„Goldrausch“ im Erzgebirge

Weltweit läuft die Suche nach mineralischen Rohstoffen wie Seltenen Erden auf Hochtouren, denn der globale Ressourcenhunger steigt beständig. Dass im Zuge dessen auch neue Bergbauprojekte in Deutschland entstehen, ist im öffentlichen Bewusstsein jedoch nur wenig bekannt. Im sächsischen Schwarzenberg wird jedoch nach aktueller Planung 2019 eine Zinn-und Wolfram-Mine in Betrieb gehen, kürzlich haben Bagger mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen.

Bereits im Jahre 2012 erhielt die ein Jahr zuvor gegründete Saxony Minerals & Exploration AG (SME AG) die Genehmigung zur Rohstoffgewinnung und -erkundung im Westerzgebirge. Bereits in der DDR gab es in der Region Bergbauaktivitäten, zwischen 1967 und 1990 wurden insgesamt 1.200t Uran gefördert und in großem Maßstab Erkundungsbohrung vorgenommen, um Vorkommen von Zinn, Wolfram und anderen Mineralien zu dokumentieren. Auf Grundlage der damaligen Aufsuchungsergebnisse wird nun der Bergbau in der Region wiederbelebt.

Es gibt jedoch ein weiteres Erbe des Bergbaus in der Region: Fast 3000 Fässer mit Rückstandmaterial der Wassernachbehandlung wurden nach 1989 in der ehemaligen Grube Pöhla unterirdisch eingelagert und mit Beton versiegelt. Zudem muss das Flutungswasser der Grube nach fast 30 Jahren noch immer behandelt und mit Pumpen abgeleitet werden, da erhöhte Konzentrationen an Radium, Arsen und Eisen auftreten. Ein Ende dieser Maßnahmen ist nicht abzusehen, da sich die Wasserqualität nur sehr langsam bessert. Auch im Zuge der geplanten Bergbauaktivitäten ist damit zu rechnen, dass größere Mengen schwermetallhaltiger Abfälle anfallen, denn in der Region weist der Boden beispielsweise erhöhte Konzentrationen an Blei, Cadmium und Arsen auf.

Das Vorhaben in Schwarzenberg wäre nicht die erste Bergwerkseröffnung der jüngeren Geschichte. Bereits 2013 nahm die Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatwerke GmbH in der Region die Gewinnung von Flußspat auf. Diese Grube war der erste Neuaufschluss eines Untertage-Bergwerks nach 40 Jahren in Deutschland und könnte im Rückblick einen Wendepunkt für den Bergbau in Sachsen und Deutschland darstellen.

Auf Grundlage der vorliegenden Erkundungsbohrungen geht die SME AG in Schwarzenberg von einer Gesamtmenge von jeweils rund 20.000 Tonnen Wolfram und Zinn aus, außerdem kleinere Mengen Zink, Indium und Silber. Besonders interessant erscheint das Vorhaben angesichts weltweit steigender Nachfrage nach Metallen und seltenen Erden sowie dem damit verbundenen Anstieg der Weltmarktpreise. Zudem sind vor allem die Wolframlagerstätten global stark konzentriert – weit mehr als die Hälfte der Vorkommen werden in China vermutet, bei der Förderung liegt der chinesische Anteil sogar bei rund 80%. Wolfram wird vor allem zur Herstellung von Spezialstahlen zur Werkzeugherstellung verwendet, Zinn wird unter anderem für die Herstellung von Loten und Chemikalien benötigt – beiden Metalle werden wohl auch in Zukunft eine wirtschaftlich und strategisch wichtige Rolle spielen.