Drei Fragen an Jürgen Maier

Was verbindet Sie mit dem DNR und was waren Ihre kuriosesten Erlebnisse im DNR?

Mit dem DNR verbindet mich eine nunmehr 24-jährige Leitung der Projektstelle Umwelt & Entwicklung – damit bin ich der Dienstälteste in der Geschäftsstelle und der einzige, der noch die Bonner Zeiten miterlebt hat. Kuriose Erlebnisse gab es in dieser Zeit jede Menge, wie etwa 1997 mein Vorschlag, dass nicht nur das Forum U&E sich einen Internetauftritt zulegen sollte, sondern auch der DNR und die Antwort lautete »das brauchen wir nicht«. Bei meiner ersten DNR-Mitgliederversammlung verkündete der Tagungsleiter: »Als Vizepräsident ist Glenn Miller gewählt« [gemeint war Leif Miller]. Als das Forum nach dem Amtsantritt der rot-grünen Regierung 1998 weiterhin regierungskritische Pressemitteilungen herausgab, fragte mich der neue Umweltminister erbost, »bist du für mich oder gegen mich?«…

Was waren aus Ihrer Sicht die größten Erfolge des DNR für den Natur-, Tier- und Umweltschutz?

Die größten Erfolge des DNR sind keine Paukenschläge oder einzelne Ereignisse. Dachverbände wie der DNR und Netzwerke wie das Forum Umwelt & Entwicklung wirken meist im Hintergrund, denn so wollen es die Mitgliedsorganisationen haben. Kontinuierliche Vernetzung und Koordination ist kein spektakuläres Ereignis, aber bereitet den Boden dafür, dass sich die politische Landschaft ändert. Dass wir gegen massive Lobbyinteressen Atom- und Kohleausstieg vorangebracht haben, TTIP verhindert haben, die Gentechnik ein Schattendasein führt, der Widerstand gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft langsam Früchte bringt, das Artensterben zum politischen Dauerbrenner wird – keine Organisation hätte das alleine geschafft. Das schaffen wir nur zusammen.

Was wünschen Sie dem DNR für die nächsten 70 Jahre?

Für die nächsten 70 Jahre wünsche ich dem DNR nicht nur, dass er gesund und munter bleibt. Durchsetzungsstark soll er sein:

"Wenn die Frage aufkommt, wer im Berliner Lobbysumpf am durchsetzungsstärksten ist, sollen nicht Namen wie Verband der Automobilhersteller, Mineralölwirtschaftsverband oder Verband der Chemischen Industrie fallen, sondern Deutscher Naturschutzring."

Jürgen Maier, Projektleiter Forum Umwelt & Entwicklung

Damit er das schafft, müssen das nicht nur seine Mitglieder so haben wollen, sie müssen auch alle gemeinsam volksnäher werden. Auch die 85 Prozent Nichtakademiker müssen den DNR als eine Lobby wahrnehmen, die ihre Interessen vertritt. Und dafür müssen sie im Verband selber wichtiger werden.