Ressourcenfluch

Der Begriff Ressourcenfluch bezeichnet verschiedene negative Auswirkungen, die mit großen Reserven natürlicher Ressourcen in einem Land oder einer Region in Verbindung gebracht werden. Entgegen der ursprünglichen Annahme, dass sich Ressourcenreichtum im wesentlich positiv auf die Entwicklung eines Landes auswirkt, setzt sich seit den 80er Jahren eine differenzierte Sicht durch. Empirische Untersuchungen belegen zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Ressourcenreichtum und niedrigem Wirtschaftswachstum in erdölreichen Ländern.

Die Erklärungsansätze sind vielfältig und für einzelne Länder unterschiedlich ausgeprägt. Häufig führt ein großer Reichtum an natürlichen Ressourcen zu einer einseitigen und damit krisenanfälligen Wirtschaftsstruktur. Fallende Ölpreise in den letzten Jahren hatten teils dramatische Folgen für Länder wie Venezuela und Nigeria, die stark vom Erdöl abhängig sind. Zudem fördern große Vorkommen natürlicher Ressourcen Machtkonzentrationen in einzelnen Rohstoffunternehmen, Korruption und bewaffnete Konflikte um die wertvollen Lagerstätten. Mit dem Begriff Ressourcenfluch wird jedoch kein eindeutiger und zwingender Zusammenhang beschrieben, die Daten einiger Länder liefern beispielsweise gar keine Belege für das Phänomen. Dennoch ist es sinnvoll, natürlichen Ressourcen bei der Analyse von Konflikten und Fehlentwicklungen eine wichtige Bedeutung beizumessen.