Pressemitteilung

Deutscher Naturschutztag erstmals in Sachsen-Anhalt

11.07.2016

Sachsen-Anhalt ist erstmalig gastgebendes Bundesland für den 33. Deutschen Naturschutztag – der größten Fachtagung des ehrenamtlichen, verbandlichen und hauptamtlichen Naturschutzes. „Naturschutz und Landnutzung – Analysen, Diskussionen, zeitgemäße Lösungen“ lautet das Motto des 33. Deutschen Naturschutztages, zu dem der Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN) e.V., das Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Deutsche Naturschutzring (DNR) e.V. und das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt vom 13. Bis 17. September 2016 nach Magdeburg einladen.
Tagungsort wird der Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal in Magdeburg sein.

Die ca. 600 erwarteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich über aktuelle Fragen zu den Themenfeldern
o Naturschutz und Landnutzung,
o Schutzgebiete und Nationales Naturerbe,
o Biodiversität und Natura2000,
o Naturschutz und Wasserstraßen,
o Naturschutz in der Stadt,
o Naturschutzrecht, gesellschaftspolitische Fragen sowie über Jugendperspektiven im Naturschutz
austauschen.

Die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen- Anhalt, Prof. Dr. Claudia Dalbert, sagte am Dienstag bei der Vorstellung des Programms in Magdeburg: „Der Schutz der Biodiversität muss zukünftig in der gesamten Kultur-landschaft konsequenter umgesetzt werden. Die Funktionsfähigkeit des Natur-haushalts kann nicht allein über die Sicherung einzelner schutzwürdiger Restflächen gewährleistet werden. Bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt dürfen nicht nur gefährdete oder gesetzlich geschützte Arten und Biotope im Fokus stehen. Beim Deutschen Naturschutztag werden Beispiele präsentiert, bei denen ein integrierter Ansatz im Vordergrund steht. Dadurch können Effekte sowohl zum Schutz und Erhalt der Biodiversität als auch für den Hochwasserschutz, für die Gewässerökologie, für die Regionalentwicklung oder zum Erhalt der Kulturlandschaft erzielt werden.“

Dalbert zeigte sich zuversichtlich, dass die Diskussionen und die Ergebnisse des Deutschen Naturschutztages dazu beitragen, dass mit der Tagung das Interesse der Öffentlichkeit an der Debatte um einen effektiven Naturschutz belebt wird. Heinz-Werner Persiel, Vorsitzender des BBN, forderte „ein Umsteuern der EU-Agrar-förderung unter dem Stichwort ’Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen’ und eine grundsätzliche Änderung und Anpassung der rechtlichen Regelungen, sowie insbesondere eine zeitgerechte Anpassung der sogenannten ’Guten fachlichen Praxis der Landnutzung’“.

Daneben haben die verschiedenen Schutzgebiete und die Flächen des Nationalen Naturerbes eine besondere Bedeutung für den Naturschutz. Der Staat hat hier eine große Verantwortung für das Allgemeinwohl. Eine aufgabengerechte und leistungs-fähige Finanzierung durch den Bund und die Länder sind hierfür erforderlich. „Die seit Jahrzehnten bestehende Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) ist nicht mehr zeitgemäß und sollte in eine ’Gemeinschaftsaufgabe Biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen’ umgewandelt werden“, ergänzte Persiel. „Hierdurch könnte ein funktionaler Ausgleich für die Beanspruchung durch die intensive Flächennutzung ermöglicht werden.“

In den vergangenen Jahren ist es zu einer deutlichen Ausweitung der Themenfelder des Naturschutzes gekommen, sie sind vielfältiger geworden. Viele Naturschutz-akteure aus Praxis, Politik und Wissenschaft nehmen heute auch sozialpolitische Themen, Aufgaben und Probleme in den Blick und gehen strategische Kooperationen mit einer Vielzahl gesellschaftlicher Partner – beispielsweise aus Sozial-verbänden, Religionsgemeinschaften, Sportverbänden, Bildungsarbeit, Kulturorganisationen, Gewerkschaften und Unternehmen – ein, um mit Naturschutz ein gutes Leben für alle zu erreichen und auch zu einer gesellschaftlichen Integration beizutragen. Die Diskussionen mit diesen Partnern – und vielleicht auch neuen- und die Suche nach Lösungsmöglichkeiten für mehr integrativen Naturschutz haben bei diesem DNT einen hohen Stellenwert. Naturschutz und soziale Fragen müssen konsequenter zusammen gedacht werden.

Engagement und Interesse für Naturschutzthemen sind in der jungen Generation derzeit einem starken Wandel unterworfen. Die Annäherung an die Themen Biodiversität, Artenkenntnis, Natur- und Artenschutz ändern sich unter dem Eindruck globaler Umwelt- und Gerechtigkeitskrisen. Lösungen werden daher ganzheitlicher gesucht. So wird auch die bewusste Umstellung von individuellen und gesellschaftlichen Lebensstilen als aktiver Beitrag zum Schutz von Natur und Biodiversität gesehen.
Gleichzeitig ist ein Rückgang an jungen Aktiven festzustellen, die sich langfristig ehrenamtlich in Natur-, Umwelt- und Tierschutzorganisationen binden wollen. Mangels ausreichender Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten können sie im beruflichem Naturschutz keinen Fuß fassen.

„Erstmalig bietet der 33. DNT ein „Junges Forum“ an, um die junge Generation als besonders betroffene und als die Akteure von morgen aktiv einzubinden“

Helga Inden-Heinrich

Eine weitere Neuheit beim 33. DNT ist ein Aufruf an den wissenschaftlich tätigen Naturschutz- Nachwuchs. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten die Gelegenheit, ihre Qualifikationsarbeiten in den Fachveranstaltungen vorzustellen.

Ein Mentoring- Format rundet den Austausch mit jungen Naturschützerinnen und Naturschützern ab: Erstmals bei einem DNT begleiten erfahrene Naturschutzakteure junge Naturschützerinnen und Naturschützer zu Veranstaltungen und Besprechungen. Diese Mentorinnen und Mentoren stehen für Fachfragen und Diskussionen zur Verfügung und unterstützen die Kontaktaufnahme und Vernetzung.

Das Fachprogramm wird mit informativen Ausstellungsständen verschiedener Natur-schutzakteure und vielfältigen Exkursionen traditionell abgerundet. So führen die Tages- und Halbtagesexkursionen in reizvolle Landschaften an Elbe und Havel, in den Harz sowie in den Drömling. Bei den Exkursionen werden Beispiele vorgestellt, wie die modellhafte Umsetzung zum Erhalt von Naturlandschaften in Kooperation mit dem Hochwasserschutz, der Landnutzung oder des Tourismus erfolgen.

Die Landeshauptstadt Magdeburg wartet mit einem reichhaltigen Begleitprogramm und Veranstaltungstipps für Kultur- und Tourismusangebote auf, angereichert mit Angeboten, die über die Arbeit von Institutionen und Vereinen im Bereich des Natur-schutzes informieren. Diese Angebote reichen von Ausstellungen zum Thema Hochwasserschutz in der Stadtbibliothek über eine Umweltfilmwoche im Moritzhof Magdeburg bis hin zu Mitmachaktionen im Ökogarten eines Naturschutzvereins sowie Fachveranstaltungen.

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