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Schweisfurth Stiftung: Landwirtschaftliche Kooperation

Kooperation kann gelernt werden!

Der virtuelle Werkzeugkasten vom Projekt „wir-kooperieren“ der Schweisfurth Stiftung unterstützt landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaften mit praxisnahem Fachwissen bei der Zusammenarbeit. Das Projekt kann auf zwei Ebenen zu einer möglichen Transformation beitragen - sowohl mit seinem Open Source Ansatz als auch inhaltlich in Bezug auf das Ernährungssystem. Denn: Kooperation kann gelernt werden!

Seit 2015 fördert das Projekt der Münchner Schweisfurth Stiftung auf diese Weise Kooperationen mit praktischen Hilfsmitteln und geeigneten Methoden im Open Source Format. Das Angebot unterstützt Höfe, die gemeinsam von mehreren Einzelpersonen oder Familien geführt werden. In der biologischen und dynamischen Landwirtschaft steigt die Zahl solcher Betriebe. Vor allem bei jungen Menschen und Familien sind sie sehr beliebt, da ihre Mitglieder sich gegenseitig vertreten, unterstützen und beraten können. Wenn eine Betriebsgemeinschaft auf allen Ebenen funktioniert, ist sie oft kreativ, innovativ und kann somit auch zu einem Wertewandel beitragen. Als Beispiel kann die Hofgemeinschaft Heggelbach in Baden-Württemberg genannt werden. Der Hof wird seit 30 Jahren gemeinschaftlich und biologisch bewirtschaftet, inzwischen von fünf Familien. So gilt es, immer wieder Neuerungen zu bewerkstelligen: Unterschiedliche Anbau - und Verarbeitungsbereiche müssen organisiert, der Wohnraum erweitert und der Generationswechsel koordiniert werden. Besonders der soziale Aspekt ist hier eine große Herausforderung. Um geeignete und gerechte Lösungen zu finden, ist Know-how für eine gelungene Zusammenarbeit notwendig.

Werkzeuge zur Kooperation

Hier kommt der Werkzeugkasten zum Einsatz und leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Die zwölf Werkzeuge, die von den Öko-Beratern Stephan Illi und Thomas Schmid dafür entwickelt wurden, stehen auf der Internetseite www.wir - kooperieren.org zur freien Verfügung. Es wird kein Besitzanspruch artikuliert, sondern Werkezuge geteilt. Hierzu zählt zum Beispiel eine Checkliste, die dabei hilft, den Status quo inklusive potentieller Schwachstellen im Betrieb zu erkennen und zu analysieren: Haben wir ein gemeinsames Leitbild und gemeinsame Ziele? Wie sind die Aufgaben im Betrieb verteilt und wie soll dieser in zehn Jahren aussehen? Nach der Diagnose können Schritt für Schritt weitere Werkzeuge angewendet werden. So hilft der Blick auf bereits erfolgreiche Höfe bei der Formulierung eines eigenen Leitbildes, unterstützen beim Rollenverständnis der Akteure im Betrieb oder zeigen, wie transparente Budgetpläne erstellt werden. Wenn am Ende Klarheit über das gemeinsame Zukunftsbild des Betriebes besteht, sind die Grundlagen für Freude an der Zusammenarbeit gegeben.

Starke Gemeinschaft als Grundlage für nachhaltiges Wirtschaften

Die Informationen und Materialien wurden von Expert *innen erarbeitet und können kostenlos heruntergeladen werden. Solch ein frei zugängliches Angebot gab es bisher noch nicht, weshalb sich Schweisfurth Stiftung, Cocreatio Stiftung für Kooperation und kollektive Entwicklung und Software AG – Stiftung für das Projekt zusammengeschlossen haben. Seit Oktober 2015 wird zudem in einem praktischen Beratungsprozess mit acht Betriebsgemeinschaften zusammengearbeitet. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Gemeinschaftliches Entscheiden und Wirtschaften kann gelernt werden! Jeder Betrieb ist in seiner Struktur einzigartig, deshalb müssen die Werkzeuge individuell angewendet werden. Wenn dies gelingt, ist die Gemeinschaft ökonomisch, ökologisch sowie sozial stabil(er). Durch die Professionalisierung der Kooperation tragen solche Betriebsgemeinschaften darüber hinaus zur Ernährungssouveränität bei und damit auch zu einer Transformation des Ernährungssystems.