Tiefseebergbau

Tiefseebergbau (oder Meeresbodenbergbau) bezeichnet die Aufsuchung und Förderung mineralischer Bodenschätze auf und unter dem Meeresgrund. Die Gewinnung von fossilen Rohstoffen mittels Bohrinseln ist seit mehreren Jahrzehnten etabliert, wird jedoch – auch wenn die Fördertiefe mehrere 100 Meter betragen kann – nicht zum Tiefseebergbau gezählt. Gleiches gilt für die Gewinnung mineralischer Rohstoffe wie Sand, der meist in küstennahen flachen Meeresabschnitten stattfindet.

Aufgrund andersartiger chemischer und physikalischer Bedingungen in der Tiefsee können dort große Vorkommen sehr seltener Rohstoffe gefunden werden, beispielsweise Mangan, Kobalt, sowie Bunt-, Edel- und Schwermetalle. Bei steigendem Ressourcenbedarf und knapper werdender Vorkommen an Land wird es zunehmend attraktiver, Tiefseevorkommen zu erkunden und abzubauen anstatt den Verbrauch zu senken. Zudem sind die negativen Auswirkungen des Rohstoffabbaus dort kaum sichtbar. In mehreren 1000 Metern Tiefe können sehr sensible, sich langsam regenerierende Ökosysteme ge- bzw. zerstört werden, etwa durch den Einsatz großer Maschinen oder aufgewirbelter Sedimentwolken. Diese Ökosysteme sind bisher kaum erforscht und die Folgen nicht abzuschätzen.

Rechtlich werden die Bodenschätze außerhalb der 200-Meilen-Zone der Länder durch die Internationale Meeresbodenbehörde verwaltet. Bisher ist nur die Erkundung der Tiefseevorkommen gestattet, seit 2016 sind jedoch Bestrebungen zur Vergabe von Abbau-Lizenzen zu beobachtet. Eines der deutschen Lizenzgebiete im Nordost-Pazifik zwischen Hawaii und Mexiko umfasst 75.000 Quadratkilometer und wird vom BGR seit 2006 im Auftrag der Bundesregierung erkundet. Seit 2015 erkundet das BGR zusätzlich ein potentielles Abbaugebiet für Metallsulfide im Indischen Ozean.

 

Externe Links

Forschungsaktivitäten des BGR

Kritische Einschätzung von Misereor