Landwirtschaft & Gentechnik

Anti-Glyphosat-Allianz zeigt Ämter an

06.12.2017

Fünf europäische Umweltorganisationen haben Strafanzeige gegen die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gestellt. Außerdem mehren sich im EU-Parlament und im deutschen Bundestag kritische Stimmen gegen den Einsatz von Glyphosat.

Die Umweltverbände werfen den Behörden vor, die Gesundheit von Menschen und die Artenvielfalt zu gefährden. Obwohl es die EU-Pestizidverordnung vorschreibt, hätten die Ämter "keine unabhängige, objektive und transparente Bewertung der gesundheitlichen Risiken" von Glyphosat vorgenommen. Das BfR stehe sogar unter Plagiatsverdacht. Denn es habe mehrere Studien gar nicht selbst bewertet, sondern wörtlich aus Gutachten der Hersteller abgeschrieben.

Ende November wurde der Wirkstoff für weitere fünf Jahre in der EU zugelassen. Im Frühjahr 2015 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Substanz als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Grundlage für die WHO-Bewertung waren Tierversuche mit beunruhigenden Ergebnissen. Glyphosatrückstände sind immer wieder in Lebensmitteln nachzuweisen. Das Ackergift vernichtet auch sämtliche Pflanzen, die nicht genmanipuliert sind. Dem Umweltbundesamt zufolge raubt es dadurch zum Beispiel Vögeln ihre Nahrungsgrundlage.

GLOBAL 2000, das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) Europe, PAN Germany, PAN Italia und Generations Futures begründen ihre Anzeige auch damit, dass das Vertrauen der EuropäerInnen in die Behörden und das Zulassungsverfahren erschüttert sei. Daher sei eine umfassende Aufarbeitung und Aufklärung erforderlich.

Unterdessen beantragten die Grünen im Europäischen Parlament einen Sonderausschuss zur Untersuchung des Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat in der EU. Es müsse geprüft werden, warum wissenschaftliche glyphosatkritische Studien im Bewertungsprozess ignoriert worden seien, begründete die Vorsitzende der Grünen-Fraktion Ska Keller den Vorstoß.

Im deutschen Bundestag gibt es aus den Reihen der SPD-Fraktion die Forderung, die Nutzung des Giftes national zu beenden. Selbst, wenn ein Verbot des Wirkstoffs als solcher nicht möglich sei,  dürften dann die entsprechenden glyphosathaltigen Präparate keine Zulassung mehr erhalten, sagte der sozialdemokratische Abgeordnete Marco Bülow. [mbu]

Plagiatgutachten zur Glyphosatbewertung

Anzeige der Umweltorganisationen

MdEP Ska Keller zu Untersuchungsausschuss

Vorschlag MdB Marco Bülow