Artikel von Philipp Sattler

Bürgerschaftliches Engagement für Stadtnatur - ein Praxisbeispiel

Das Projekt "Netzwerk Garten & Mensch" führte von Frühjahr 2017 bis Sommer 2019 ehrenamtlich Engagierte und Gartenbegeisterte aus ganz Deutschland zusammen. Die Kernidee war, ein „Netzwerk zur Erfassung, Qualifizierung und Weiterentwicklung von bürgerschaftlichem Engagement bei Erhalt, Pflege und Entwicklung von gestalterisch und ökologisch bedeutsamen Park- und Gartenanlagen in Deutschland zu initiieren“. Hauptziele waren die Etablierung einer Projekthomepage und ein Themenbuch (siehe Randspalte). Das Bundesumweltministerium (BMU) hat das Netzwerk finanziell gefördert und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) inhaltlich begleitet.

Gärten, Parks und Plätze im öffentlichen Raum, oftmals gefördert, gestaltet oder gepflegt von ehrenamtlichen Initiativen, bieten konkrete Antworten auf globale Krisen und schaffen Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Dazu sind sie Orte für Miteinander und Begegnung.

 

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Martin Buber (1878-1965)

Das Projekt endete 2019. In der Rückschau haben sich die acht Regionaltagungen in allen Teilen Deutschlands als der zentrale Impulsgeber des Netzwerks Garten & Mensch herausgeschält. Trotz der endlosen digitalen Optionen war die direkte Begegnung von Akteur*innen auf den Tagungen vor Ort, ganz im Sinne Bubers, das zentrale Element in der Vernetzungsstrategie. Dabei wurde – wie später im Projektbuch abgebildet– die enorme Vielfalt von Gärten wie auch Formen von Engagement deutlich.

Verständigung von Menschen beim Wandeln in Gärten

Den krönenden Abschluss des Projekts bildete der Wettbewerb zum Kulturpreis der DGGL 2019 „Bürgerschaftliches Engagement für Gärten, Parks und Plätze“. 60 Projekte aus ganz Deutschland hatten sich online beworben. Neben vier Anerkennungen wurden von einer neunköpfigen Jury drei Preise vergeben. Vor zwei Jahren im April fand die festliche Preisverleihung im Allianz Forum in Berlin statt. Die Keynote des Abends sprach Rupert Graf Strachwitz von der Maecenata-Stiftung zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“. Ausgehend vom Garten des jüdischen Philanthropen Albert Kahn in Boulogne bei Paris in den 1910er-Jahren hielt er ein beeindruckendes Plädoyer für die Notwendigkeit von zivilgesellschaftlichem Engagement. Die Vision, die der Elsässer Kahn vor dem Ersten Weltkrieg entwarf, nämlich die Verständigung von Menschen durch das „wandeln und miteinander reden in Gärten“, malte ein inspirierendes Bild auch für unsere Zukunft.

c. pixabay

„DGGL-Präsident Jens Spanjer (machte) deutlich, was für ehrenamtliches Agieren im grünen Bereich im besten Sinne kennzeichnend sei: 'Initiativ, gemeinschaftlich, geschichtsbewusst und kontinuierlich – über alle Widrigkeiten hinweg'.“

Philipp Sattler

Drei Preise für Naturschutz und Nachhaltigkeit, Grün in der Stadt und klassisches bürgerschaftliches Engagement

Christiane Schell, Abteilungsleiterin im Bundesamt für Naturschutz würdigte in ihrer Laudatio die Leistungen des Stadtparkvereins Hamburg für sein Projekt „Ökologisches im Park“. Die Jury erachte dessen Ansatz als „beispielgebend für einen integrativen Umgang mit konkurrierenden Ansprüchen an urbane Freiräume in Zeiten von Nachverdichtung und Klimawandel.“ Für die Integration von ökologischen und gartendenkmalpflegerischen Überlegungen erhalte deshalb der Stadtparkverein Hamburg den Preis in der Kategorie „Naturschutz und Nachhaltigkeit“. Heidi Gemar-Schneider, die Geschäftsführerin des Vereins, betonte, wie wichtig solche Auszeichnungen für das Echo in der Öffentlichkeit, die weitere Arbeit mit der Verwaltung und besonders das Generieren neuer Finanzierungsmöglichkeiten seien.

Hagen Eyink, Referatsleiter im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, hob in seiner Ehrung die Stiftung (M)ein Englischer Garten für das Projekt „Wiedervereinigung des Englischen Gartens“ in München hervor: „Aus der anfänglichen Idee von zwei Menschen ist eine stadtweite Bewegung geworden, die international Aufsehen erregt hat.“ Die Jury würdige dieses nimmermüde Eintreten für ein Gartendenkmal von Weltrang. Den erfolgreichen Einsatz für „grüne Lebens- und Erholungsräume und gegen die Folgen der autogerechten Stadt“ zeichnete die Jury deshalb in der Kategorie „Grün in der Stadt“ aus. Die beiden Geehrten, Petra Lejeune-Grub und Hermann Grub, schilderten anschaulich, wie lange ihr Atem sein musste, um schließlich auch die Landeshauptstadt München von ihrem visionären Vorhaben überzeugen zu können.

In seiner Laudatio auf den „Landschaftsgarten Seifersdorfer Thal – Denkmalpflege, Naturschutz und Kultur“ machte DGGL-Präsident Jens Spanjer deutlich, was für ehrenamtliches Agieren im grünen Bereich im besten Sinne kennzeichnend sei: „Initiativ, gemeinschaftlich, geschichtsbewusst und kontinuierlich – über alle Widrigkeiten hinweg“ sei es in diesem Tal nördlich von Dresden gelungen, ein „sehr großes Park-, Wald- und Erholungsgebiet mit zahlreichen Gartendenkmalen der Vergessenheit zu entreißen“. Damit habe sich der Verein den Preis für „Klassisches Bürgerschaftliches Engagement“ verdient. Preisträgerin Birgit Pätzig sagte: „Das hilft uns (…) enorm, weil wir noch weitere Ziele haben. Eine Auszeichnung ist das beste Mittel, um bei der Presse und der Verwaltung mehr Aufmerksamkeit zu bekommen!“

Nach diesem Erfolg ist es nun erklärtes Ziel der DGGL, auch den Kulturpreis 2022 wieder als Wettbewerb für Bürgerschaftliches Engagement für Stadtnatur auszurichten. Jede Initiative steht dabei für einen konkreten Ort, sei es Garten, Park oder Platz, wo sich Menschen ganz im Sinne Albert Kahns treffen, austauschen und verständigen können.