Transformationsmodelle

WGBU: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation

Der WBGU begreift den nachhaltigen weltweiten Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft als „Große Transformation“. Auf den genannten zentralen Transformationsfeldern müssen Produktion, Konsummuster und Lebensstile so verändert werden, dass die globalen Treibhausgasemissionen im Verlauf der kommenden Dekaden auf ein absolutes Minimum sinken und klimaverträgliche Gesellschaften entstehen können. (S.5)

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) wurde 1992 im Umfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro von der deutschen Bundesregierung als unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium eingerichtet. Wesentliche Aufgaben des WBGU sind es, globale Umwelt- und Entwicklungsprobleme zu analysieren und darüber in Gutachten zu berichten, sowie Handlungs- und Forschungsempfehlungen für die Bundesregierung und die breite Gesellschaft zu erarbeiten.

In ihrem zentralen Hauptgutachten Welt im Wandel - Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ beziehen die Mitglieder des WBGU Stellung und beschreiben ihre Vision einer sog. Transformation sowie den Hauptakteuren ebendieser.

Für den WBGU ist klar, dass das heutige weltweite Wirtschaftssystem, welches zu Gänze auf die Verbrennung von fossilen Energieträgern angewiesen ist, ein untragbarer Zustand ist. Die Dekarbonisierung, also die Ablösung fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energie im globalen Maßstab, wird vom WBGU als die zentrale Aufgabe aller Transformationsbemühungen angesehen.  

Wichtigste Aufgabe sei ist es, globale Kooperation für die Erreichung internationaler Klimaschutzabkommen (Paris 2015) sowie den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs)  zu fördern und voranzutreiben. Zentraler Akteur für den WBGU ist hierbei der gestaltende Staat. Der entsprechende Auftrag heute lautet somit Transformation zu einer nachhaltigen Weltgesellschaft und Weltwirtschaft!

Besonders in ihrem neuen Sondergutachten aus dem Spätherbst 2016 „Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation: Die vier großen I. Ein Beitrag zur deutschen G20 Präsidentschaft 2017“, machen die WBGU Mitglieder deutlich, wie internationale Krisen und eine kooperations- und demokratiefeindliche Gegentransformation den Übergang zur Nachhaltigkeit gefährden.

Diese Dynamiken begünstigen den Eindruck, die Globalisierung sei ein Elitenprojekt, was in vielen Ländern zum Aufstieg eines autoritären, völkischen Nationalismus beigetragen hat. „Our country first“-Bewegungen sind Absagen an internationale Kooperation und an den Schutz globaler öffentlicher Güter. Damit steht der „Großen Transformation zur Nachhaltigkeit“ (WBGU, 2011) eine autoritäre, neonationalistische Gegentransformation gegenüber, die die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bedroht.

Diesen Tendenzen muss eine klare Vision einer globalen, solidarischen Zukunft entgegen gestellt werden. Eine besondere Verantwortung kommt nach dem WBGU der Gruppe der G20 zu, die ca. 82% des Weltsozialprodukts erwirtschaften, gleichzeitig aber auch ca. 80% der globalen Treibhausgasemissionen verursachen und ausstoßen.

 Die Gruppe der G20 müsse somit:

  • Anstreben, ein Dekarbonisierungsziel zu vereinbaren, welches den Ländern vorschreibt, ihre CO2-Emissionen bis 2050 auf null abzusenken.
  • Finanzierungsmodelle zu entwickeln und umzusetzen, welche den Weg in eine nachhaltige Zukunft unterstützen. Für den WBGU wären sog. Zukunftsfonds geeignete Mittel, welche Investitionen in zukunftsträchtige Innovationen fördern und sich aus der CO2-Bepreisung sowie aus eine progressiven Nachlasssteuern (10-20 % des nationalen Erbschafts- und Schenkungsvolumens) speisen.
  • Klimaschutz- und Nachhaltigkeitspolitik als globales Gerechtigkeitsprojekt verstehen.
  • Nationalismus und autoritäre Bewegungen zurückdrängen. Eine so gestaltete nationale wie internationale Nachhaltigkeits- und Klimaschutzpolitik wäre ein geeignetes Projekt der G20, um nationalistisch-autoritären Bewegungen und deren Absagen an internationale Kooperation einzuhegen.