen. Die diesjährigen Wahlen sind eine einmalige Gelegenheit für die EU, sich ernsthaft mit dem Schutz vor chemischer Belastung zu befassen."

Das EEB fordert die Verantwortlichen unter anderem dazu auf, Namen von nicht entsprechend handelnden Unternehmen in ihren Berichten nicht mehr zu schwärzen, mehr Kontrollen durchzuführen und ihre Arbeit zu beschleunigen. [UWD/aw]

Originalartikel des EU-Umweltbüros  
EEB-Artikel mit Verlinkung zum Bericht