Giftiger Bohrschlamm - was unternehmen die Länder?

In einem offenen Brief an die Umwelt- und Wirtschaftsminister der Bundesländer, in denen es in der Vergangenheit Öl- und Gasbohrungen gegeben hat, fordert ein breites Bündnis von Umweltorganisationen Aufklärung über Anzahl und Standorte von Bohrschlammgruben und die zur Sanierung geplanten Maßnahmen. Zudem verlangt das Bündnis Aufklärung über verfügbare Deponiekapazitäten. Nach Recherchen von NDR und WDR gibt es Hinweise, dass in Mecklenburg-Vorpommern möglicherweise an 345 Orten, in Brandenburg an 400 Orten sowie an 170 Orten in Bayern giftige Bohrschlämme von Öl- und Gasbohrungen ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen deponiert wurden. Bundesweit soll es 1400 solcher Bohrschlammgruben geben.

In der Vergangenheit wurde Bohrschlamm direkt an den Bohrplätzen abgelagert, obwohl es sich um gefährlichen Sondermüll handelt. Bohrschlamm enthält nicht nur zum Teil krebserregende Öl-Rückstände, sondern oftmals auch giftige Schwermetalle, wie Quecksilber und Arsen sowie radioaktive Stoffe. In Niedersachsen wird bereits an einer Lösung dieses Problems gearbeitet. Dort soll es nach Schätzungen des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mindestens 500 Schlammgruben geben. Der Umfang der Altlasten ist erheblich: Nach Recherchen von NDR und WDR fielen bei der Sanierung von lediglich drei Gruben in Niedersachsen rund 720 000 Tonnen Giftmüll an. Dort gibt es nun ein Programm, das umfassende Untersuchungen der Verdachtsflächen vorsieht und eine Standortliste zugänglich macht. Hingegen ist unklar, welche Maßnahmen die anderen Bundesländer ergreifen, um Bohrschlammgruben zu erfassen und zu sanieren.

Die Autoren des Offenen Briefs befürchten eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung - und damit auch der Mengen giftigen Bohrschlamms - falls im Bundestag das geplante Fracking-Gesetzespaket beschlossen würde.