Chemie & Nanotechnologie

Zu alternativlos: Weitere Kritik an REACH

15.03.2018

In der EU werden gefährliche Chemikalien für den Markt zugelassen, obwohl eigentlich sichere Alternativen zur Verfügung stehen. Das haben Umweltorganisationen in einer Analyse des REACH-Zulassungsverfahrens festgestellt.

Die REACH-Verordnung sieht grundsätzlich vor, dass ein besonders besorgniserregender Stoff nur zugelassen werden darf, falls die Vorteile der Chemikalie die Risiken übersteigen und falls keine sicheren Alternativen existieren, die stattdessen verwendet werden könnten. Die Umweltorganisationen ClientEarth und ChemSec werfen der Europäischen Chemikalienagentur ECHA nun vor, dass diese Suche nach Alternativen in den Zulassungsverfahren häufig nicht gründlich genug durchgeführt wird. So sind die Unternehmen, die die Zulassung einer Chemikalie beantragen, hauptverantwortlich dafür, Informationen über Alternativen vorzulegen. Da ihr Anliegen allerdings darin besteht, eine Autorisierung zu erhalten, seien die Informationen über alternative Stoffe häufig unzureichend. Die von der ECHA durchgeführten öffentlichen Konsultationen, in denen Dritte Alternativen vorschlagen können, erreichten zudem nicht genug Aufmerksamkeit. Deshalb seien in der Vergangenheit Stoffe zugelassen worden, obwohl sicherere Alternativen zur Verfügung gestanden hätten.

ClientEarth und ChemSec fordern die ECHA nun dazu auf, die Darstellung der Alternativen genauer zu überprüfen, die Unternehmen daran zu erinnern, dass sie rechtlich zu einer akkuraten Darstellung der Lage verpflichtet sind und selber aktiv nach Alternativen zu suchen. „Wenn eine Autorisierung erteilt wird, … obwohl passende Alternativen existieren, verstößt das nicht nur gegen REACH, sondern bevorteilt die Zauderer und frustriert die Vorreiter“, so die Autoren des Berichts. Die derzeitige nachlässige Prüfung benachteilige die Hersteller sicherer Alternativen.

Die EU-Kommission hatte Anfang März eine Bewertung von REACH veröffentlicht und prüft derzeit mögliche Maßnahmen für die Verbesserung des Bewertungs- und Zulassungsverfahrens (s. EU-Umweltnews vom 6.3.). [km]

Analyse von ChemSec und ClientEarth