DNR-Mitglieder

Ökonomie und Naturschutz beim NABU

Für die Entwicklung und Umsetzung neuer Wohlfahrtskonzepte und die Transformation hin zu einer nachhaltigen Ökonomie, ist die Zivilgesellschaft als Treiber des Wandels gefragt. Ökologische und soziale Leitplanken sind untrennbar mit Werteentscheidungen verbunden, die einer gesellschaftlichen Aushandlung bedürfen. Der NABU wird deshalb verstärkt in politische Prozesse eingebunden wie in den Rat für Nachhaltige Entwicklung, eine neue Wissenschaftsplattform zur Begleitung der Sustainable Development Goals (SDGs) und viele weitere Gremien und Agendaprozesse.

Damit wir diese inhaltlich anspruchsvolle Herausforderung meistern können, ist es notwendig geworden, dass wir unsere guten Argumente für Natur- und Umweltschutz durch eine ökonomische Perspektive verstärken, unsere ökonomischen Kompetenzen ausbauen und die NABU-Themenschwerpunkte sowohl durch eine wirtschaftliche Problemanalyse als auch durch ökonomische Lösungsansätze ergänzen. Den Rahmen hierfür bildet eine Nachhaltigkeitsdebatte, die den Anspruch
hat, soziokulturelle, ökonomische und ökologische Entwicklungsziele integriert zu betrachten. Dazu gehört neben der Kritik an dem vorherrschenden Wirtschaftsmodell zwingend auch ein neues Ökonomieverständnis in den Wirtschaftswissenschaften. Insbesondere in der Diskussion über die Bioökonomie wurde uns im Verband zunehmend klar, dass eine nachhaltige Bioökonomie unter dem Paradigma einer neoliberalen Ökonomie ein nicht zu lösender Widerspruch ist. Wachstum
und Konkurrenz als wesentliche Triebkräfte für Forschung und Innovation lassen sich schlecht mit planetaren Grenzen und dem Erhalt der ökologischen wie sozialen Grenzen vereinbaren.

Um dieses neue und herausfordernde Thema im Verband sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt mit Leben füllen zu können, wurde ein Team Ökonomie und Forschungspolitik mit drei Kolleg*innen (Teilzeit) neu aufgestellt. Dazu gehören die Themenfelder Nachhaltige Forschung und Innovation, Ökosystemdienstleistungen sowie Bioökonomie. In einem ersten Schritt wurde ein Hintergrundpapier zu Nachhaltiger Ökonomie erstellt, das jetzt in den Gremien diskutiert wird. Das Verfahren steht noch am Anfang und wird einen längeren Prozess erfordern, damit wir im Verband ein gemeinsames Verständnis für ein notwendiges Umdenken und entsprechende Aktivitäten entwickeln können.


Die Autorin Dr. Steffi Ober ist Referentin für nachhaltige Forschung und Innovation beim NABU.