Chemie & Nanotechnologie

Verbot von Mikroplastik in Zahnpasta & Co. ist einen Schritt weiter

31.01.2019

Da sie die langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik in der Umwelt bisher nicht abschätzen kann, empfahl die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) der EU-Kommission am Mittwoch, die langlebigen Kunststoffpartikel in der EU zu verbieten.

Der Verbotsvorschlag betrifft absichtlich zugefügtes Mikroplastik in Produkten, das unausweichlich in die Umwelt gelangen wird. Als Mikroplastik gelten synthetische, nicht biologisch abbaubare Polymerpartikel mit einer Größe bis fünf Millimeter und –fasern bis 15 Millimeter. Sie kommen in einer Vielzahl von Produkten wie Kosmetikartikeln, Reinigungs- und Pflegeprodukten, Farben, Lacken, Baumaterialien und medizinischen Artikeln, aber auch in der Landwirtschaft vor. Die Chemikalienagentur empfiehlt der Kommission, den Zusatz von Mikroplastik in Reinigungsprodukten sofort und in anderen Produktgruppen mit einer Übergangsfrist von zwei bis sechs Jahren zu verbieten.

Sie rechnet damit, dass ein solches Verbot in der EU in den nächsten 20 Jahren den Eintrag von etwa 400.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt verhindern könnte. Bisher gelangen die kleinen Kunststoffpartikel hauptsächlich über Abwässer in Klärschlamm und den Boden. Ein kleiner Anteil gelangt auch direkt in EU-Gewässer. Einmal in der Umwelt, ist es praktisch unmöglich, die Kunststoffpartikel wieder zu entfernen. Wenn Klärschlamm als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet wird, gelangt Mikroplastik zudem in die Lebensmittelkette und kann aufgrund der geringen Größe unbemerkt vom Menschen aufgenommen werden. Bisher ist weder klar, welchen Effekt die Anreicherung von Mikroplastik auf die Umwelt, noch auf die menschliche Gesundheit hat.

Deshalb haben in der Vergangenheit bereits einzelne EU-Mitgliedstaaten wie Schweden ein Mikroplastikverbot für bestimmte Produkte erlassen und auch Umweltverbände fordern, den Zusatz in Produkten zu verbieten. Entsprechend positiv bewertet Elise Vitali, Referentin für Chemikalien beim Europäischen Umweltbüro (EEB), den Vorschlag der ECHA und verspricht: „Wir werden alles daran setzen, diesen Vorschlag zu verschärfen, um echte Auswirkungen zu erzielen. Die Bekämpfung von Kunststoffen in Produkten ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um die Lösung des Mikroplastikproblems geht, aber ein notwendiger Schritt."

Dem Vorschlag der ECHA folgen im Laufe des Jahres eine öffentliche Konsultation und Bewertungen durch die Ausschüsse der ECHA, bevor die EU-Kommission voraussichtlich Anfang 2020 eine Entscheidung über das Verbot treffen wird. [km]

Pressemitteilung ECHA
Beschränkungsvorschlag
Pressemitteilung EEB