Wasser & Meere

Fangquotenfestlegung: Bürgerbeauftragte will Untersuchung

15.05.2019

Meist in den frühen Morgenstunden und nach langen Verhandlungen im Herbst veröffentlicht der EU-Fischereiministerrat seine Beschlüsse zu den Fangquoten für das folgende Jahr. Wie die Quoten zustandekommen, ist kaum nachzuvollziehen, zumal diese meist über den von WissenschaftlerInnen empfohlenen Werten liegen.

Nach einer Beschwerde der Umweltrechtsorganisation ClientEarth will die Europäische Bürgerbeauftragte Emily O'Reilly eine Untersuchung starten. "Die Ministertreffen in Brüssel finden hinter verschlossenen Türen statt, obwohl dort wichtige Entscheidungen für die Nachhaltigkeit der Fischbestände und Arbeitsplätze in den Fischereiregionen in ganz Europa getroffen werden", kritisierte O'Reilly.

ClientEarth begrüßte die Entschiedung, eine offizielle Untersuchung einzuleiten. Jedes Jahr setzten die europäischen FischereiministerInnen in ihren Sitzungen nicht nachhaltige Fangquoten fest. Der Mangel an Transparenz mache es der Öffentlichkeit unmöglich, ihre Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Organisation forderte, dass die Sitzungsunterlagen des Rates sowie Informationen, wie der Beschluss zustandekam, zeitnah zur Verfügung gestellt werden.

Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht über den Status und den Wiederaufbau der europäischen Fischerei mit verfügbaren Daten aus dem vergangenen Jahr waren 69 Prozent der untersuchten 397 Bestände (Fische und andere Meeresfrüchte) überfischt.

Die Europäische Bürgerbeauftragte ("Ombudsman") untersucht Beschwerden über Missstände in der Verwaltungstätigkeit von Organen und Einrichtungen der EU. Der Amtssitz ist in Straßburg. Beschwerde einreichen können EU-BürgerInnen, sogenannte juristische oder natürliche Personen, die ihren Sitz in einem EU-Mitgliedstaat haben beziehungsweise dort wohnen. [jg]

Pressemitteilung O'Reilly

Reaktion ClientEarth
Pressemitteilung zur Beschwerde von ClientEarth