1986 - Tschernobyl, der erste Umwelttag und was noch geschah

Das einschneidendste Ereignis für die Umweltbewegung im Jahr 1986 fand am 26. April statt. Im Atomkraftwerk Tschernobyl brennt es, eine atomare Kettenreaktion beginnt und der Reaktorkern schmilzt. Menschliches und technisches Versagen zeigen vielen Menschen, dass es keine "friedliche Nutzung der Kernenergie" gibt. Die radioaktive Wolke erfasst weite Teile der Sowjetunion, Osteuropas sowie Skandinaviens und lässt auch die Strahlenbelastung in Westeuropa bedenklich ansteigen. In Tschernobyl sterben Helfer beim Zubetonieren der Anlage, große Teile der Bevölkerung werden umgesiedelt. Bis heute strahlt die Umgebung des Kraftwerkes und hat im Frühjahr 2020 durch Waldbrände wiederum die umgebende Sperrzone mit radioaktivem Caesium verseucht.

"Eine Technik, die ein so hohes Risiko in sich birgt, und von der bekannt ist, daß sie in Teilbereichen noch nicht  oder noch nicht ganz beherrscht wird (Endlagerung und Wiederaufbereitung), darf aus ethischen Gründen nicht betrieben werden."

DNR-Jahresbericht/DNR-Appell zur Atomkatastrophe Tschernobyl

Der DNR schreibt in seinem Jahresbericht über den DNR-Appell zur Atomkatastrophe Tschernobyl: "Eine Technik, die ein so hohes Risiko in sich birgt, und von der bekannt ist, daß sie in Teilbereichen noch nicht  oder noch nicht ganz beherrscht wird (Endlagerung und Wiederaufbereitung), darf aus ethischen Gründen nicht betrieben werden." Der Dachverband will "unverzügliche Konsequenzen" wie einen Untersuchungsausschuss im Bundestag und eine offene Informationspolitik.

Forderungen des DNR:

  1. Den sofortigen Stopp aller in Bau und Planung befindlichen Kernkraftwerke und Anlagen dieser Technologie
  2. Die Neuorientierung der bisherigen Politik der Energieversorgung, den Ausstieg aus der Kernenergie und die Forcierung der einheimischen Kohleverwertung [das sieht der DNR heute definitiv anders, Anm. d. Red.] sowie erneuerbarer Energiequellen
  3. Internationale Verhandlungen, um andere Regierungen von der Notwendigkeit einer Umorientierung zu überzeugen
  4. Stärkung der nationalen, europäischen und internationalen Gremien, um bei Störfällen rechtzeitig Schadensvorsorge treffen zu können
  5. eine zuverlässige, umfassende Aufklärung der Bevölkerung über die Gefahren eines Störfalls mit Strahlungschäden und die realistische Möglichkeit eines Schutzes

Der Deutsche Naturschutzring lädt zum 1. Deutschen Umwelttag

Im Juni fand in Würzburg trotz schlechten Wetters zwischen dem 6. und 8. Juni 1986 der erste Deutsche Umwelttag statt. Acht Foren, fünf Fachkonferenzen, 53 Arbeitskreise, ein begleitender Umweltmarkt und erstmals eine Umweltmesse sowie eine Großkundgebung am 7. Juni zeigten, wie wichtig das Thema Natur- und Umweltschutz den vielen Teilnehmern und Teilnehmerinnen war. Am Haupttag nahmen 20.000 Menschen teil. Die Würzburger Erklärung unter dem Motto "Ja zum Leben - Mut zum Handeln" enthielt unter anderem Forderungen wie die Neuordnung der Energieversorgungsstrukturen, den Ausstieg aus der Atomkraft oder ein weltweites Moratorium für Gentechnologie. Aber auch Naturschutz, bäuerliche Landwirtschaft, eine ökologische Professionalisierung der Verwaltung, das Kreislaufdenken in der Abfallwirtschaft, eine neue Chemikalienpolitik sowie Neuerungen im Umweltrecht waren Thema.

Parallel - am 6. Juni 1986 - wird in Bonn das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gegründet. Das Thema "Umwelt" hat es ganz oben auf die Agenda der Bundespolitik geschafft - dass es dazu einer Kernschmelze bedurfte, zeigt, wie groß die Widerstände waren - denn Themen gab es seit Jahrzehnten. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz beispielsweise war bereits im Dezember 1970 gegründet worden und nach eigenen Angaben sogar das erste Umweltministerium in Europa und weltweit.

Ein weiteres Ergebnis des Deutschen Umwelttages war übrigens die Gründung des "Verkehrsclubs der Bundesrepublik Deutschland e.V." (VCD) - ein "Verkehrsclub für Umweltbewußte", wie es im DNR-Jahresbericht heißt. Die Aktiven haben es sich zur Aufgabe gemacht, die "nicht gerade menschen- und umweltfreundliche Verkehrspolitik (...) grundlegend zu verändern".

Neue Mitglieder im DNR

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm und die Aktionsgruppe Robin Wood treten dem Dachverband als Mitglied bei.