Umweltverträglicher Kalksteinbruch im Biosphärenreservat?

Die Landesplanungsbehörde im Saarland hat auf raumordnerischer Ebene die Erlaubnis zur Erweiterung des Kalksteinbruchs Bliesgau im Südosten des Saarlandes erteilt. Für die Ausweitung des Kalkabbaus muss nun noch das Genehmigungsverfahren durchlaufen werden – unter den gegebenen Voraussetzungen gilt diese allerdings als wahrscheinlich, da prinzipiell ein Rechtsanspruch auf die Genehmigung besteht. Danach kann der Abbau von mindestens 1,5 Millionen Kubikmetern Kalkstein auf einer zusätzlichen Fläche von 27 Hektar – das entspricht 37 Fußballfeldern - inmitten des Biosphärenreservats Biesdorf beginnen.

Im Rahmen des abgeschlossenen Raumordnungsverfahrens erfolgte eine Umwidmung des Gebiets von einer landwirtschaftlichen Nutzfläche und Naherholungsgebiet zum Rohstoffabbaugebiet. Dabei wurden jedoch die umweltschutzrelevanten Aspekte der Entscheidung nicht ausreichend berücksichtigt, betont auch das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland. Angesichts der Lage des neuen Rohstoffabbaugebiets sind die Bedenken leicht nachzuvollziehen: die betroffene Fläche liegt im Biosphärenreservat Bliesgau und grenzt direkt an dessen Kern- und Pufferzone. Auch die Zufahrtsstraße des Steinbruchs führt durch diese Schutzzone und die angrenzenden Ortschaften. Bei der - konservativ geschätzten - Abbaumenge geht es immerhin um mindestens 375 000 LKW-Fahrten.

Als Biosphärenreservate werden von der UNESCO Gebiete definiert, die „beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweisen dienen“ (§25 BNatSchG). Angesichts der gravierenden und teils irreversiblen Eingriffen in die Natur beim Abbau von mehreren Millionen Tonnen Gestein kann davon jedoch keine Rede sein. Neben der offensichtlichen Veränderung von Boden und Landschaft kommt es zu Lärm- und Staubbelastungen der angrenzenden Naturschutzgebiete. Außerdem lassen sich die mittel- und langfristigen negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna im Vorfeld nur schwer abschätzen.

Die zuständige Landesplanungsbehörde hat mit ihrer Entscheidung die Bedenken bezüglich Natur- und Umweltschutz nun dem Ziel der Rohstoffversorgung untergeordnet. Der in Bliesgau abgebaute Kalkschotter wird überwiegend im Straßenbau eingesetzt, die am Tagebau beteiligten Unternehmen kommen unter anderem aus der Tief- und Straßenbaubranche. Von einer „die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweise“ kann also nur sehr bedingt gesprochen werden.

Gegen die geplante Erweiterung des Tagebaus, der bisher eine Fläche von 10 Hektar umfasst, hatte sich bereits eine lokale Bürgerinitiative formiert. Auch der BUND Saarland lehnt das Vorhaben ab mit der Begründung, dass industrieller Kalkabbau mit den Zielen eines Biosphärenreservats nicht vereinbar sei. Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass die betroffene Fläche um mindestens 12 Meter, voraussichtlich jedoch um bis zu 30 Meter abgetragen würde. Eine Begrenzung von Abbautiefe oder –zeitraum ist im Genehmigungsverfahren nämlich gar nicht vorgesehen.