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Wachstumskritik und Suffizienzpolitik im BUND

Die beiden Studien „Zukunftsfähiges Deutschland“ von 1996 und 2008 haben nicht nur deutliche Spuren in der deutschen Nachhaltigkeitsdebatte hinterlassen, sondern auch den BUND gewandelt: neben einem Umwelt- und Naturschutzverband ist er nun auch ein Nachhaltigkeitsverband. Slogans wie „Gut leben statt viel haben“ wurden dabei im Verband zum Leitmotiv.

Aktuell gibt es im BUND viele Aktivitäten, die die Grenzen des Wachstums thematisieren und politische Lösungen in Richtung Suffizienz voranbringen. Wie wahren wir die planetaren Grenzen, erhalten die natürlichen Lebensgrundlagen und ermöglichen ein Leben in Würde für alle Menschen weltweit? Wie kann die dafür in den Industrieländern erforderliche deutliche und vor allem absolute Reduktion unseres Ressourcen-, Energie- und Flächenverbrauchs gelingen – über Effizienz und technische Lösungen hinaus?

Die kontinuierliche Arbeit des BUND-Arbeitskreises Wirtschaft und Finanzen, Publikationen wie „Postwachstumsgesellschaft“ oder „Damit gutes Leben einfacher wird. Perspektiven einer Suffizienzpolitik“ von Angelika Zahrnt u. a. sowie Veranstaltungen mit interessierten Mitgliedern zur Ökosteuer, zu verschiedenen Facetten einer Wachstumskritik, zu Postwachstum oder Suffizienz erneuern und erweitern bis heute beständig die Debatte innerhalb des Verbandes. So wurde beispielsweise 2015 ein Positionspapier für den BUND erarbeitet, welches sich der Wachstumsfrage stellte und bereits konkrete Forderungen an die Politik formulierte.

BUND-Gremien wie die Delegiertenversammlung, der Vorstand und der Wissenschaftliche Beirat arbeiten daran, diese Fragen noch stärker im gesamten Verband zu verankern. Arbeitskreise und Fachreferate greifen die Themen mit Veranstaltungen und Veröffentlichungen auf, zu wirtschaftspolitischen Fragen, zum Abbau umweltschädlicher Subventionen, zum Thema Energie sparen oder Abfall vermeiden. So soll die Perspektive langfristig zur Querschnittsperspektive, einem Mainstreaming gleichkommend, für fast alle Bereiche werden.

Transformation vor Ort: Kommunaler Zugang ist greifbar und erlebbar
Warum findet das Themenfeld „Nachhaltigkeit, Suffizienz, Postwachstum, Transformation“ – trotz der eher sperrigen Begriffe – so starke Resonanz im Verband? Vermutlich weil es einerseits „das große Ganze“ ins Visier nimmt und zugleich auf kommunaler und lokaler Ebene konkrete Lösungsansätze zu finden sind. Die Handlungsfelder reichen von der individuellen Handlungsebene, die den eigenen ressourcenschonenden Lebensstil betrifft, über BUND-Orts- und Jugendgruppen, die beispielsweise Umsonstläden, Repair-Cafes oder Stadtgärten initiieren bis hin zu politischer Lobby- und Kampagnenarbeit, um Strukturen und Rahmenbedingungen für gelebte Suffizienz zu schaffen. Veranstaltungen des Bundesverbands, die die kommunale Ebene adressierten, stießen immer wieder auf großes Interesse bei Landesverbänden und Kreis- und Ortsgruppen.

Sozial-ökologischer Wandel als Zukunftsthema
Wie sich besonders in der BUNDjugend zeigt, ist die Frage nach einem sozial-ökologische Wandel von zentraler Bedeutung für junge Menschen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich die aktuellen globalen und gesellschaftlichen Krisen nicht mehr allein aus einer monothematischen Perspektive lösen lassen. Vielseitige Aktivitäten des Jugendverbands wie die „Transformationsakademie“, Bildungsbroschüren, konsumkritische Stadtführungen, Kleidertauschpartys oder Aktionen zum Erdüberlastungstag zeigen, welchen Stellenwert die Themen Postwachstum und Suffizienz mittlerweile haben. Auch für die Weiterentwicklung des Verbands und die Attraktivität für junge neue Mitglieder, ist das Thema also von großer Bedeutung.


Die Autorinnen arbeiten beide beimm BUND: Christine Wenzl in der Stabstelle Nachhaltigkeit und Jenny Blekker in der Nachhaltigkeitskommunikation.